Art Bechyně 2026 erkundet „Beziehungsfelder“

Das malerische Schloss Bechyně an der Lužnice und dem Flusschen Smutná wird im Sommer zum beliebten Ausflugsziel für Kunstliebhaber. Auch in diesem Jahr wird es bis zum 13. September von Werken tschechischer und ausländischer Künstler belebt.

Die thematische Sommerausstellung „Beziehungsfelder“ wurde von den Kuratorinnen Nicole Stava und Claudia Rajlich von der Düsseldorfer Gallery Konrad Fischer konzipiert. Für die diesjährige Kunstsaison luden sie auch Miroslav Jiřele von der Prager Galerie Etcetera ein. Die Kunstausstellung findet nicht nur im Schlosspark und in der Galerie „Sýpka“ statt, sondern zum ersten Mal auch in allen historischen Sälen des Schlosses.

Die Ausstellung zielt auf einen gegenseitigen Dialog ab – zwischen den einzelnen Werken und ihrer Umgebung, zeitgenössischer Kunst und historischer Architektur, den einzelnen Künstlern sowie zwischen den Besuchern des Schlosses und den Exponaten. Auch in diesem Jahr stammen die präsentierten Werke renommierter Persönlichkeiten aus der internationalen und tschechischen zeitgenössischen Kunstszene, darunter Daniel Buren, Candida Höfer, Sol LeWitt, Thomas Schütte, Milena Dopitová, Margita Titlová Ylovsky, Tomáš Ruller, Lukáš Rittstein, Dalibor Chatrný und Maxim Velčovský.

Auf Velčovskys farbenfrohe Installation „Candy Tree“ aus Stahl und Glas stößen die Besucher noch vor dem Tor. Laut Nicole Stava, Kuratorin, Sammlerin, ehemaliger Beraterin des Londoner Auktionshauses Christie’s und Miteigentümerin des Schlosses Bechyně, handelt es sich um eine Reaktion auf die Architektur alter Schlossparks.

In diesem Jahr ist im Park von Bechyně zum ersten Mal die Klanginstallation „Intermodal Morphology“ des zeitgenössischen niederländischen bildenden Künstlers und Komponisten Roland Emil Kuit zu hören. Das Werk erwacht zum Leben, sobald der Besucher den QR-Code für das mobile Audio scannt und sich zwischen den bunten Pfählen bewegt, die aus den Wäldern um die Stadt Bechyně stammen. In verschiedenen Sequenzen ist das Zwitschern der Papageien aus der Gartenvoliere des Schlosses zu hören, wodurch der Klang die Form eines „immateriellen und transparenten Mediums“ annimmt.

Auch die weitere Installation „Mass“ schuf Kuit eigens für Bechyně. Im Dachgeschoss des imposanten Barock-Getreidespeichers aus dem Jahr 1743 lässt der Künstler in einem abgedunkelten Raum 10.000 Tischtennisbälle auf einer horizontalen Fläche tanzen, die durch den Luftstrom der Ventilatoren in zufälligen Stößen in Schwingung versetzt werden. „Der Klang kann an Regentropfen erinnern, die auf ein Dach fallen. In dieser Installation entsteht jedes Mal ein neues Musikstück“, erklärt der niederländische Künstler, dessen Aufnahmen an Bord der NASA-Mission OSIRIS-REx ins All gesendet wurden.

Lukáš Rittstein und seine Lucy vor dem Schloss Bechyně

Beachtenswert sind auch weitere ausgestellte Werke im Skulpturenpark des Schlosses, wie „Lucy“ des tschechischen Bildhauers Lukáš Rittstein.

Konzeptuelle Kunst in der Galerie Sýpka

Das Erdgeschoss des Getreidespeichers beherbergt eine Kunstsammlung aus dem Besitz der Familie Stava und die Präsentation des neuen Sammlungskatalogs.

Die Kunst um eine Etage weiter vereint konzeptuelle und minimalistische Werke aus den Sammlungen der Gallery von Konrad Fischer „Von rechts nach links sehen wir hier drei Künstlergenerationen. Hier finden beispielsweise der amerikanische Maler und Bildhauer Sol LeWitt oder der französische Konzeptkünstler Daniel Buren ihren Platz“, erklärt die Kuratorin Claudie Railich.

Die Werke im Obergeschoss widmen sich tschechischen Persönlichkeiten: Milena Dopitová, Margita Titlová Ylovsky oder Tomáš Ruller. Dopitovás Werke beziehen sich meist auf persönliche Erlebnisse der Künstlerin, wie etwa die bedrückende Atmosphäre, die in einem Objekt aus der Serie „Demnächst bei ihnen “ eingefangen ist, dessen Hauptmotiv die Bedrohung ist. Der Betrachter ist sich nicht sicher, ob es sich um eine Verteidigung oder einen Angriff handelt. „Zu den Themen meines nächsten Projekts gehört Intimität. Da ich aus einer eineiigen Zwillingsgeburt stamme, setze ich mich darin mit Jugend, Erwachsenwerden und Alter sowie dessen Rückkehr auseinander. Damals hatte ich die Möglichkeit, alle Lebensphasen an einem einzigen Tag zu durchleben“, erklärt die Konzept – und Multimedia-Künstlerin Milena Dopitová ihre Schmetterlingsinstallation.

Installation der tschechischen Konzeptualkünstlerin Milena Dopitová

Schlossinterventionen von Nives Widauer

Seit dem ersten Ausstellungssommer auf dem südböhmischen Anwesen in Bechyně halten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Kunst Einzug in dessen Räumlichkeiten. In diesem Jahr sind es Installationen, Videokunst, Zeichnungen und Bühnenbilder, die die Schweizer Künstlerin Nives Widauer in allen Räumen des Besucherrundgangs des Schlosses präsentiert. Dazu gehört auch der Saal mit der größten Sammlung von Kinderporträts in Europa, in die die Multimedia-Künstlerin durch ihre von Marionetten inspirierte Serie behutsam eingreift. Neben kleinen Interventionen finden wir in den Schlossräumen und Sälen auch umfangreichere Werke. Es ist zum Beispiel eine Gruppe lebensgroßer weiblicher Textilfiguren. In verschiedenen Posen, mit Gläsern auf dem Tisch, thematisieren sie laut Widauer den Alkoholismus bei Frauen.

Vor allem die kleinen Besucher des Schlosses werden sicherlich vom alten, schnarchenden Schrank amüsieren. „Es handelt sich um die Klanginstallation ‚Panajama‘. Ich schaffe meine Interventionen an verschiedenen Orten. Im hiesigen Schloss habe ich eben mit diesem historischen Möbelstück gearbeitet sowie mit der Idee, dass auch die Sachen um uns herum uns beobachten und Geschichten erzählen. Mit dieser Ausstellung möchte ich vor allem Kinder an die Kunst heranführen – und das mittels Dinge, die sie gut kennen“, fasst die Schweizer Künstlerin Nives Widauer zusammen.

Titelfoto: Blick in die Ausstellung in der Schlossgalerie „Sýpka“