Noch bis zum Ende September verläuft im Renaissance-Schloss Bechyně in Südböhmen die Kunstschau Sculpture Park 2025, die Werke zeitgenössicher Künstler aus dem In – und Ausland präsentiert. Die Kuratorinnen der umfassenden Exposition Claudia Rajlich und Nicole Stava schöpften bei ihrer Auswahl aus der Privatkunstsammlung der Familie Stava sowie auf Kollektionen zwei namhafter Galerien: der deutschen Konrad-Fischer-Galerie und der italienischen Galleria Continua.
„Auf Schloss Bechyně präsentieren wir die Kunst bereits seit 1998, wobei es jedoch immer nur tschechische und regionale Ausstellungen gewesen sind. Vor fünf Jahren habe ich mich entschlossen, dass ich die Welt hierher bringen will. Seitdem kooperieren wir mit internationalen Galerien,“ erklärt die Hauptkuratorin und Geschäftsführerin des Schlosses Bechyně Nicole Stava.

Zum Hauptthema dieses Jahres wählte man Humanity, die rund 60 Künstler durch ihre Werke im historischen Interieur des Schlosses, im Getreidespeicher sowie im Schlosspark reflektieren. Denn dieses Thema soll laut der Veranstalter in der Gesellschaft und Medien seit Jahrhunderten resonieren. „Letztes Jahr standen die Menschenrechte im Mittelpunkt, dieses Jahr ist es die Freiheit als Doppeldeutigkeit. Die Freiheit der Künstler damals und heute, ebenso wie die Freiheit des Kunstsammlers, Kunstobjekte in einen anderen Kontext zu stellen. Wir feiern die Vielfalt und die persönlichen Visionen der Autoren“, betont Nicole Stava.
Pistoletto, Andre, Bartoníčková
Gemeinsam begeben wir uns zuerst in den Schlosserdgeschoss, wo sich unter den historischen Gemäuern das riesige, wellige Kartonlabyrinth hinzieht. Es ist The Mirror of Judgement von Michalangelo Pistoletto. Der 1933 in der kleinen italienischen Stadt Biella geborene Künstler zählt inzwischen zu den bedeutendsten Vertretern der Moderne. In seinen Werken definiert er die Konzeptkunst aufs Neue. So wie auch in seinem wohl herausragendsten Werk, das er 2011 in der namhaften Serpentine Gallery in London installieren ließ. Pistoletto wurde dieses Jahr für den Friedensnobelpreis nominiert, weil er sich sein Leben lang dafür einsetzt, Kunst als Mittel zur Erreichung eines dauerhaften Friedens zu nutzen.

Im ersten Stock des Getreidespeichers trifft man auf Carl Andre’s 4 Square 4 Void von 2018. Der amerikanische, im Vorjahr verstorbene Bildhauer, schuf seine Bodenskulpturen direkt vor Ort aus industriellen Materialien wie Holz, Metall und Stein, indem er sich selbst nicht als Atelierkünstler, sondern „ein Künstler des Ortes“ bezeichnete.
Mittels ihre figurativen Skulpuren Beulenmann (2002) und Wilde Leute (2023), die mit traditionellen Techniken wie Holzschnitzerei und Keramik hergestellt wurden, konfrontiert uns die in Mannheim geborene Paloma Varga Weisz mit ungewöhnlichen, fast märchenhaften Wesen aus einer Fantasiewelt. Sie stellen den ursprünglichen Zustand des Menschen dar, der ohne gesellschaftliche Einschränkungen und im Einklang mit der Natur lebt.

Der weiblichen Identität widmet sich in ihrem Schaffen die tschechische Bildhauerin Dana Bartoníčková. Ihre Arbeiten stellen gewissermaßen eine Art anthropologische Untersuchung dar, wobei sie prähistorische Gemeinschaften thematisiert. Ihre 220 cm hohe Statue Miss Tender II (2025) grüßt den Besucher gleich am Eingang des Schlossparks. Dort steht die Großinstallation Pig (2003) von Jan Kadlec – ein metaphorisches Bild der Welt der Politiker dar. „Wenn man auf einer Sprungschanze steht, muss man sich entscheiden zu springen, was für ein Schwein den sicheren Tod bedeuten würde. Bei Politikern ist es dasselbe. Sie erreichen ein bestimmtes Ziel, können aber nicht springen,“ sagt Kadlec und fügt hinzu, dass im westlichen angloamerikanischen Raum das Wort „pig“ (Schwein) eine Metapher für Politiker ist”, erklärt Kadlec.
Unübersehbar ist weiterhin auch die monumentale Skulptur Castor & Pollux (2015) von Tony Cragg, die sich mit seiner komplexen Form und seiner auffälligen Farbe einer figurativen Interpretation entzieht. Dabei verkörpert sie jedoch pulsierende Muskelkraft und tierische Energie.



