Zu Besuch bei Dan Brown: „Prag fesselte meine Phantasie“

Der berühmte Satz von Kafka, dass das Mutterchen Prag Krallen habe und keinen Menschen nicht so einfach loslasse, ist auch dem Bestsellerautor Dan Brown nicht entgangen. Er hat der Stadt an der Moldau seinen neuen Roman „Das Geheimnis der Geheimnisse“ gewidmet.

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„Ich liebe Prag, das ist mein Liebesbrief an Prag“, erklärte Dan Brown. Der amerikanische Bestsellerautor, dessen Bücher weltweit mehr als 250 Millionen Mal verkauft und in 56 Sprachen übersetzt wurden. Seinen neuesten Roman „Das Geheimnis der Geheimnisse“ hat er in der tschechischen Hauptstadt angesiedelt. In deren alten, verwinkelten Gassen sucht der renommierte Professor für Symbologie Robert Langdon nach dem Geheimnis und dem Sinn des menschlichen Bewusstseins.

Dan Brown besuchte Prag zum ersten Mal 1984 zusammen mit seinem Vater. Schon damals hat es ihn in seinen Bann gezogen, weshalb er gerne in die Moldaustadt zurückkehrt. 

Inzwischen hat er zahlreiche Ecken Prags kennengelernt, an denen der gewöhnliche Tourist vorbeigeht. An diesen inspirierenden Orten in Prag spielst sein Roman „Das Geheimnis der Geheimnisse“: auf dem Altstädter Brückenturm, dem alten jüdischen Friedhof, in der Nationalbibliothek Klementinum und sogar in einem den Prager selbst noch relativ unbekannten Schutzbunker im Folimanka-Park …“ Viele davon hat Brown übrigens auf Fotos auf seinem Instagram während seines nächsten Besuchs in Prag präsentiert, wohin er zwei Monate später gereist war.

Auf den Prager Spuren von Langdon 

Wohin kann sich ein Fan von Dan Brown in Prag begeben, um auf den Spuren von Robert Langdon und damit auch seines Schöpfers Dan Brown zu wandeln? Interessierte finden spannende Orte auf der Website www.prague.eu mit dem Titel „Dan Browns Prag, der Golem und die Geheimnisse der jüdischen Stadt“, die gemeinsam von Prague City Tourism und dem Prager Verlag Argo, der Browns Romane auf Tschechisch herausgibt, erstellt wurde.

Der Roman „Das Geheimnis der Geheimnisse“ weckte auch das Interesse der Verlegerin von Black Swan Media in Prag und Berlin, Danuše Siering. Sie schickte Dan Brown Fragen – und der amerikanische Schrifsteller antwortete umgehend darauf.

Dan Brown im Bunker, Bildnachweis: Jan Křiklava

Sie bezeichnen den Roman „Das Geheimnis der Geheimnisse“ als Liebesbrief an Prag. Während die Leser dank bekannter Prager Schauplätze ein rasantes Abenteuer erleben, wie haben Sie die touristisch attraktiven Orte mit der tieferen, dunkleren historischen Seele Prags in Einklang gebracht, über die Sie für Ihren Roman fünfzehn Jahre lang recherchiert haben?

Ich habe Orte schon immer als Romanfiguren betrachtet, und nur wenige Figuren haben mich jemals so sehr in ihren Bann gezogen wie Prag. Es ist geheimnisvoll, wunderschön und voller Geheimnisse. Burgen und Türme sind wie Postkartenmotive, doch die wahre Geschichte verbirgt sich unter der Oberfläche – in den verborgenen Gängen von Klementinum, in den uralten Steinen der Karlsbrücke und im alchemistischen Wissen der Mystiker, die Rudolf II. vor vier Jahrhunderten hierher brachte. Ich habe die Handlung des Buches bewusst im Winter angesiedelt, in der Hoffnung, Robert Langdon etwas mehr Raum zu geben, um die verschneiten Gassen auf eigene Faust zu erkunden und den Zauber der Stadt zu entdecken, der meine Phantasie so sehr gefesselt hat.

Prag blickt auf eine reiche literarische Tradition voller Geheimnisse und Magie zurück, von den Legenden um Rudolf II. bis hin zu Franz Kafka. Inwieweit bereichert Ihrer Meinung nach Robert Langdons moderne wissenschaftliche Reise durch das Prag des 21. Jahrhunderts ein völlig neues Kapitel in der langen Geschichte der Stadt im Rahmen der Weltliteratur?

Prag war jahrhundertelang das europäische Laboratorium für alles Mystische: Alchemisten auf der Suche nach den Geheimnissen der Materie, ein Rabbiner, der angeblich dem Lehm Leben einhauchte, und Kafka, der einen Mann beobachtete, der völlig verwandelt erwachte. Mein Ziel war es, auch diese Obsessionen mit Hilfe moderner Mittel zu erforschen. Londons Geheimnis ist das menschliche Bewusstsein – wo der Geist endet und ob etwas von uns fortbesteht –, was sich letztendlich als jene Frage erweist, um die sich Alchemisten und Mystiker immer wieder drehten. Wir stellen diese Fragen nun einfach im Labor, statt in einem von Kerzen beleuchteten Turm. Ich hoffe, dass dieses Buch so wahrgenommen wird, wie ich es mir vorgestellt habe – einfach als ein weiteres Kapitel in der magischen, fortwährenden Geschichte Prags.