Rückkehr Zur Legende Von Kopřivnice

Bereits 1897 wurde in Kopřivnice das erste Kraftfahrzeug mit Verbrennungsmotor mit einer Leistung von fünf Pferdestärken gebaut. Dieses Kraftfahrzeug mit dem stolzen Namen Präsident konnte auf der Fahrt von nach Wien nach Kopřivnice in nur zwei Tagen eine

Entfernung von 324 Kilometern bewältigen. Im Jahr 1898 hat auch der erste tschechische Lastkraftwagen die Automobilfirma verlassen.

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Die Motorhauben der Fahrzeuge aus Kopřivnice trugen erst in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts – nach der Gründung der unabhängigen tschechoslowakischen Republik – das Tatra-Logo. In dieser euphorischen Zeit der Ersten Republik war Tatra unter den Automobilbauern weltweit führend und hat die Richtung vorgegeben. Viele geniale Ideen und innovative Lösungen sind dem damaligen technischen Leiter der Automobilfirma und ausgezeichneten Konstrukteur – Hans Ledwinka – zu verdanken. Es ist allgemein bekannt, dass Ledwinka seine Ideen mit dem weiteren Automobilgenie jener Zeit – mit Ferdinand Porsche – besprochen hat.

Zum absoluten Star wurde 1937 der Tatra 87. Im Vergleich mit der Konkurrenz
erreichte dieser bei nur halbem Verbrauch eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h, womit er zu den schnellsten Fahrzeugen seiner Zeit gehört hat. Große Fans und Liebhaber von diesem Wagen waren neben dem tschechischen Abenteurer-Duo Hanzelka und Zikmund zum Beispiel auch der Literatur-Nobelpreisträger John Steinbeck, der britische Architekt Norman Foster, der ägyptische König Faruk I., der Erzbischof Josef Beran oder einer der fünf besten Panzerkommandanten – der Generalfeldmarschall Erwin Rommel.

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In der Nachkriegszeit erfreuten sich der Tatraplan und der Tatra 603 (šestsettrojka) großer Beliebtheit, deren Design und Form wesentlich vom Nestor für tschechisches Industriedesign – František Kardaus – geprägt wurde. Aufgrund der unerbittlich komplett nach Osten ausgerichteten weiteren geschichtlichen Entwicklung musste Tatra sein Nachkriegsproduktionsprogramm auf Schwerlastkraftwagen umstellen. Im
entfernten Magadan haben sie für den Tatra 111 sogar ein Denkmal in Lebensgröße errichtet. Als einziges Fahrzeug unter den unterschiedlichen Schwerlastkraftwagenmarken hat er den extremen Wetterbedingungen in Sibirien standgehalten und die dortigen, sehr hungrigen Bewohner mit Lebensmitteln versorgt, wodurch er sie vor dem sicheren Tod bewahrt hat.

Nach der misslungenen Privatisierung in der Nachwendezeit war auch bei Tatra eine Gratwanderung zwischen Schließung und Weitermachen zu verzeichnen. Es scheint jedoch, dass der letzte Inhaber der Automobilfirma in Kopřivnice wieder zum Aufschwung verhilft. Die neue Schwerlastkraftwagen-Modellreihe hat den symbolischen Namen Phoenix erhalten und nach vielen Jahren anstrengender Arbeit sieht es tatsächlich so aus, dass der unsterbliche Tatra wieder aus der Asche aufsteigt und stolz sein Haupt erhebt, um sich seine verlorene Position
zurückzuerobern.

Text Martin Beck

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