Die Liebe zum Leben

Ihre Liebe, die viele Jahrzehnte andauert, ist ebenso stark wie ihr Werk im öffentlichen Raum. Olga und Miroslav Hudeček sind nicht nur anerkannte Künstler, sondern auch außergewöhnliche Menschen…Ihre Liebe, die viele Jahrzehnte andauert, ist ebenso stark wie ihr Werk im öffentlichen Raum. Olga und Miroslav Hudeček sind nicht nur anerkannte Künstler, sondern auch außergewöhnliche Menschen…

Wir gehen durch einen Garten voller Skulpturen und verschiedenartiger Objekte aus buchstäblich gewachsenen Sträuchern und Bäumen. Wir hatten das Glück, den Ort besuchen zu dürfen, an dem die Zeit stehengeblieben ist. Die Heimstatt zweier Künstler, Olga und Miroslav Hudeček, wirkt wie eine Traumlandschaft. In einem Haus sind zwei Ateliers zu finden, zwei Welten – unterschiedlich und doch verbunden. Ihr Werk ergänzt und durchdringt sich hier, die Energie strömt so in ihrer Reinform bereits jahrzehntelang zwischen ihnen hin und her. Blöcke unbearbeiteten Steins, die fast fertiggestellte Skulptur einer jungen Frau mit einem verträumten Ausdruck, die monumentale Steingutskulptur der Moldau, verziert mit einer letzten Herbstrose… Der Bildhauer Miroslav Hudeček wurde in Strážnice in Mähren geboren und begegnete beim Studium an der Schule für industrielle Kunst in Uherské Hradiště seine Femme fatale, Olga, mit der er sein gesamtes Leben teilt. Das Studium an der Akademie der bildenden Künste in Prag gepaart mit seinem Talent und seinem Fleiß eröffnete ihm gleich zu Beginn seiner Laufbahn das Tor zur Welt, und so verbrachte er in den weniger strengen sechziger Jahren ein Jahr bei einem Stipendienaufenthalt in New York, wo er im Atelier des japanischen Bildhauers Tochio Adate wirkte. Die Werke Miroslav Hudečeks aus Stein, Bronze, Beton, Kupfer, Zinn, Textil und Steingut sind in Sammlungen in aller Welt zu finden. Sein Talent, seine Poetik und die Zeit sind scheinbar schon in seinem Werk eingeschlossen gewesen. Die monumentalen Skulpturen und ihre winzigen Modelle, Bronze- und Keramikfiguren der Pietà, Umarmungen voller Liebe, Mütterchen und viele Formen der Agnes von Böhmen in seinem Atelier sind zusammen mit einem Stück Naturarchitektur zu finden, Holz, das zur Hälfte von Ameisen zerfressen wurde. „Sehen Sie doch diese Schönheit, die die Ameisen einfach so geschaffen haben, das ist Bildhauerkunst“, erzählt der weißhaarige Miroslav mit einem Lächeln und berührt ebenso demutsvoll den verbrannten Torso einer Holzskulptur, die durch die Flammen eine neue Dimension erhalten hat. Seine Frau, immer noch schön und würdevoll, mit einem dicken Knoten aus grauen Haaren, erzählt uns dann bei einem Kaffee Geschichten, die mit der Arbeit zusammenhängen, die ganz natürlich auch ins Familienleben in Verbindung mit ihren künstlerisch begabten Kindern Einzug hielten. Eigenwilligkeit, Zärtlichkeit und Fragilität äußerten sich ganz natürlich im Schaffen, und ihr Werk hat genauso wie das ihres Mannes viele bedeutende Persönlichkeiten angesprochen. Ihre Solitärskulpturen nahmen der finnische Präsident, der schwedische König und weitere ausländische Gäste in ihre Heimat mit. Das gesamte Haus atmet jedoch nicht nur in den Werken von Miroslav und Olga, sondern lässt ebenso die Handschrift ihrer außerordentlich begabten Kinder Veronika und Dominik erkennen. So als seien diese immer an der Seite ihrer Eltern präsent, auch wenn ihr Leben ganz plötzlich vor mehreren Jahrzehnten endete. Das Schicksal hat es ihnen nicht erlaubt, alt zu werden, aber es hat ihnen Talent und liebende Eltern gegönnt. Und eine solche Liebe überdauert natürlich, auch nachdem das die menschliche Hülle gegangen ist.

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Text Kateřina Černá Foto Karin Zadrick