Deutscher Kämpfer gegen das
tschechische Monopol – Peter Hradil

In der Tschechischen Republik gibt es – im Gegensatz zu vielen anderen EU-Ländern – nur ein Unternehmen, das getrennte Abfälle sammelt. In Deutschland sind es gleich zehn. Peter Hradil, ein Deutscher mit tschechischen Wurzeln, der in der Tschechischen Republik geschäftlich tätig ist und CEO des Startup-Unternehmens Eko-dual ist, möchte diese unübliche Situation ändern.

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„Die von den Verpackungsherstellern erhobenen Gebühren sollten heute bereits ausreichen, um die Abfallsammlung und -trennung komplett zu finanzieren, was jedoch aufgrund der Ineffizienz des Monopols nicht der Fall ist, und ein Teil der Kosten für die Trennung wird immer noch von den Kommunen getragen. Das ist nicht richtig“, kritisiert Peter Hradil, Chef von Eko-dual, der den Anspruch auf die Bereitstellung eines konkurrierenden Dienstes vor Gericht durchsetzen will. 

Auf welche Hindernisse stoßen Sie bei der Förderung eines konkurrierenden Dienstes für die Sammlung von getrennten Abfällen? 

Das Umweltministerium erteilte keinem Antragsteller außer Eko-kom eine Genehmigung – mit dem Argument, das Netz der Sammelstellen sei nicht dicht genug, lehnte es jedoch ab, die Zahl zu nennen, die es für ausreichend hält. So verlangte das Ministerium beispielsweise von unserem Unternehmen, eine „Koordinierungsvereinbarung“ mit Eko-kom (d.h. seinem Konkurrenten) zu schließen – letzterer hat jedoch keine derartige Pflicht. Nach Einreichung des Antrags dauerte es 100 Tage, bis das Ministerium diese Forderung stellte, und weitere 5 Monate, bis diese Forderung in der Berufung zurückgezogen wurde. In der Zwischenzeit erarbeitete das Ministerium eine Änderung des Verpackungsgesetzes, die de facto das Monopol von Eko-kom festigte. 

Sie wollen bei Gericht das Recht beantragen, einen konkurrierenden Dienst zu betreiben. Wie werden Sie vorgehen? 

Wir werden argumentieren, dass der Ansatz des Ministeriums gegen das Recht der Europäischen Union verstößt, insbesondere gegen die einschlägigen Verpackungsrichtlinien und das Wettbewerbsrecht. Wir werden auf die Absurdität der Änderung des Verpackungsgesetzes und die Tatsache verweisen, dass es de facto um die Verankerung des Monopols geht.

Das von Ihnen getestete System sieht die Aufstellung von Sammelbehältern auf den Parkplätzen von Verbrauchermärkten vor.

Viele Verbraucher haben keine getrennten Abfallbehälter in der Nähe ihres Wohnorts, insbesondere in kleineren Gemeinden. Unser Ziel ist es, ihre Fahrten zum Supermarkt zu nutzen. Beim Probebetrieb wurde festgestellt, dass die Verbraucher mehr auf die richtige Trennung achten, wenn sie ihren getrennten Abfall mit dem Auto transportieren. 

Ihr zusätzliches System soll dem Schutz der Umwelt dienen. In welcher Hinsicht? 

Es ist natürlich effizienter, getrennte Abfälle in größeren Mengen von Einkaufszentren per Lkw abzuholen als in kleineren Mengen von einzelnen Gemeinden. Wir gehen davon aus, dass weniger Müllfahrzeuge in die Gemeinden fahren könnten, was Kosten und Emissionen sparen würde.

Die Tschechen trennen 70 Prozent ihrer Abfälle, aber nur ein Drittel davon wird recycelt, der Rest wird als Brennstoff verwendet. Wie kann dies geändert werden

Wir haben ein System namens Ökomodulation entwickelt. Die Hersteller von mehr stofflich verwertbaren Verpackungen würden geringere Gebühren in das System einzahlen, was wiederum das Recycling erleichtern würde. Eine bevollmächtigte Person wäre nicht nur für die Sammlung und Neusortierung, sondern auch für die Förderung des Recyclings zuständig. So zahlen die Verpackungshersteller über Beauftragte (wie Eco-Dual) auch dafür, dass die Verpackungen zu weiterverwendbarem Material, dem so genannten Recyclat, verarbeitet werden.

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