Goldfish Kinderkaufhaus

Als Mutter von nunmehr vier wunderbaren Kindern habe ich mich eines Tages entschlossen, einen perfekten Laden für Kinder zu eröffnen.

Mir fehlte in Berlin ein Kinderladen, in dem ich alles kaufen könnte – alles, was ich als Mutter für mein Kind suche, und zwar ohne auf gewisse Ansprüche verzichten zu müssen. Für lange Suchfahrten durch die Stadt fehlten mir schon immer die Ressourcen. Und sicher nicht nur mir. Die vielbeschäftigten Mütter sollten zeit- und nervenschonend alle wichtigen Dinge an nur einem Ort finden, die Produkte bereits vorausgewählt, nach ästhetischen und qualitativen Gesichtspunkten. Aber wie kann man alles haben, ohne riesige Flächen zu nutzen (das wollte ich nie)?

Der Weg hat sich gezeigt: Anspruch an Qualität, interessantes Design und vor allem die Bereitschaft zur ewigen Suche nach den richtigen Produkten. Dafür muss ich manchmal auch quer durch Europa reisen.

Die Prioritäten, was genau ich suche, entwickeln sich natürlich mit der Zeit. Beim Design bin ich immer noch nicht bereit, Kompromisse zu machen, die Verarbeitung und die Materialien sind mir genauso wichtig. Es ist mir ein dringendes Bedürfnis, unsere Erde nicht mehr als notwendig zu strapazieren. Bei der Bekleidung achte ich auf faire Produktionsbedingungen, ich bevorzuge Oekotex-Zertifizierungen, ökologisch nachhaltige und hochwertige Materialien, wann immer ich die Wahl habe. Spielzeug sollte am besten ohne Plastik auskommen, auf jeden Fall achte ich auf die Sinnhaftig- und Langlebigkeit, um „Wegwerfartikel“ von kurzer Lebensdauer zu vermeiden. Eins ist klar: Bei Qualitätsprodukten währt die Freude daran länger, man benötigt weniger, und schon allein damit werden Ressourcen geschont.

goldfish-prodejna

Nach zehn Jahren gehört mein Laden zu Berlin-Mitte, genauso wie ich persönlich. Und vor zwei Jahren habe ich zum Angebot von Bikini Berlin „Ja“ gesagt, einen zweiten Laden in dieser dynamischen Concept-Shopping-Mall zu eröffnen. Aber mehr bitte im Moment nicht, ich habe immer noch Kinder, die mich auch ab und an brauchen.

Angekommen im Zeitalter des World Wide Web tue ich mich mit einem Onlineangebot für meine Kunden noch etwas schwer. Ein Überangebot macht es eher zu kompliziert, auf den Menschen zugeschnittene Beratung ist fast unmöglich, ganz zu schweigen von Kisten und Verpackung, die unter hohem energetischem Aufwand hin- und hergeschickt werden. Und ich selbst mag die Arbeit im Laden lieber, als vor dem Computer zu sitzen. Denn dann fehlen mir der Kontakt zu den Kunden, die wunderbaren Gespräche und das Glücksgefühl, wenn ein zufriedener Kunde gut beraten das Geschäft verlässt. Sehr oft sind es aktive Mütter, die mit ähnlichen Gefühlen zu mir kommen, wie ich sie am Anfang selber hatte. Die Kunden sind der eigentliche Grund, warum ich das alles mache.

Text Tomáš Sacher Foto René Löffler

Das könnte Sie interessieren

Lesen Sie

Petra Nesvačilová: Vergessen wir nicht, aus Protest gegen den Präsidenten rote Unterhose aufzuhängen!

Die gefragte Schauspielerin und Regisseurin Petra Nesvačilová gewann letztes Jahr mit ihrem Film Vojna Ztohoven einen Preis des Internationalen Dokumentarfilmfestivals Ji.hlava (IDFF). Es geht um das merkwürdige Ereignis vor fünf Jahren, als eine künstlerische Rezessionsgruppe rote Unterhose – ein Symbol des Kommunismus – anstelle der präsidialen Standarte aufhängte. Petra spricht in dem folgendem Interview über der Entstehung des Films, den Unterschieden zwischen tschechischem und russischem Charakter und den Grenzen von Gut und Böse.
Lesen Sie

Michael Müller: Mit einer Enteignung entsteht keine neue Wohnung

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller unterstützt die Initiative zur Enteignung privater Immobilienunternehmen in der deutschen Hauptstadt nicht. Es werde keine einzige neue Wohnung entstehen, begründete er seine Position in einem Interview mit Flowee.cz, in dem es auch um den Druck zum Umstieg auf die so genannten erneuerbaren Energien wie auch um das Interesse der Rad- und Autofahrer auf Berlins Straßen ging.

Meistgelesene Artikel im Business