Die aktuelle Verkaufsausstellung Ota Janeček: Aus dem Atelier im Arthouse Hejtmánek im Prager Stadtteil 6 – Bubeneč beweist, dass Janeček viel mehr als ein talentierter Buchillustrator war. In der umfangreichen Schau, die der Kurator und Galerist Tomáš Hejtmánek mit rund 400 Werken aus dem Nachlass von Janeček zusammenstellte, entstand ein facettenreiches Portrait des Künstlers, der noch zu seinen Lebzeiten zum Klassiker wurde.
„Ota Janeček war eine Renaissance-Persönlichkeit. In mehr als einem halben Jahrhundert aktiver Schaffenszeit experimentierte er unermüdlich mit neuen Techniken, Materialien und Stilen“, erklärt Tomáš Hejtmánek. Mit dem umfangreichen Werk von Janeček plant er für die Zukunft noch weitere Ausstellungen. Eine davon soll beispielsweise den Illustrationen vorbehalten sein.
Persönliche Begegnung mit dem Künstler
Tomáš Hejtmánek hat Ota Janeček persönlich kennengelernt. Der Künstler besuchte häufig die Werkstatt seines Vaters Oldřich Hejtmánek, der ein angesehener Stuckateur und Bildhauer war. Für Janeček fertigte er Gipsmodelle von Skulpturen an, die er im Nachhinein in Bronze gießen ließ. „Ich war etwa dreizehn, als mein Vater mich in Janečeks Atelier in der Široká-Straße mitnahm, denn dieser Maler sollte mich auf die Kunstschule vorbereiten. Sein unglaublicher Fleiß beeindruckte mich damals zutiefst“, sagt Hejtmánek. „Ich erinnere mich an seine These, dass Erfolg zu einem Prozent aus Talent und zu 99 Prozent aus Fleiß bestunde. Und obwohl viele bekannte Persönlichkeiten meinen Vater aufsuchten, war Janeček für mich damals der berühmteste Maler, den ich aus engster Nähe erlebt habe. Mein Vater sprach ihn mit „Meister Janeček“ an, und sein Besuch bei uns war immer ein Ereignis. Ich kannte ihn als einen gutaussehenden, charismatischen und selbstbewussten Mann, der gern scherzte. In den 80er Jahren schenkte er meinen Eltern ein Gemälde, das meine gesamte Kindheit begleitete. Das Gemälde Der Grabstein ist eine typisch verträumte Szene mit einem dunklen Menhir, einem roten Vogel und einem schwarzen Raben, eingefangen im orangefarbenen Schein der Sonne. Der Maler hat darin seine

unnachahmliche, originelle Welt voller Melancholie und zarter Schönheit zum Ausdruck gebracht, die uns bis heute verzaubert. Auch dieses Gemälde werden wir jetzt im Arthouse zeigen“, fügt Hejtmánek hinzu.
Natur als ewige Inspirationsquelle
Die derzeitige Schau im Arthouse Hejtmánek konzentriert sich vor allem auf Janečeks frühe Werke aus den 40er und 50er Jahren, insbesondere auf die vom Kubismus geprägten Zeichnungen. Ebenso auf den Einfluss spanischer Modernisten, denn Janeček hat kurz nach dem Zweiten Weltkrieg das Atelier von Pablo Picasso in Paris besucht. Zu sehen sind daher auch Arbeiten aus den 1960er Jahren, als Janeček zu abstrakten Formen überging. Seine wichtigste Inspirationsquelle fand er in der Natur und ihren einzelnen Mikrokosmen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Janečeks Arbeiten auf Papier, die er von 1940 bis 1960 in seinem Prager Atelier im Prager Stadtteil Holešovice schuf und die erst vor Kurzem entdeckt wurden. Viele davon werden der Öffentlichkeit zum ersten Mal präsentiert. So kann man nun seine typischen Frauenakte, Zeichnungen von Vögeln, Blumen und Schmetterlingen, aber auch tschechische und französische Landschaften bewundern. Darüber hinaus sind in der Ausstellung vom französischen Kubismus beeinflusste Stillleben, Figuren, Portraits, Skulpturen, Plastiken, wie beispielsweise Der Kopf, das berühmte Ölgemälde Das Gras oder der bereits erwähnte Grabstein, und diverse Entwürfe für Textilien und Keramik zu sehen.
Die Ausstellung zeigt überdies persönliche Gegenstände des Künstlers, wie einen Schreibtisch mit Farbenpalette und Farben, eine Malleiter, einen Kalender mit Janečeks Arbeitsterminen, ein Sofa und unbenutzte Farbtuben, wie auch eine große Ausstellungstafel mit Fotografien, die das Arbeitsumfeld und den Lebensstil dieses vielseitigen Künstlers näherbringen. Ota Janečeks Schaffen runden seine Skulpturen im Garten der Galerie ab.
Seidenschals als limitierte Kollektion
Eine Besonderheit der Ausstellung sind die von Ota Janeček entworfenen Tücher. Drei von Janečeks Entwürfen dienen als Vorlage für limitierte Kollektionen von Seidentüchern, von denen jeweils fünfzig Stück bei Arthouse Hejtmánek hergestellt werden. „Die Tücher werden ähnlich wie Grafiken nummeriert. Ihre Designs sind vom Kubismus, der Volkskunst und den damaligen Trends in der modernen Kunst inspiriert und gleichzeitig sind sie für Janeček charakteristisch“, bemerkt abschließend der Prager Galerist Hejtmánek.

Die Ausstellung im Arthouse Hejtmánek läuft bis zum 31. Oktober 2025.
Foto: René Volfík, Lucie Pantazopoulou Drahoňovská



