Wir hatten uns riesig gefreut. Aber der Virus ist größer als unsere Freude. Die Covid-19-Pandemie breitet sich rasant aus. Nicht nur in Beirut werden erste Maßnahmen ergriffen, sondern auch in Berlin beginnt der Senat, Pläne vorzustellen, wie man mit dieser einzigartigen Krise umgehen soll.
Es ist 11 Uhr morgens, Sonntag, den 9. März 2020, und ich liege noch im Bett. Ich hatte den Abend zuvor im Club Bricks verbracht und Musik aufgelegt. Es war ein toller Abend mit vielen netten Begegnungen und einfach unglaublich viel Spaß. Ich schaue auf mein Handy und lese ein paar Buchstaben, die meine nächsten zwei Wochen verändern werden: Q-u-a-r-a-n-t-ä-n-e.

Um das Risiko für meine Freunde und Mitmenschen so gering wie möglich zu halten, soll ich ab sofort für unbestimmte Dauer zu Hause bleiben. Ich hatte nämlich eine Woche zuvor eine Party im Club The Reed am Alexanderplatz besucht, wo sich im Nachgang neun Leute mit dem neuartigen Virus infiziert hatten.
Bin ich jetzt krank? Oh Gott, wo war ich überall? Ich hoffe, ich habe keinen angesteckt… Ich muss mich testen lassen!! Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf, als mir bewusst wurde, dass ich in unmittelbarer Nähe zu dem Virus stand. Dennoch war mir klar, dass ich der Aufforderung des Gesundheitsamtes Folge leisten wollte, und blieb ab diesem Moment zu Hause. Es begann eine Zeit der Langeweile und Selbstreflektion…

Die ersten zwei-drei Tage waren, um ehrlich zu sein, total erholsam. Vorher war ich viel unterwegs gewesen und hatte kaum Zeit für mich selbst. Ich habe viel telefoniert, Musik gemacht und natürlich auch Netflix geschaut. Um einen herum scheint alles nur noch schlimmer zu werden, und man fängt langsam an, sich Gedanken zu machen, was für eine globale Krise man hier gerade miterlebt.
Berlin sagt Veranstaltungen ab, die Clubs wackeln. Eine noch nie dagewesene Unsicherheit verbreitet sich in der Stadt. Als DJ und Veranstalter wird mir sehr schnell klar, dass diese Krise noch weitere Auswirkungen auf mein alltägliches Leben haben wird. Im Laufe der nächsten Tage wird uns ein Aufritt nach dem anderen abgesagt oder auf unbestimmte Zeit verschoben. Ein ganzes finanzielles Standbein bricht mir innerhalb einer Woche komplett weg. Die Lage scheint aussichtslos.

Freunde und Familie sind das, was in diesen Zeiten wirklich zählt. Mein Bruder, Mutter, Vater und enge Freunde brachten mir alle paar Tage das Essen vorbei – den Einkauf in einer Tüte stellten sie mir vor die Haustür.

Wir hatten täglich Videokonferenzen mit unseren Freunden. Wir redeten darüber, was sich tagsüber ereignet hat, und diskutierten über die Probleme und über das Weitergehen. Man muss zueinanderhalten und gemeinsam Lösungen für die kommenden Wochen oder Monate finden. Und ich überlege mir, was ich nach der Quarantäne als Nächstes tun werde…



