H.R.G. Litomyšl: Qualität – Handwerk – Verantwortung – und Freude

Tschechien blickt auf eine lange Tradition im Druck und in der Herstellung von Büchern, Verpackungen und anderen Papierwaren für Kunden in ganz Europa zurück. Zu den führenden Unternehmen des Landes zählt H.R.G. Litomyšl. Mehr von Leiter Vertrieb und Marketing Jan Gloser.

Inwieweit fühlen Sie sich als Unternehmen mit Sitz im historischen Litomyšl (auf Deutsch Leitomischl) mit der berühmten Geschichte Ihrer Stadt verbunden, in der im Jahr 1503 eine der ersten Druckereien in Böhmen gegründet wurde?

Als moderne Druckerei des 21. Jahrhunderts fühlen wir uns der Tradition des Druckwesens in Litomyšl sehr stark verbunden. Litomyšl ist eine Stadt mit einem außergewöhnlichen kulturellen, historischen und literarischen Erbe, und die Tatsache, dass gerade hier eine der ersten Druckereien in den tschechischen Ländern entstanden ist, ist für uns eine große Inspiration und Verpflichtung zugleich.

Es ist beeindruckend, dass Bücher aus unserer Druckerei in Litomyšl heute in ganz Europa verbreitet werden – nur entstehen sie heute mit Hilfe von Technologien, von denen unsere Vorgänger damals nicht einmal zu träumen wagten.

Das Druckmuseum ist Teil der H.R.G.-Druckerei selbst.

Seit der Gründung der Druckerei im Jahr 1989 lautet Ihre Philosophie: „Qualität – Handwerk – Verantwortung – und Freude.“ Könnten Sie das bitte näher erläutern?

Ich denke, diese vier Worte treffen nicht nur die Philosophie unseres Familienunternehmens sehr genau, sondern auch meine persönliche Herangehensweise an die Projekte, an denen ich als Vertriebsmitarbeiter mitwirke.

Qualität bedeutet für mich, jedem Detail Aufmerksamkeit zu schenken. Von der Papierauswahl über die Drucktechnik und die Farbe des Fadens zum Heften des Buchblocks bis hin zur abschließenden Verpackung des Auftrags.

Handwerk steht für die Erfahrung der Menschen, die an der Herstellung beteiligt sind. Auch wenn wir über die neuesten Technologien verfügen, ginge es ohne menschliches Wissen, die Liebe zum Handwerk und das Gespür nicht. Nicht umsonst spricht man von den „goldenen tschechischen Händen“.

H.R.G. Printers im Jahr 2026.

Ich fühle mich verantwortlich gegenüber Autoren, Verlegern und Lesern. Jedes Buch steht für Monate oder Jahre der Arbeit vieler Menschen, und ich schätze das Vertrauen sehr, das sie uns entgegenbringen, wenn sie ihr Buch gerade bei uns anfertigen lassen.

Und die Freude? Die stellt sich in dem Moment ein, in dem ich das fertige Buch zum ersten Mal in den Händen halte und sehe, dass wir einem weiteren schönen Buch zur Welt verholfen haben, das für immer bestehen bleiben wird.

Mit welchen Herausforderungen waren Sie im Laufe Ihres Bestehens konfrontiert?

Die Buchproduktion hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Die Technologien entwickeln sich ständig weiter, und auch die Erwartungen der Kunden sowie die Anforderungen des Marktes ändern sich.

Das Druckmuseum in Litomyšl.

Als größte Herausforderung betrachte ich jedoch die Fähigkeit, eine hohe Qualität aufrechtzuerhalten, während die Fristen immer kürzer und die Projekte immer anspruchsvoller werden. Heutige Bücher kombinieren oft spezielle Materialien, ungewöhnliche Bindungen, Veredelungen oder eine sehr anspruchsvolle Reproduktion von Fotos. Genau solche Projekte bringen uns jedoch weiter und geben unserer Arbeit Sinn.

Sie drucken Verpackungen, beispielsweise für Kosmetik-, Lebensmittel- und Spielzeugprodukte, aber auch außergewöhnliche Bücher. Inwieweit stellt dieses breite Spektrum für Sie eine Herausforderung dar? Worauf muss man beispielsweise bei der Herstellung von Kunstbüchern mit Fotografien achten?

Das ist eine riesige Herausforderung, aber gleichzeitig eine der größten Stärken von H.R.G. Wir sind nicht auf ein einziges Segment beschränkt, wodurch sich uns fast überall Türen öffnen, wo etwas auf Papier gedruckt werden muss. Natürlich ist der Produktionsprozess an sich völlig unterschiedlich, aber für beides gilt: Die Qualität muss hundertprozentig sein. Mir persönlich machen Buchprojekte mehr Spaß. Eine Cremeverpackung oder einen alten Katalog wirft man weg, aber ein Buch – das bleibt „für die Ewigkeit“. Und das ist einer der Gründe, warum es bei Foto – und Bildpublikationen wichtig ist, auf jedes Detail zu achten. Eine große Rolle spielen die korrekte Farbwiedergabe, die Papierauswahl, die Rasterung, die Kalibrierung der Druckmaschinen sowie die Art der Bindung. Ein Buch muss nicht nur gut aussehen, sondern sich auch beim Lesen und Betrachten gut anfühlen.

Die Eigentümer der Druckerei, Petr Lorenc und Leoš Tupec, eröffneten 2018 in den Räumlichkeiten der Druckerei H.R.G. gemeinsam mit Ihnen das Druckmuseum. Welche Exponate sollte sich ein Besucher nicht entgehen lassen?

Wenn es etwas in der Ausstellung gibt, das Sie auf keinen Fall auslassen sollten, dann sind es die historischen Druckmaschinen mit ihren einzigartigen Geschichten. Hier finden Sie eine Intertype-Setzmaschine, die aus der Druckerei der tschechoslowakischen Legionen in Prag stammt. Während der deutschen Besatzung wurde sie direkt im Gebäude am Wenzelsplatz eingemauert, um der Beschlagnahmung durch die deutsche Armee zu entgehen. Nach dem Krieg wurde sie wieder in Betrieb genommen und war bis in die 1980er Jahre im Einsatz. Besondere Aufmerksamkeit verdient auch die Buchdruckpresse mit Kniehebel aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine echte Rarität ist schließlich die Lithografiedruckpresse aus der Druckerei von Bohumil Haas im Prager St.-Anna-Kloster, die speziell für diese Druckerei angefertigt wurde und nirgendwo sonst mehr zu finden ist. Ergänzt wird die Sammlung durch einzigartige Drucke aus den Druckereien von Litomyšl vom 18. Jahrhundert bis zur Zeit der Ersten Republik.

Jan Gloser mit seiner Kollegin Klára Cartmell in der Produktionshalle der Druckerei H.R.G.

Und zum Schluss: Verraten Sie uns, was sich hinter der Marke H.R.G. verbirgt?

Hinter der Abkürzung H.R.G. verbirgt sich eine recht persönliche Geschichte. Der Name entstand aus der englischen Bezeichnung „Horse Radish Graphic“. „Horse radish“ bedeutet übersetzt „Meerrettich“, und genau „Meerrettich“ war schon seit seiner Kindheit der Spitzname des Firmengründers Petr Lorenc. Als das Unternehmen gegründet wurde, beschloss er, diesen Spitznamen mit einem Augenzwinkern ins Englische zu übertragen und ihn um das Wort „graphic“ zu ergänzen, das auf die Welt der Polygrafie, des Drucks und der grafischen Produktion verweist.

Übrigens haben wir gerade der Druckerei H.R.G. Litomyšl den Druck unserer Publikationen Buch über Bücher und Magic Mag from Prague anvertraut, die im Oktober dieses Jahres erscheinen werden.

Foto: František Renza