Das westböhmische Bäderdreieck gewinnt an Anziehungskraft

Nach Waffeln duftende Kurkolonnaden, historische Gebäude mit Heilquellen, aber auch vielfältige Naturschätze und kulturelle Veranstaltungen. Das ist die Atmosphäre der westböhmischen Kurorte…

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Es war ein Zentrum der Kultur, der Entspannung, der Architektur und der Treffen prominenter Persönlichkeiten. Kurorte, ein Phänomen, das im 18. und 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte und Europa zu dieser Zeit maßgeblich prägte. Heute nimmt die Bedeutung der Kurorte wieder zu. Was auch mit dem Wettbewerb um die Aufnahme von elf europäischen Kurorten in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes zurückzuführen ist. Es ist bewundernswert, dass drei davon in der Tschechischen Republik, in der Region Karlovy Vary, liegen. 

Die großen Kurorte Europas “Great Spa Towns of Europe” sind elf berühmte historische Kurorte in sieben europäischen Ländern, die am 24. Juli 2021 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurden. Die Vorbereitungen dafür begannen ganze zehn Jahre zuvor. Es geht nicht nur um kulturelle Schätze, sondern um eine ganze Philosophie. Die preisgekrönten Kurorte in Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien ziehen damit nicht nur die Aufmerksamkeit der Kurgäste auf sich, sondern auch die der Touristen, für die die Kurorte viele attraktive Dienstleistungen anbieten. 

Františkovy Lázně

Das Gleiche gilt für Karlovy Vary, Františkovy Lázně und Mariánské Lázně. Die drei berühmtesten Kurorte der Tschechischen Republik, die im Laufe der Geschichte von Kaisern, Königen und Schriftstellern aufgesucht wurden. Heute trägt das Bäderdreieck den Titel eines Weltkulturerbes, und es ist keine Ausnahme, dass man dort auch wieder prominente ausländische Persönlichkeiten trifft. 

Wie im Film 

Die größte Stadt des Bäderdreiecks ist Karlovy Vary (Karlsbad). Der Kurort wurde 1350 vom böhmischen König und römischen Kaiser Karl IV. gegründet. Er war nicht nur von den Thermalquellen begeistert, sondern auch von der Lage inmitten wilder Felsen und dem Blick auf das aufsteigende Erzgebirge. Durch das Stadtzentrum schlängelt sich der Fluss Teplá, an dessen Ufer fünf Kurkolonnaden und Gebäude mit der Handschrift von Architekten von Weltrang im Stil der Neorenaissance oder des Empire, aber auch des Funktionalismus oder Brutalismus stehen, allen voran das renovierte Thermalhotel. Dieses ist das jährliche Zentrum des internationalen Filmfestivals KVIFF, das dieses Jahr zum sechsundfünfzigsten Mal stattfand. 

Blick auf Karlovy Vary von den Jean de Carro Gärten

Karlovy Vary besitzt fünfzehn heilende Thermalquellen und eine 73°C heiße Quelle. Vergessen Sie nicht, das Jan-Becher-Museum zu besuchen und den berühmten Kräuterlikör zu probieren, dessen mehr als zweihundert Jahre altes Rezept nur noch zwei Personen kennen, und natürlich die beliebten Karlsbader Oblaten in vielen Geschmacksrichtungen. Wenn Sie ein Fan von Glas und Porzellan sind, sollten Sie sich einen Besuch in der berühmten Glashütte Moser und der Porzellanmanufaktur Thun nicht entgehen lassen. Wenn Sie hingegen lieber Zeit in der Natur verbringen möchten, können Sie zu den nahe gelegenen Svatošské skály (Hans-Heiling-Felsen) wandern, in die sich der Fluss Ohře eingeschnitten hat. Der gleichnamige Fluss umfließt auch das gotische Schloss Loket, in dem Johann Wolfgang Goethe seinen 74. Geburtstag feierte. 

Das Radon-Primat in Jáchymov

Vielleicht interessiert Sie noch eine weitere Rarität, die sich in unmittelbarer Nähe von Karlovy Vary befindet und ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Es geht um die Bergbaufolgelandschaft Jáchymov (Sankt Joachimsthal), die mit vier weiteren auf der tschechischen Seite und elf auf der sächsischen Seite des Erzgebirges zu Recht für ihre bis ins 12. Jahrhundert reichende Bergbau- und Hüttentradition geschätzt wird. Und gerade in Jáchymov wurde im 19. Jahrhundert mit dem systematischen Abbau von Uranerz begonnen, was hier zur Gründung des ersten Radonbads der Welt führte. Seitdem bietet es die in ihrer Art einzige Behandlung des Bewegungsapparates mit Radonwasser an.

Eine klassizistische Perle

Der zweite Ort im Bäderdreieck ist Mariánské Lázně Marienbad). Am Rande des Slavkovský les (Kaiserwalds) liegt eine historische Perle mit einer mehr als zweihundertjährigen Kurtradition. Zwischen den meist klassizistischen Häusern, Pavillons und Kolonnaden verbergen sich vierzig kalte Mineralquellen. Berühmt ist die Stadt auch für ihre Heilkuren auf der Basis von natürlichem Kohlendioxid und ihre legendäre Singende Fontäne, die Sie bei einem Spaziergang durch das Zentrum nicht verfehlen können. Eine weitere interessante Attraktion ist der Miniaturlandschaftspark Boheminium, wo Sie Modelle der bekanntesten tschechischen Denkmäler besichtigen können, oder der älteste Golfplatz der Tschechischen Republik in unmittelbarer Nähe. 

Zu Ausflügen von Mariánské Lázně aus laden die Sommerresidenz von Kanzler Metternich – das Schloss Kynžvart – oder der einzigartige Heiligenschein des hl. Maurus in Bečov nad Teplou ein. Wenn Sie mehr Wert auf Naturattraktionen legen, sollten Sie einen Ausflug zum Nationalen Naturreservat Kladské rašeliny (Glatzener Moor) in Ihr Programm aufnehmen.  

Das Primat des Torfs 

Der dritte und kleinste Kurort im westböhmischen Bäderdreieck ist Františkovy Lázně (Franzensbad). Wie der Name schon sagt, wurde er 1793 von Kaiser Franz I. gegründet. Das malerische Kurbad kann sich nicht nur mit seinen klassizistischen Pavillons und den Heilquellen, sondern auch  einem außergewöhnlichen Primat – dem weltweit ersten Moorheilbad – rühmen. Basis der Kurbehandlung sind hier kalte Mineralquellen, trockenes Quellgas und Schwefel-Eisen-Torf. 

Pavillon von Luisina und der kalten Quelle in Františkovy Lázně

Weitere Informationen unter: visitvaryregion.com und laznezdravi.cz

Der Text entstand als Reaktion auf die erfolgreiche Veranstaltung der Westböhmischen Bäder und der UNESCO in der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin.

Foto: Fotobank des Bezirks Karlovy Vary

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