Pepper Field: Eine tschechische Geschichte, die Kambodscha und Deutschland erobert

Die Liebe zum Reisen, zum fairen Handel und zu kulinarischen Genüssen hat Klára Dohnalová und David Pavel zu modernen Gewürzhändlern gemacht – sie bringen den seltensten Kampot-Pfeffer nach Europa und dominieren damit den deutschen Amazon-Markt.

🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Pepper Field: český příběh, který dobývá Kambodžu i Německo

Auf ihrem ersten gemeinsamen Urlaub in Kambodscha im Jahr 2015 fanden sich Klára und David in einem Land wieder, das sich damals noch von einem grausamen Völkermord erholte. Sie entdeckten Dörfer, in denen Familien auf kleinen Feldern Pfeffer mit einer einzigartigen Tradition und Know-how anbauten, aber keine Chance hatten, auf ausländische Märkte zu gelangen. Sie waren isoliert, sprachen kein Englisch und hatten nur kleine Mengen Pfeffer. Die tschechischen Reisenden erkannten damals, dass sie keine einmalige Wohltätigkeit nach Kambodscha bringen wollten, sondern lieber eine Brücke schlagen wollten, die auch morgen noch Bestand hat. So entstand das Projekt, das wir heute unter dem Namen Pepper Field kennen.

Die tschechische Entwicklungsagentur half ihnen mit konkreter Technologie: Dank ihr erhielten die Bauernfamilien Trockner, Verpackungsanlagen und Vakuumiergeräte, ohne die der Pfeffer niemals in Top-Qualität auf den europäischen Markt gelangen würde. Klára und David beschlossen, auf ihre Intuition und Begeisterung zu setzen, um die Tradition des Pfefferanbaus in Kampot wiederzubeleben und den Familien mit Pfefferfeldern wirtschaftliche Sicherheit zu verschaffen.

Monopol und Pestizide

Die Geschichte des Kampot-Pfeffers ist nicht nur eine romantische Geschichte über duftende Körner. Während der vierjährigen Herrschaft der Roten Khmer starb ein Drittel der kambodschanischen Bevölkerung, und die Pfefferfelder wurden zerstört. Nach 1989 hofften die Bauern auf die Rückkehr der französischen Spitzenköche, die den Pfeffer einst als Goldstandard betrachteten, doch stattdessen kamen zwei harte Schläge: ein französisches Monopolunternehmen und massive Konkurrenz aus Vietnam, die mit Pestiziden arbeitete.

Pepper Field entschied sich für den umgekehrten Weg. Es kehrte zu kleinen Farmen, Handarbeit, einem von Dschungel umgebenen Mikroklima und vor allem zu einem fairen Ansatz zurück. Deshalb zahlt es den Bauern heute Preise, an die sich auch andere Marktteilnehmer anpassen mussten. „Wenn uns jemand sagt, dass es nicht geht, ist das für uns die beste Motivation“, sagt Klára.

Brot mit Butter 

Schwarz, rot, weiß und schließlich grün. Alle Pfeffersorten stammen dabei von einer einzigen Pflanze – entscheidend sind nur der Zeitpunkt der Ernte und die Verarbeitung. Kampot-Pfeffer ist insofern einzigartig, als er nicht nur scharf schmeckt, sondern auch den Geschmack von Speisen wirklich hervorhebt. Selbst gewöhnliches Brot mit Butter wird mit ihm zu einem kleinen gastronomischen Erlebnis.

Zum größten Star wurde der gefriergetrocknete grüne Pfeffer. Wenn die gefriergetrocknete Kugel mit einem Tropfen Wasser oder Öl in Berührung kommt, erwacht sie zu Leben, so intensiv, als hätte man sie gerade vom Strauch gepflückt. Diese Delikatesse wurde in London mit der „Goldenen Gabel“ ausgezeichnet und öffnete Pepper Field die Türen zu den internationalen Märkten. Der fermentierte grüne Pfeffer erhält jedes Jahr drei Sterne bei den Great Taste Awards. Man sagt, wer einmal Pfeffer aus Kampot probiert hat, findet gewöhnlichen Pfeffer fade.

Tschechen und Deutsche: die Pfefferkönige

Es mag unglaublich klingen, aber dank Pepper Field ist die Tschechische Republik zum weltweit größten Exporteur und Verbraucher von Kampot-Pfeffer geworden – pro Kopf gerechnet. Die Tschechen haben sich an Pfeffer als etwas mehr als nur ein gewöhnliches Gewürz gewöhnt: Er ist zu einem Symbol für Qualität, zu einem Geschenk und zu einem gastronomischen Erlebnis geworden.

Und dann ist da noch Deutschland. Der zweitwichtigste Markt von Pepper Field und buchstäblich eine „Pfeffermacht”. Auf Amazon schoss der tschechische Pfeffer an die Spitze der Kategorie, und die Deutschen fanden diese Geschichte so interessant, dass sogar ein Team von Amazon Prime kam, um sie zu filmen. „Die Deutschen sind Pfefferliebhaber”, lacht Klára. „Sie haben ihn zu Hause auf dem Tisch, in Restaurants und Bistros – und wenn sie einmal auf Qualität gestoßen sind, lassen sie sie nicht mehr los.“

Die Welt der Pfefferkörner

Bei Pepper Field geht es aber nicht nur um Pfefferkörner in einer Tüte. Klára und David haben nach und nach eine ganze Welt darum herum aufgebaut. Sie arbeiten mit tschechischen Designern wie Rony Plesl oder Lasvit zusammen und kreieren Geschenkekollektionen, die Geschmack, Ästhetik und Geschichte verbinden. Es entstehen limitierte Delikatessen-Editionen, zum Beispiel Pfefferbier, oder Kooperationen mit der Barkeeper-Szene.

Das Ziel ist es, Pfeffer zu einer „Liebesmarke” zu machen – zu einem Geschenk, das niemand in die Schublade legt, sondern öffnet, probiert und damit gleichzeitig eine bestimmte Familie in Kambodscha unterstützt. „Unser Projekt ist persönlich. Es muss uns und den Menschen um uns herum Spaß machen”, fügt Klára hinzu.

Wenn Sie anfangen möchten, greifen Sie zu rotem Pfeffer – süß und fruchtig. Probieren Sie dann fermentierten grünen Pfeffer – saftig, mit einer leicht salzigen Note. Und wer sich nach etwas Höherem sehnt, sollte gefriergetrockneten grünen Pfeffer probieren, der Sie direkt in den kambodschanischen Dschungel versetzt. Frischer Pfeffer gehört in den Kühlschrank, getrockneter hält sich jahrelang – und macht aus einfachem Brot mit Butter ein kleines Ritual.