🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Trace of Us: Když se ženy dívají přes hranice a píší novou mapu Evropy
Chemnitz, einst „Sächsisches Manchester“, heute Kulturhauptstadt Europas 2025, verwandelt sich im Herbst in einen Ort, an dem die Vergangenheit und Gegenwart Mitteleuropas aus weiblicher Perspektive betrachtet wird. Die Ausstellung Trace of Us, die dank der Zusammenarbeit der Vereine Female Photoclub und Sisters in Photography entstanden ist, verbindet mehr als dreißig tschechische und deutsche Fotografinnen – und vor allem ihre Erfahrungen, Erinnerungen und ihren Mut, Stereotypen zu überwinden, die Europa lange nach dem Fall des Eisernen Vorhangs getrennt haben.

Zwei Schichten und Feminismus
Im Industriegelände GaragenCampus, einem ehemaligen Straßenbahndepot, das zu einem Kultur- und Bildungszentrum umgebaut wurde, entsteht ein visueller Dialog über Körper, Landschaft und Identität. Die Arbeiten der ausstellenden Künstlerinnen zeigen, wie sich die Transformation nach 1989 auf das Leben der Frauen auf beiden Seiten der Grenze ausgewirkt hat – manchmal schmerzhaft, manchmal emanzipatorisch, aber immer vielschichtig und komplex.
Während Osteuropa im Rhythmus der „Doppelschicht“ lebte, in der hohe Arbeitsbelastung mit den Erwartungen an die häusliche Pflege kollidierte, durchlief der westliche Teil des Kontinents unter dem Einfluss feministischer Bewegungen einen langsameren, aber deutlichen Wandel. Nach 1989 trafen diese beiden Welten erneut aufeinander – diesmal ohne ideologische Barrieren, dafür aber mit neuen Belastungen durch die Globalisierung und den Wandel der Arbeitswelt.
Die Grenze zwischen Un-recht, Traum und Realität
Die Ausstellung erzählt diese Geschichte anhand einer Vielzahl visueller Ansätze. Lenka Grabicová behandelt sensibel das Thema der Zwangssterilisationen und der Autonomie des Körpers. Dita Pepe stellt Identität durch originelle Selbstporträts in unerwartete Kontexte. Kateřina Sýsová schafft intime szenische Bilder an der Grenze zwischen Traum und Realität, in denen sich das kollektive Gedächtnis und weibliche Klischees widerspiegeln. Die deutsche Fotografin Iona Dutz wiederum arbeitet mit der Landschaft als stilles Archiv, in dem das Erbe der untergegangenen Glasindustrie der Oberlausitz und die Geschichten der Frauen, die sie geprägt haben, gespeichert sind.

Hinter dem Projekt stehen zwei Organisationen, die sich seit langem für die Sichtbarkeit weiblicher Stimmen in der Fotografie einsetzen. Der 2017 gegründete Female Photoclub vereint fast 500 FLINTA-Fotografinnen und -Fotografen in Deutschland und setzt sich für Gleichberechtigung und eine vielfältige Bildsprache ein. Das tschechische Kollektiv Sisters in Photography, das 2023 gegründet wurde, vereint Künstlerinnen, die durch kreatives Spiel, Experimentierfreude und das Bestreben, die tschechische Fotografie international zu vertreten, miteinander verbunden sind.
Trace of Us ist nicht nur eine Ausstellung. Es ist eine Brücke über Grenzen, die längst nicht mehr aus Draht bestehen, sondern aus Vorstellungen. Und genau diese kann die Fotografie am besten verändern.
08.–23. 11. 2025, GaragenCampus, Zwickauer Str. 164, Chemnitz



