Wenn ich Ruhe brauche, spreche ich mit den Engeln, sagt Lukas Glinkowski

„Mein Leben ist exzessiv“, begann er das Gespräch. Mein Gesichtsausdruck fragte wohl, was ich mir darunter vorstellen soll. „In allem, was ich mache, lege ich 20 Prozent drauf. Wenn ich trinke, dann viel. Wenn ich esse, dann den ganzen Topf. Wenn ich arbeite, dann gehe ich voll in meiner Kunst auf.“

„Hast du auch eine Beziehung?“, frage ich etwas unsicher. „Ja, ich bin seit fünf Jahren mit meiner Freundin zusammen. Wir sehen uns nur einmal pro Woche – aber dann intensiv.“

Ich betrachte seine Bilder. Sie ziehen einen in eine Welt, die zugleich poetisch und verstörend ist. Sie öffnen Räume voller zeitgenössischer Bezüge, jenseits des Offensichtlichen. So erschafft er seinen eigenen Kosmos – nicht erklärbar, sondern nur erfahrbar. Und Erfahrung scheint dieser junge Mann mit den großen, dunklen Augen reichlich zu haben.

„Was ist dein Lieblingsbild in dieser Ausstellung?“, frage ich Lukas Glinkowski.
„Ganz klar _Hardcore Never Dies_. Es ist eine Hommage an den gleichnamigen Film – aber gleichzeitig könnte es mein Leben sein. Autobiografisch.“

Es passt. In _Hardcore Never Dies_ hämmert die Gabber-Musik nicht im Hintergrund – sie übernimmt das Steuer: brutaler Sound im Vollgasmodus, verzerrte Kicks, null Kompromisse. Ein Dauerrausch zwischen Ekstase und Absturz – laut, dreckig, unaufhaltsam.

„Was fasziniert dich an dieser Musik?“ „Nach zwanzig Minuten steigen die meisten aus, weil sie es nicht mehr aushalten. Aber genau dann beginnt für mich die Ekstase.“

Wenn er Ruhe braucht, geht er auf den Friedhof und spricht mit den Engeln. „Da ist Ruhe – aber nicht wirklich. Die Bäume rauschen, Vögel zwitschern, es ist trotzdem nie ganz still.“ Einmal war er in Köln in einem Parkhaus, zehn Etagen unter der Erde. „Absolute Stille. Nichts. Ich habe es bis heute im Kopf – das war vor zehn Jahren.“

„Kannst du dir vorstellen, in völliger Stille zu leben?“ „Nein.“

Die Ausstellung findet im Rahmen des Gallery Weekend Berlin bei der Evelyn Drewes Gallery im BEL ÉTAGE studioberlin von Ilka Grüneberg statt, vom 1. bis 3. Mai.

Danuše Siering, Ilka Grüneberg, Lukas Glinkowski, Evelyn Drewes