Der Hauptangriff auf Deutschland steht noch aus, sagt Festka-Miteigentümer Michael Moureček

Fast jeder hat sich schon einmal ein Fahrrad gekauft. Es gab eine Zeit, in der der Käufer froh war, dass für ihn noch ein Rad übrig geblieben ist. In späteren Jahren war das kein Problem mehr, aber oft stellte der Radfahrer nach ein paar Fahrten fest, dass das Fahrrad nicht ganz zu ihm passte. Der Trend geht jetzt zum Kauf von maßgeschneiderten Fahrrädern. Es ist zwar nicht die billigste Maschine, aber wer sich so ein Rad kauft, der lässt darauf nichts kommen.

Michael Moureček, der Miteigentümer der Marke Festka. Foto: archiv Festka

Der Prager Rennradhersteller Festka – eine umgangssprachliche Bezeichnung für ein Bahnrad – hat damit reichlich Erfahrung. Das Unternehmen verkauft maßgeschneiderte Fahrräder in die ganze Welt. Es hat Kunden im Inland, ist aber zum Beispiel auch auf dem interessanten deutschen Markt erfolgreich.

Der Mitbegründer des Unternehmens ist Michael Moureček. Radsportfans erinnern sich vielleicht an diesen Namen. Er kombinierte zwei Disziplinen. Im Prager Sportklub Dukla fuhr er vor allem auf der Radrennbahn, in Italien fand er seinen Platz im Straßenrennstall, beendete aber seine Karriere im Alter von sechsundzwanzig Jahren. 

„Ich wusste, dass der Radsport kein Sport ist, der mich für den Rest meines Lebens versorgen würde. Ich wollte nicht, dass ich eines Tages aufwache, vierzig Jahre alt bin und im Alltag die Erfahrungen eines Achtzehnjährigen habe,“ sagte der ehemalige Rennfahrer.

So sehen die Modelle einer limitierten Edition aus. Foto: archiv Festka

Michael Moureček begann mit dem Marketing und trat mehrere Jahre lang nicht in die Pedale. Doch als er auf die Dreißig zuging, kamen seine Eltern auf die Idee, ihm ein Fahrrad zu kaufen. „Da ergab sich eine interessante Situation. Obwohl ich früher Rennen fuhr, hatte ich nie versucht, ein Fahrrad zu kaufen. Ich habe darüber nachgedacht und wusste, dass ich keine bestimmte Marke wollte, aber ich wollte mich entsprechend dem Material entscheiden.“ 

Er kam zu dem Schluss, dass er sich ein Rennrad bauen lassen würde. Er und sein jetziger Partner, der sich ebenfalls für die Radmontage begeisterte, begannen, sich bei den Herstellern umzusehen. Doch überraschenderweise stießen sie auf Unverständnis. „Ich brauchte nicht dringend ein Fahrrad, ich wollte mich selbst glücklich machen, sicherstellen, dass an dem Rad alles perfekt ist und dass diese Idee Hand und Fuss hat,“ sagt er.

Maßgeschneiderte Räder garantieren eine komfortable Fahrt

„Wir haben niemanden gefunden, der bereit war, ein solches Fahrrad zu bauen. Niemand hat verstanden, dass es meine Visitenkarte sein sollte. Es war dabei immer noch ein Hobby, Fahrräder für uns zu bauen. Wir dachten, das wäre nicht der richtige Weg. Schließlich verliebten wir uns in die Idee und wollten sie selbst ausprobieren,“ fuhr er fort.

Er und Ondřej Novotný begannen in einer Garage in Prager Südstadt und kamen zwei Jahre lang nicht mehr heraus. „Wir haben darauf gesetzt, dass es eine Zeit geben würde, in der die Menschen bereit sein würden, mehr Geld für ein Fahrrad zu bezahlen, und wir haben von Anfang an daran geglaubt. Wir haben das Unternehmen 2010 gegründet und vor etwa sechs Jahren war ich mit dem Endprodukt äußerst zufrieden,“ verrät Michael Moureček.

Festka unterscheidet sich von anderen Herstellern dadurch, dass es Carbon-Rennradrahmen nicht aus Asien importiert, sondern in der Tschechischen Republik entwickelt und fertigt. Das Unternehmen hat die Lager nicht voll von der Ware. Die Mitarbeiter bereiten das Fahrrad immer für eine bestimmte Person vor. „Es dauert sechs Monate ab dem Zeitpunkt der Auftragserteilung. Der Bau eines maßgeschneiderten Fahrrads ist für den Fahrkomfort sehr wichtig und in der Welt weit verbreitet,“ so der Mitinhaber des Prager Unternehmens, das etwa fünfundzwanzig Mitarbeiter beschäftigt.

Karbonrahmen der Straßenräder importiert Festka nicht aus Asien, sondern entwickelt und produziert ihre eigenen in Tschechien. 6 Monate dauert es, bis das bestellte Fahrrad fertig ist. Foto: archiv Festka

Das Unternehmen hat Kunden in Südostasien, Nord- und Südamerika und Europa. Deutschland, Spanien und das Vereinigte Königreich sind neben der Tschechischen Republik die führenden Länder. „Bestellungen aus dem Ausland werden durch Händler aufgegeben, aber ein großer Teil der Interessenten wendet sich direkt an uns. Interessanterweise funktioniert jedes Land in Bezug auf den Radsport anders,“ sagte er.

„Die meisten Kunden aus Deutschland kommen, um persönlich ein Fahrrad zu bestellen. Sie wollen wissen, wer wir sind und sich vergewissern, dass wir tatsächlich Fahrräder herstellen, was sie zu schätzen wissen. Es ist auch bequemer für uns, den Radfahrer direkt auf einem speziellen Fahrrad zu vermessen, um die ideale Sitzposition zu erhalten. Wir sprechen darüber, wie er sich das Fahren vorstellt, und er darf seine zukünftige Ausrüstung ausprobieren. Viele von ihnen kommen sogar nach sechs Monaten zu uns, um das Rad abzuholen,“ beschreibt er einen Prozess, der an die Anfertigung eines Kleides durch einen Schneider erinnert.

Festka ist vor allem als Marke für teure Rennräder bekannt. „Wir haben die höchsten Preise der Welt, aber wir verkaufen auch Fahrräder, die relativ günstig sind. Man kann die für 150 000 Kronen haben. Deutsche kaufen normalerweise Fahrräder für fünf- oder sechstausend Euro. Natürlich sind das Leute, die ihr Rad für den Sport nutzen und nicht als Transportmittel in der Stadt.“

Solide Testergebnisse

Laut Moureček sind die Deutschen Pragmatiker, die nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis suchen. „Das ist ihre Motivation und sie orientieren sich an den Tests in den Medien, und Festka schneidet sehr gut ab. Das funktioniert auf dem lokalen Markt,“ sagt der Markengründer und fügt hinzu, dass die besten Kunden Menschen um die 40 sind, deren Kindern schon erwachsen sind. 

Nicht nur in Deutschland steigt diese Altersgruppe jetzt auf den Straßenradsport um. „Wir sind seit etwa sechs Jahren dabei, aber ich würde sagen, der Hauptangriff auf Deutschland steht noch bevor. Unsere Umsätze liegen immer noch unter unseren Möglichkeiten. Ich kenne keine deutsche Marke, die das anbietet, was wir tun,“ sinnt er nach. 

Der dortige Markt ist nicht so reif wie der tschechische, und der deutsche Kunde im oberen Marktsegment ist weniger anspruchsvoll. „Aber das beginnt sich zu ändern, und das Radfahren wird dort zu einem Lebensstil. Es ist nur logisch, dass jeder, der in Deutschland ein hochwertiges Sportrad haben will, bei einer Marke wie Festka landet.“ 

Bei künstlerisch gestalteten Fahrrädern arbeitet Festka mit bildenden Künstlern und Designern zusammen. Foto: archiv Festka

Er sagt, dass es für den Verkauf keine große Rolle spielt, ob es sich um das Gebiet der ehemaligen DDR oder Westdeutschland handelt. Vielmehr gibt es einen Unterschied zwischen einzelnen Städten. „In München ist es anders als in Berlin. In Bayern kann man um die Seen fahren und in die Berge hinein, in der Metropole ist das Stadtradeln ein Phänomen und da hat Festka nicht viel Arbeit. Aber die Schotterfahrräder fangen an, dort zu funktionieren,“ erwähnte er jene Art Rennräder, die gut in ausserstädtischen Geländen eingesetzt werden können. 

„Der beste deutsche Händler, der den Großteil unserer Verkäufe abwickelt, ist in Dresden ansässig. In der Elbstadt werden den Zahlen nach die meisten Fahrräder verkauft. Die Frage ist, ob sie dann nach Westen kommen, aber insgesamt hat der Osten einen leichten Vorteil. Aber das allererste in Deutschland verkaufte Fahrrad ging woanders hiN&Nbsp;- nach Hamburg,“ erinnert er sich.

In den letzten Jahren ist in Deutschland ein wachsendes Interesse an künstlerisch gestalteten Fahrrädern mit direkter Ausrichtung auf den Käufer festzustellen. „Wir arbeiten mit Künstlern und Designern zusammen, und wohlhabendere Kunden sind bereit, dafür ähnlich viel zu bezahlen wie für Autos,“ betont er.

Besser situierte Kunden sind bereit für ein Fahrrad ähnliche Summen wie für ein Auto auszugeben. Foto: archiv Festka

Wie alle anderen Fahrradhersteller befindet sich auch Festka in einer Krise, die durch die Coronavirus-Pandemie ausgelöst wurde. 

„Es ist wie bei Autos – es gibt nicht genug Komponenten. Wir würden schneller produzieren und mehr verkaufen, aber wir müssen warten, bis die Einzelteile zu uns kommen. Als die Handelskette durch das Covid unterbrochen wurde, verlangsamte sich alles. Früher konnten wir Fahrräder in drei Monaten ausliefern, jetzt hat sich die Zeit verdoppelt. Die Nachfrage ist da, aber es fehlt an geeigneten Material,“ sagt Michael Moureček achselzuckend.

Festka hat in den Jahren 2019, 2020 und 2021 (bis Ende November) 52 Fahrräder nach Deutschland verkauft. Das representiert weniger als neun Prozent der Gesamtproduktion in diesem Zeitraum.

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