Frühlingsausstellungen mit einer Ladung Strom und neuem Leben

Ein Blick auf die Ausstellung Connections im SmetanaQ Foto: © Anežka Bernardová
Die Prager Galerien und Museen atmen mit dem Einzug des Frühlings und dem Ende der Covid-Maßnahmen wieder auf, und entsprechend voll sind die Ausstellungsprogramme.

Es erwarten uns großzügige Projekte, interessante künstlerische Verbindungen, Retrospektiven und Kammer-Ausstellungen mit einer intimen Atmosphäre. Es kommt darauf an, worauf Sie Lust haben. Wir haben eine Auswahl von fünf Ausstellungen getroffen, die in den kommenden Wochen und Monaten ihre Aufmerksamkeit verdienen.

Kunst mit Ladung

Mark Dions Kabinett der elektrischen Kuriositäten – Kunsthalle Prag Foto: © Vojtěch Veškrna

Die Ausstellung zeigt fast neunzig Kunstwerke mehrerer Künstlergenerationen, darunter der Künstler Marcel Duchamp, der Maler und Fotograf László Moholy-Nagy und die Filmemacherin Mary Ellen Bute. Unter den Namen der künstlerischen Revolutionäre und zeitgenössischen Künstler finden sich auch tschechische Vertreter wie Zdeněk Pešánek, ein Pionier der lichtkinetischen Kunst, oder der Bildhauer Krištof Kintera. Sie können Kinetismus-Ausstellung bis zum 20. Juni besuchen.

Das zweite Ausstellungsprojekt ist Zengers Transformationsstation. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Rolle, die Elektrizität und moderne Technik bei der Entwicklung dieses Gebäudes aus den 1930er Jahren und in der Geschichte Prags insgesamt gespielt haben. Diese Ausstellung läuft noch bis zum 22. Mai dieses Jahres.

“Mit den beiden Eröffnungsausstellungen stellen wir die Philosophie und die Ansätze vor, die das zukünftige Programm der Kunsthalle Prag bestimmen werden. Wir enthüllen die Identität eines neuen Raums für Kunst – eines Raums, in dem Wissen auf Kreativität, Vergangenheit auf Gegenwart und Zukunft und das Lokale auf das Internationale trifft”, sagt Christelle Havranek, Chefkuratorin der Kunsthalle.

Lesen Sie das Interview mit Ivana Goossen, Direktorin der Kunsthalle Prag

Wiedergeburt nach dem Tod

Eine weitere große Gruppenausstellung ist derzeit auch im DOX Contemporary Art Centre zu sehen. Nach dem letztjährigen Projekt Vanitas, das dem Tod, dem Sterben und der Vergänglichkeit gewidmet war, konzentriert sich die aktuelle Ausstellung Nadějné vyhlídky/Vielversprechende Aussichten mit dem Untertitel “Kind in der zeitgenössischen tschechischen Kunst” auf die Geburt und den Beginn des Lebens. Aber stellen Sie sich keine idealisierten Szenen und Bilder vor, die in Sonnenlicht getaucht sind.

Ein Bild aus der Ausstellung “Nadějné vyhlídky”. Foto: Lukáš Oujeský/DOX

Fast vierzig Künstler behandeln in ihren Werken das Thema Kindheit durch Naturalismus, Karikaturen oder Symbole, die uns oft melancholisch, ängstlich oder einfach geheimnisvoll stimmen. Sie werden auf Namen wie David Černý, Viktor Frešo, Ivana Lomová, Jaroslav Róna oder Lubomír Typlt stoßen, und so breit wie ihr Spektrum ist auch die Liste der künstlerischen Formen und Techniken, die die Ausstellung zusammenführt und die sie bis zum 24. April besuchen können.

Überraschende Verbindungen


Die aktuelle Ausstellung in der Galerie SmetanaQ in Prag widmet sich figurativen, ideologischen und technischen Verbindungen – das ist das Thema der aktuellen Ausstellung mit dem treffenden Titel Spoje/Verbindungen. Sieben führende tschechische Künstlerinnen und Künstler haben für diese Kollektivausstellung Kunst-Collagen, oft fast absurde Installationen aus Alltagsgegenständen oder monumentalen Gemälden geschaffen, die das Thema der Verbindungen auf unterschiedliche Weise aufgreifen. Neben den Künstlern haben drei Kuratoren die Ausstellung gemeinsam vorbereitet, was zu interessanten Verbindungen, Experimenten und visuellen Ausdrucksformen geführt hat. Die Ausstellung ist bis zum 10. April zu sehen.

Ein Blick auf die Ausstellung Connections im SmetanaQ Foto: © Anežka Bernardová

Fotograf und Magier


Zwei große Persönlichkeiten und eine außergewöhnliche Freundschaft. Dies war die Inspiration für die Ausstellung im Uměleckoprůmyslové museum/Kunstgewerbemuseum, die das künstlerische Schaffen von Josef Sudek und dem Architekten der Prager Burg, Otto Rothmayer, zusammenführt. Hier können Sie weltberühmte und wiederentdeckte Fotografien von Sudeks Rothmayer-Projekten auf der Prager Burg, Prototypen seiner einzigartigen Gartenmöbel oder Bilder aus der Serie Ein Spaziergang im Zaubergarten sehen, die in der von dem Architekten selbst entworfenen Villa in Břevnov aufgenommen wurden. Der angrenzende Garten wurde zum Ort, an dem Sudek oft nicht nur Rothmayers Stühle und Sessel fotografierte, sondern auch die Atmosphäre des kreativen Prozesses, den er beim “Herrn Magier” beobachtete. Der Spitzname “der Magier” wurde auch der Titel der Ausstellung Návštěva u pana kouzelníka/Besuch bei Herrn Magier” Josef Sudek / Otto Rothmayer, die bis zum 10. April zu sehen ist.

Sudek, Rothmayer Im Garten Foto: Archiv von UMPRUM

Bunte Körper auf Kampa


Das Kampa-Museum bereitet für dieses Frühjahr eine große Retrospektive vor. Geburtstags des Malers Jiří Sopko, einer der wichtigsten Persönlichkeiten der tschechischen Nachkriegsmalerei, statt. Ab dem 11. März werden auf drei Etagen einhundert seiner Gemälde, die sich durch ihre Farbigkeit, ihre Figürlichkeit und ihren unverwechselbaren Humor auszeichnen, sowie Zeichnungen und Aquarelle ausgestellt.

Sopko: Gemälde der Dame Foto: Museum Kampa

Die Ausstellung umfasst Sopkos Werk von den 1970er Jahren bis heute und bietet die einmalige Gelegenheit, die manchmal heiter-absurde, manchmal groteske oder melancholische Stimmung der oft großformatigen Gemälde zu verstehen. Die Ausstellung Jiří Sopko: Retrospektive läuft bis zum 29. Mai.

Das könnte Sie interessieren

Lesen Sie

Rudiš erhält eine Auszeichnung von Bundespräsident Steinmeier. „Uns verbinden Geschichte, Züge und das Bier“, äußert er gegenüber N&N

Der deutsche Bundespräsident hat entschieden, am 1. Oktober insgesamt 16 Personen, die seiner Meinung nach einen außergewöhnlichen Beitrag zum noch kürzlich durch die Coronavirus-Pandemie völlig gelähmten kulturellen Leben geleistet haben, mit dem Bundesverdienstkreuz auszuzeichnen. Unter den sechs Frauen und zehn Männern ist auch ein Tscheche – der in Deutschland lebende Schriftsteller Jaroslav Rudiš.
Lesen Sie

Das Prager Jesulein

Prag, die Stadt der goldenen Türme, wird auf der ganzen Welt verehrt. Türme und Türmchen gibt es hier wirklich zu Hunderten, im Panorama der Stadt gehören viele davon zu Sakralbauten. Nicht alle wissen jedoch, dass sich gerade in einem davon eines der bedeutendsten geistlichen Symbole Tschechiens befindet. Das Prager Jesulein wird im Ausland wesentlich stärker als irgendeine andere tschechische Gestalt oder Persönlichkeit verehrt. Von den Philippinen über Sri Lanka bis hin nach Südamerika hat das Jesulein Millionen von Herzen erobert; in Indien hat es seine eigenen Kommune, in Bangalore ist ihm die Kirche „Infant Jesus Shrine“ geweiht. Aber wie bekannt ist es in Tschechien?

Meistgelesene Artikel im ArtDesign