Galerie der Hauptstadt Prag — Visueller Weg in die Freiheit

Was sind die Zusammenhänge zwischen umwälzenden Ereignissen in Portugal und der Tschechoslowakei? Was begleitete die friedlichen Revolutionen in den Jahren 1978 und 1989 und wie war damals der Weg in die Freiheit?

Antworten bietet das kuratorische Projekt Nelken und Samt / Kunst und Revolution in Portugal und der Tschechoslowakei, die aktuell in der Galerie der Hauptstadt Prag zu sehen ist.

Alles beginnt mit dem hoffnungsvollen Jahr 1968 und den Ereignissen des Prager Frühlings und Marcelo Caetanos Frühling in Portugal. Anschließend stellte sich aber Desillusionierung in Form totalitärer Regime und die notwendige Reaktion aus Reihen der Künstlergesellschaft ein. Die Ausstellung präsentiert daher tschechoslowakische und portugiesische Künstler, die diesen Zeitraum in ihrem Schaffen reflektieren. Die Atmosphäre unterstreichen historische Materialien aus Fernsehsendungen, Printmedien und Literatur. Akzentuiert werden die Symbolik und ihr unterschiedlicher Anklang in beiden Ländern. Zentrales Motiv, das sich durch das gesamte Projekt zieht, ist die Sehnsucht nach Freiheit, außerdem die Auswirkung der damaligen Ereignisse bis in die heutige Zeit.

Das Thema Samtene Revolution, welches immer noch in der heutigen Gesellschaft Resonanz findet, wird diesmal aus einer anderen Perspektive behandelt. Die Parallelen zur Situation in Portugal ermöglichen uns, es aus einem anderen Blickwinkel und in einem größeren Kontext zu sehen. Waren es doch die Portugiesen, die als erste ausländische Delegation auf die Národní třída kamen, um unsere Demokratisierung zu unterstützen.

Die Kuratorinnen Sandra Baborovská (GHMP) und Adelaide Ginga (MNAC, Lissabon) haben die Ausstellung vier Jahre lang vorbereitet und in Anbetracht des Projektumfangs gleichzeitig eine erste umfassende Präsentation der portugiesischen visuellen Kunst in Tschechien erschaffen.

Galerie der Hauptstadt Prag

Ausstellung
Nelken und Samt
Kunst und Revolution in Portugal und der Tschechoslowakei 1968–1974–1989

30. 4.—29. 9. 2019
Stadtbibliothek, 2. Stock

www.ghmp.cz

galerie-hlavniho-mesta-prahy-cesta-ke-svobode
Július Koller: U. F. Odhalení (Ideologie) (Demokratický socialismus), 1975
galerie-hlavniho-mesta-prahy
António Barros: Revoluce, 1977

Text Tereza Vacková Foto Tomáš Souček

Das könnte Sie interessieren

Lesen Sie

Interior Designer Stephan Schilgen über die Subliminalität von Gemütlichkeit

Badezimmerwände aus alten Glastüren des Café Moskau in Berlin oder ein Kronleuchter aus einem Munitionsfass von 1914. Der Berliner Stephan Schilgen liebt es, mit seinen Interiors Geschichten zu erzählen. Funktionale und informelle Umgebungen wie Büros und Verkaufsräume vertragen durchaus Gemütlichkeit, weshalb er darin Bars und Lounges integriert, was zwar „Workspace“ reduziert aber letztlich Interaktion und Kommunikation optimiert und dadurch langfristig mehr Erfolg bringt.
Lesen Sie

Janek Rubes: Ich versuche, meinen moralischen Kompass in der richtigen Richtung zu halten

Janek Rubes, ein Pionier der Videoinhalte, und sein Partner Honza Mikulka gründeten letztes Jahr einen neuen YouTube-Kanal für das tschechische Publikum, Kluci z Prahy (Jungs aus Prag). Ihr Hauptkanal, Honest Guide, hat bereits fast eine Million Benutzer, so dass ihre Reisetipps oder Berichte über betrügerische Praktiken in Prag buchstäblich Touristen aus aller Welt erreichen. Beliebt sind sein „Scamfie“ – ursprünglich ein Selfie, gemacht vor einer betrügerischen Geldwechselstube, das Schneiden von Liebesschlössern auf der Karlsbrücke oder seine Abneigung gegen Baumstriezel. Im Dezember feiert er seinen 34. Geburtstag.
Lesen Sie

Das Prager Jesulein

Prag, die Stadt der goldenen Türme, wird auf der ganzen Welt verehrt. Türme und Türmchen gibt es hier wirklich zu Hunderten, im Panorama der Stadt gehören viele davon zu Sakralbauten. Nicht alle wissen jedoch, dass sich gerade in einem davon eines der bedeutendsten geistlichen Symbole Tschechiens befindet. Das Prager Jesulein wird im Ausland wesentlich stärker als irgendeine andere tschechische Gestalt oder Persönlichkeit verehrt. Von den Philippinen über Sri Lanka bis hin nach Südamerika hat das Jesulein Millionen von Herzen erobert; in Indien hat es seine eigenen Kommune, in Bangalore ist ihm die Kirche „Infant Jesus Shrine“ geweiht. Aber wie bekannt ist es in Tschechien?

Meistgelesene Artikel im ArtDesign