Kriegsberichterstatter Michal Kubal: Selenskyj wirkte völlig entspannt

Ukrainischer Soldat patrolliert auf einen Checkpoint in Irpin, bei Kiew

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Reporter Michal Kubal und Kameramann Vojtěch Hönig sind nach fast drei Wochen aus der Ukraine zurückgekehrt. “Wir wurden gewarnt, dass Journalisten ein häufiges und bewusstes Ziel für die russischen Streitkräfte sind”, erklärte er in einem Exklusivinterview mit dem N&N Magazin.

Michal Kubal, Twitter
Der Reporter Michal Kubal mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und weiteren Journalisten

Wie schwierig war es, an den meistbeobachteten Mann der Welt heranzukommen?

Eine Sache ist, ein Interview zu arrangieren, und eine andere, am Ende tatsächlich neben dem Präsidenten zu stehen. Die Synergie zwischen der Europäischen Rundfunkunion, die die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in ganz Europa vertritt, und ihrer ukrainischen Mitgliedsorganisation spielte eine Schlüsselrolle beim Zustandekommen des Interviews. Mit einem einzigen Interview konnte der Präsident Selenskyj Dutzende von Millionen Menschen in ganz Europa und die Menschen in seinem eigenen Land erreichen.

Die eigentliche Vorbereitung entsprach dann der Tatsache, dass wir im Begriff waren, den Mann zu interviewen, der für eine Atommacht mit einer riesigen Armee und einem gefürchteten Geheimdienst das Ziel Nummer eins ist. Kommunikation über verschlüsselte Plattformen, Umsteigen von Auto zu Auto, strenge Kontrollen. Aber im persönlichen Kontakt war Präsident Selenskyj absolut entspannt, sehr direkt.

Wie sieht die Arbeit eines Kriegsreporters aus?

Jeder Krieg ist in mancher Hinsicht gleich und in mancher Hinsicht spezifisch. Auch hier gilt es, die Grundregeln zu befolgen, die das Risiko verringern. Aber Kollegen und ukrainische Beamte haben zum Beispiel davor gewarnt, dass Journalisten ein häufiges und bewusstes Ziel der russischen Streitkräfte sind.

Ein weiterer unangenehmer Aspekt sind Berichte, dass russische “Saboteure”, wie sie hier genannt werden, als Journalisten in die Ukraine gehen. Das macht jeden Reporter bei jeder Kontrolle misstrauischer.

Wie ist die Lage in der ukrainischen Hauptstadt jetzt?

Die Situation ändert sich sehr oft. Das Leben in Kiew und die Arbeit der Journalisten dort und in der Nähe der Front hängt von der Entwicklung der Kämpfe an der Front in der Nähe der Hauptstadt ab. Vorbei sind die wirren Zeiten, in denen man sich den Kriegsparteien leicht nähern konnte. Jetzt haben sich die Frontlinien stabilisiert, und es ist unmöglich, Kontrollpunkte zu passieren, ohne mit dem Kommando der bestimmten Einheit zu sprechen.

Michal Kubal (1976)

Leiter der Auslandsredaktion des Tschechischen Fernsehens und stellvertretende Chefredakteur der Nachrichtenredaktion des Tschechischen Fernsehens (ČT). Moderator der Sendung Události. Absolvent der Philosophischen Fakultät in Prag. Er ist seit 1999 bei ČT tätig. Von 2008 bis 2012 war er Korrespondent für ČT in den USA.

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