Österreichisches Kulturforum in Prag mit Denise Quistorp

Das Österreichische Kulturforum in Prag in der Nähe des Wenzelsplatzes ist kaum zu übersehen. Im Erdgeschoss befindet sich eine Galerie. Bei der Frühjahrsausstellung „Hallucinations“ von Claudia Larcher wurde ich von der Direktorin des ÖKF, Dr. Denise Quistorp, begrüßt.

🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Rakouské kulturní fórum v Praze s Denise Quistorp

Fünf Stillleben mit farbigen Plastikblumen und iPhones. Konsumkultur des 21. Jahrhunderts, die von klassischen Stillleben der niederländischen Barockmalerin Rachel Ruysch inspiriert ist. Ganze 350 KI-generierte Fotoportraits der Künstlerin, die sie von ihrer Kindheit an bis zu ihrem 24. Lebensjahr festgehalten hat. Eine Diashow, die den Einfluss der KI-Systeme auf die Geschichtsschreibung verfolgt. Das sind drei Themenbereiche, mit denen sich die in Wien lebende und wirkende österreichische Künstlerin und Filmemacherin Claudia Larcher im Österreichischen Kulturforum in Prag präsentiert.

Der Ausstellungstitel Hallucinations basiert auf der KI-Forschung. Es ist ein Begriff, der die Tendenz von Algorithmen, Daten falsch auszulegen oder fiktive Inhalte zu erzeugen, beschreibt. Eben das reflektiert Larcher, wobei sie die Möglichkeiten und Grenzen digitaler Technologie in der bildenden Kunst aufzeigt.

Das Ausstellungsprojekt KI

Denise Quistorp bringt mir die Ausstellung von Claudia Larcher näher. Dabei spricht sie von den wichtigen kulturpolitischen und außenpolitischen Anliegen, die man mit diesem Ausstellungsprojekt aufgreifen wolle: „In unserer Außenpolitik und auch in unserer Auslandskultur haben wir die großen globalen Themen   der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen im Blick: die Klimakrise, die Menschen- und Frauenrechte und eben auch die Digitalisierung samt Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. Wir sehen sie als eine gesamtgesellschaftliche und internationale Aufgabe an, in der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten müssen – und in der Kunst und Kultur eine besonders wichtige Rolle spielen. Das wird in unserem Kulturprogramm auch regelmäßig reflektiert.“ Sie sagt, dass die Sicht der Künstlerinnen und Künstler auf diese Themen sehr wichtig sei. „Denn die Vorstellungskraft der Küns­te kann uns etwas anschaulich und verständlich machen, auch etwas in Bewegung setzen, wenn sie uns anspricht, so wie diese herrlichen Stillleben, weil sie Fantasie, Ideen, Träume und Ängste ins Spiel bringt“.

30 Jahre Österreich in der EU

Etwas später begeben wir uns in den ersten Stock des Österreichischen Kulturforums in eine weitere Ausstellung: Sie dokumentiert den Weg Österreichs in die Europäische Union. „Österreich feiert in diesem Jahr 30 Jahre des EU-Beitritts. Wir erinnern an die historische Entwicklung und wollen in diesem Jahr mit Projekten zu Architektur und Design in Kooperation mit dem EUNIC-Netzwerk zeigen, welch wichtigen Mehrwert die europäische Vielfalt und Zusammenarbeit schafft“, so die Direktorin.

Tel Aviv – Washington – Berlin – Prag

Nach dem Besuch beider Ausstellungen interessiert mich natürlich, was die in Graz geborene Juristin in die tschechische Hauptstadt geführt hat. „Ich habe mich ganz gezielt um Prag beworben. Denn nach Tel Aviv, Washington und Berlin, wo ich zuletzt tätig war, sollte Prag mein letzter Posten sein. Die österreichische Kultur stößt in Tschechien auf Interesse, so dass die Arbeit hier große Freude bereitet“, beginnt sie zu erzählen. „Als ich zuvor einige Male mit meiner Familie in Prag war, hat uns immer wieder erstaunt, wie sehr man hier auf Schritt und Tritt Kultur und Geschichte begegnet. Ich wohne bewusst in der Altstadt, in der Josefstadt, und beschäftige mich mit der jüdischen Geschichte und Gegenwart. Auch in unserer Kulturarbeit spielt die Reflexion der Geschichte, insbesondere die Zeit des Natio­nalsozialismus und des Holocausts, eine große Rolle“.

Denise Quistorp vor dem Werk der österreichischen Künstlerin Claudia Larcher Foto: Tomáš Železný

Ich erfahre, dass sie ihre Arbeit im Österreichischen Kulturforum in Prag als einen „großen Glücksfall“ empfindet, wie auch das engagierte Team, und sie  für die eingespielte Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, der Schweizer Botschaft und den zahlreichen tschechischen Kooperationspartnern sehr dankbar sei. 

Ebenso wie für die österreichischen Lektorinnen und Lektoren und die Österreich-Bibliotheken, die ein wesentlicher Teil des Netzwerks in Tschechien sind. „Es geht uns darum, gemeinsam und kreativ das ‚Gesamtkunstwerk Österreich‘ zu pflegen und zu gestalten“, betont Denise Quistorp.

Gern bummelt sie durch Prag, um die Stadt zu entdecken, meist mit einem Buch in der Tasche. Sie verabredet sich in Cafés zu Gesprächen und taucht in die so lebendige und internationale Kulturszene ein. Die Schönheit der Moldaustadt überwältigt sie stets aufs Neue: „Wenn ich dann nachts durch die stillen Straßen der Altstadt nach Hause gehe, im gelben Licht der Straßenlaternen, mit den Schatten auf dem Kopfsteinpflaster, finde ich Prag unfassbar schön. Genau so, wie ich es mir schon immer vorgestellt habe.“ 

Dieser Artikel erschien in der achte Ausgabe des Printmagazins N&N – Noble Notes