🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Magnetofonové koláže Gregora Hildebrandta
Gregor Hildebrandt‘s Ausgangsmaterial für seine Tafelbilder, Fotoarbeiten, Collagen oder Installationen sind analoge Datenträger. Durch kleine Schnipsel von einer Musikkassette aus verformten Vinylschallplatten oder VHS, auf denen ein Musikstück oder eine Filmszene festgehalten werden, kreiert er minimalistische Kunstwerke, um visuelle Kompositionen zu schaffen. Die Fragmente zerlegter Ton- oder Videobänder lassen sich nicht mehr abspielen. Durch die künstlerische Transformation werden konkrete musikalische und filmische Inhalte unsichtbar und unhörbar.
Tonbänder als Kunstwerke
Hildebrandt thematisiert in seinen Arbeiten häufig Konzepte der Erinnerung, des Klangs und des Vergänglichen. Er spielt mit der Idee der Überlagerung sowohl in der visuellen als auch in der akustischen Dimension. Die Faszination des Betrachters liegt gleichermaßen in der Imagination des Inhalts als auch im fragil veränderten schwarzen, matten oder glänzenden Material. Erst nach genauem Hinsehen werden Tonbänder, Brüche, Fugen oder Risse erkennbar und zum abstrakten Kunstwerk zusammengefügt. Seine Kunst fordert die gängigen Vorstellungen von Zeit und Raum heraus und regt an, über die Erinnerungen und die Bedeutung von Medien nachzudenken.

Gregor Hildebrandt hat weltweit ausgestellt, darunter in renommierten Institutionen wie der Kunsthalle Düsseldorf und dem Museum of Modern Art in New York. Der Künstler wird durch große Galerien wie Perrotin in Paris oder Wentrup in Berlin vertreten. Er gilt als wichtiger Vertreter der zeitgenössischen Kunstszene, der innovative Wege findet, um traditionelle Medien neu zu interpretieren.
Sein Werk bleibt ein faszinierendes Beispiel für die ständige Evolution der Kunst und deren Fähigkeit, die komplexen Beziehungen zwischen Erinnerung, Materialität und Zeit zu reflektieren. Hildebrandts einzigartige Perspektive und sein kreativer Einsatz von Alltagsobjekten machen ihn zu einem bedeutenden Künstler unserer Zeit.
Seit den frühen 2000er Jahren bist Du vor allem für Deine Kassettenband-Collagen bekannt. Woher kommt Deine Faszination für analoge Tonträger? Wann ist die Idee der künstlerischen Verwertung von analogen Musik- und Filmtechnologien in Form von Tonkassetten, Videobändern und Schallplatten entstanden?
Ende der 90er, noch während meines Malerei-Studiums in Mainz, entwickelte ich die ersten Kassettentonband-Collagen. Ich versuchte damals das Lied Falschgeld der Band Einstürzende Neubauten in einem Konzept-Buch in eine Malerei zu integrieren. Ich stand vor der Frage, wie bekomme ich das Lied in das Buch? Wir hatten alle Kassettenrecorder und machten ständig Mixtapes. Es war das Naheliegendste, das Lied einfach aufzunehmen und dann das Tonband auf die Buchseiten zu kleben. Hieraus sollte zuerst die Serie Tönende Jugend entstehen. Mini-DV und VHS-Bänder kamen dann erst später hinzu, wie auch die Schallplatten oder ein kurzer Ausflug zur CD.

Du „komponierst“ aus den Tonkassetten und Schallplatten großformatige Collagen, Bilder und Skulpturen. Ist es für Dich wichtig, dass der Betrachter weiß, welche Musik einem konkreten Bild entspricht?
Die Musik ist für jede Arbeit der Ausgangspunkt und die Motivation. Die Kassetten werden extra immer wieder hintereinander mit einem Musikstück bespielt, im Modus ‘repeat’ sozusagen. Der Titel des Bildes verweist auf den Titel des Liedes. Für die Schallplattencollagen verwende ich ausschließlich Schallplatten der Bands vom Plattenlabel Grzegorzki Records.
Wie wichtig ist Musik in Deinem Leben? Was sind Deine musikalischen Favoriten? Und hörst Du bestimmte Musik, wenn Du arbeitest?
Ich höre sehr gern Musik. Neben den von uns veröffentlichten Bands mag ich auch Stephan Eicher Rosin, The Cure und immer wieder die Neubauten. Ich bin nicht besonders musikalisch, sodass ich ein Lied nicht wirklich erfassen kann. Ich muss es immer und immer wieder hören. Daher geht es um etwas beinahe Mantrisches, was das Umfeld ein bisschen nerven kann.
Kannst Du kurz beschreiben, wie ein Collagenbild aus den Datenträgern entsteht?
Gerne, wobei das für verschiedene Arten meiner Arbeiten unterschiedlich ist. Am klassischsten sind vielleicht mittlerweile meine ‚Rip Offs‘. Dieser Begriff stammt von Jan Wentrup. Hierfür habe ich zwei gleich große Formate meist weiß grundiert. Eins wird dann mit Filmoplast beklebt, was man sich wie Klebefolie vorstellen kann, so dass die ganze Oberfläche der Leinwand klebt. Anschließend bemale ich diese Leinwand mit einem transparenten Fixativ, das die Klebkraft der Leinwand an den Stellen, wo es aufgetragen wird, aufhebt. Aber man sieht noch nichts. Ich habe somit zwei weiße Leinwände. Dann wird auf das bisher bearbeitete Format das zuvor z. B. mit dem Lied Grauschleier der Band Fehlfarben bespielte Kassettentonband geklebt. Hierbei muss man darauf achten, dass das Kassettentonband mit der beschichteten Seite zum Filmoplast gerichtet ist. Ich habe jetzt ein weißes und ein schwarzes Format. Dann werden die Bänder des schwarzen Formats der Reihe nach von links nach rechts auf das weiße übertragen. Die Beschichtung des Bands bleibt bei dem schwarzen Bild an den Stellen haften, wo kein Fixativ war.
An den Stellen, wo Filmoplast nicht mehr klebt, bleibt auf dem Film, beziehungsweise auf dem Kassettentonband die schwarze Oberfläche. Es entsteht ein Negativ und ein Positiv.
Im Jahr 2021 hatte Louis Vuitton für seine dritte Artycapucines-Sonderedition u. a. auch Dich beauftragt, seinen zeitlosen Handtaschen-Klassiker künstlerisch neu zu gestalten. Wolltest Du schon immer ein Luxusprodukt künstlerisch gestalten? Wie gefiel es denn Deiner Lebenspartnerin, der renommierten Künstlerin Alicja Kwade?
Die Artycapucines war für mich eine großartige Möglichkeit ein Kunstwerk im öffentlichen Raum zu schaffen. Alicja hat sich sehr über die Tasche gefreut.
2022 hattest Du eine große, sehr erfolgreiche Einzelausstellung mit rund 80 Arbeiten in der neueröffneten Kunsthalle in Prag. Dafür hattest Du eine spezielle Collage für Prag mit dem Titel „Malá Strana“ gestaltet. Was verbindest Du mit Prag?
„Malá Strana“ ist aus der Serie meiner Terrazzo-Fliesen entstanden. Ich wollte in dieser großen Ausstellung unbedingt mein ganzes Arbeitsspektrum zeigen und somit auch etwas aus dieser Serie – tatsächlich war es Zufall, dass das Motiv von Prag ausgewählt wurde. Es ist uns dann bei der Titelgebung aufgefallen, was aber gerade gut gepasst hat. Die meisten Terrazzos kommen aus Venedig.
Dieser Artikel erschien in der achte Ausgabe des Printmagazins N&N – Noble Notes



