Berlin im Zeichen des Weins und mit tschechischer Beteiligung

Das Berlin Sommer Weinfest verbindet am 14. Juni europäische Winzer, Musik und eine neue Weinkultur. Was macht das Festival so einzigartig und wie spiegelt es die Richtung der heutigen Weinwelt wider? Mehr dazu im Interview mit der Gründerin Emily Harman.

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Mehr als 350 Weine, über 70 unabhängige Winzer aus Europa und aus dem Nahen Osten, DJs, eine Food-Zone sowie inspirierende Debatten über die Zukunft des Weinbaus. Das Berliner Festival „Berlin Sommer Weinfest“ findet dieses Jahr am 14. Juni im ikonischen Haus der Visionäre statt, und auch die tschechische Weinszene wird dort deutliche Spuren hinterlassen. Unter den Ausstellern werden Namen wie Jaroslav Osička, Tomáš Režný oder das Weingut Nešpor & Rajský nicht fehlen.

Berlin ist längst nicht mehr nur ein Zentrum der alternativen Kultur und Gastronomie, sondern auch einer der lebendigsten Orte Europas für natürliche und authentische Weine. Das Berlin Sommer Weinfest verbindet Winzer, Sommeliers, Gastronomen und Weinliebhaber zu einem großen Sommerfest. Über die Philosophie des Festivals, tschechische Winzer und die neue Generation der Weinkultur haben wir mit Emily Harman gesprochen, der Gründerin des Festivals und des Weinimports Sublime Wine.

Das Berlin Sommer Weinfest profiliert sich als Plattform für authentische und unabhängige Winzer außerhalb der industriellen Produktion. Was war die ursprüngliche Vision des Festivals und warum ist es heute wichtiger denn je, kleine Familienweingüter zu unterstützen?

Die Idee unseres Festivals war es, die Berliner Community und die Gastronomieszene durch Wein zu verbinden. Ich arbeite bereits seit sieben Jahren mit kleinen Weingütern und Produzenten zusammen, und gerade dieser Teil der Gastronomie erscheint mir vielleicht am wenigsten pompös, aber gleichzeitig am wichtigsten. In einer Zeit, in der große Konzerne immer mehr Einfluss und Macht gewinnen, ist die Unterstützung kleiner Betriebe meiner Meinung nach fast schon ein radikaler Akt. Denn oft bieten sie deutlich hochwertigere Produkte an und arbeiten gleichzeitig umwelt- und menschenfreundlicher.

In diesem Jahr nehmen auch einige Winzer aus der Tschechischen Republik am Festival teil, zum Beispiel Jaroslav Osička oder Tomáš Režný. Was hat Sie an der tschechischen Weinszene angesprochen und warum wollten Sie gerade diese Winzer vorstellen?

Mein Importprojekt Sublime Wine ist genau auf tschechische Weine spezialisiert. Derzeit importieren wir Weine von zehn tschechischen Weingütern. Mich fasziniert auch das Konzept der Regionalität an sich – die tschechischen Weinbaugebiete liegen geografisch gesehen eigentlich näher an Berlin als manche deutsche Regionen. Die Fahrt nach Tschechien dauert vier bis fünf Stunden, während man zum Beispiel in die Moselregion sieben bis acht Stunden braucht. Auch das ist für mich ein wichtiger Teil der aktuellen Weinkultur.

Foto: Lea Rebecca

Das Interesse an Naturweinen und Weinen mit minimalem Eingriff wächst in Europa stetig. Sehen Sie Berlin als eines der Zentren dieser neuen Weinkultur? Und wie verändert sich Ihrer Meinung nach das Publikum solcher Veranstaltungen?

Ich glaube, dass Berlin schon seit längerer Zeit ein Zentrum für handwerklich hergestellte Weine ist. Es gibt hier viele Betriebe, die nachhaltige und minimal eingreifende Weine fördern. Berlin war schon immer ein Vorreiter des Gemeinschaftslebens und des liberalen Denkens, was natürlich mit diesem Teil der Weinwelt zusammenhängt. Gleichzeitig verändern sich auch die Besucher selbst. Die Menschen suchen heute nach Weinen, die authentisch sind und die Geschichte ihrer Herkunft erzählen, aber gleichzeitig legen sie Wert auf Reinheit, Präzision und hohe Qualität – nicht auf den extremen oder allzu wilden Stil von Naturweinen. Genau solche Weine wähle ich auch für Sublime Wine aus.

Das Festival verbindet Weinverkostungen mit Musik, Imbissständen, DJs und Weinvorträgen. Wie wichtig war es für Sie, aus dem Weinfestival ein kulturelles und gemeinschaftliches Erlebnis zu machen und nicht nur eine klassische Messe?

Von Anfang an wollten wir eine Veranstaltung schaffen, die unterhaltsam und gesellig ist und Menschen durch den Wein miteinander verbindet. Wein muss weder elitär noch steif sein. Wir wollten bewusst mit den traditionellen Vorstellungen von Weinveranstaltungen brechen und einen fröhlichen Sommertag für ein breites Publikum schaffen. Es war uns sehr wichtig, auch die jüngere Generation anzusprechen, und genau deshalb ist Musik ein natürlicher Bestandteil des Festivals.

Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach internationale Begegnungen von Winzern, Sommeliers und Besuchern für die Zukunft der europäischen Weinkultur? Und welche Themen möchten Sie dieses Jahr auf dem Festival ansprechen?

Dieses Jahr haben wir versucht, möglichst viele verschiedene Perspektiven und Themen rund um den Wein einzubringen. Wir möchten zum Beispiel über die wirtschaftlichen Probleme der Gastronomie sprechen, da Restaurants weltweit vor großen Herausforderungen stehen und oft nicht genügend Unterstützung erhalten. Gleichzeitig wollen wir auf neue Weinregionen wie Griechenland aufmerksam machen, eine Debatte über alkoholfreie Alternativen anstoßen oder uns intensiver mit der wissenschaftlichen Sichtweise auf Wein befassen – für alle, die sich eingehend für dieses Thema interessieren.

Das Zusammentreffen von Fachleuten aus verschiedenen Teilen der Welt bringt neue Perspektiven mit sich und ermöglicht den Austausch von Erfahrungen, zu denen die Menschen sonst gar keinen Zugang hätten. Und genau das ist meiner Meinung nach für die Zukunft der europäischen Weinkultur von entscheidender Bedeutung.

Unter den tschechischen Winzern präsentieren sich in diesem Jahr Bidule, Jaroslav Osička, Iva Merinska, Myšince und Vrance, Nešpor & Rajský, Tři čtvrtě, das Weingut Špetíci und das Weingut Tomáš Režný.

Berlin Sommer Weinfest 2026 – Haus der Visionäre, Berlin – 14. Juni 2026 // Offene Weinverkostung: 11:30–18:00 Uhr // DJs & Food-Zone: 11:30–00:00 Uhr // Wine Talks: 12:30–17:30 Uhr // Afterparty ab 18:00 Uhr