🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Drž se toho snu! Příběh světového režiséra ožívá na Kampě
Ich liebe Theater, deshalb freue ich mich, dass ich es auch außerhalb der Theatersaison auf Sommerbühnen genießen kann. Zu meinen Favoriten gehören die Sommer-Shakespeare-Festspiele auf der Prager Burg, die Sommerbühne des Ungelt-Theaters in Nový Svět unterhalb der Prager Burg und die Sommerbühne des Museums Kampa. Gerade im Innenhof von Sovas-Mühle erlebte ich unter dem majestätischen Platanenbaum die Geschichte einer außergewöhnlichen Persönlichkeit der tschechischen und internationalen Filmkunst, des Regisseurs Miloš Forman. Sein Lebensmotto lautete: „Halte an deinem Traum fest.“
Im Jahr 2019, als die Mäzenin, Kunstsammlerin und Gründerin des Museums Kampa, Meda Mládková (1919–2022) ihren 100. Geburtstag feierte, schufen die Drehbuchautorin und Produzentin Daniela Sodomová und die Regisseurin Adéla Laštovková Stodolová im Rahmen der Geburtstagsfeierlichkeiten das Theaterstück Meda. Dank der positiven Resonanz kehrte das ursprüngliche Kurzzeitprojekt im Sommer auf die Prager Insel Kampa zurück. Die Autorinnen inszenierten nach und nach drei weitere biografische Werke, die von tschechischen Künstlern inspiriert waren: Es waren Werich über den beliebten Schauspieler Jan Werich, Marta über die populäre Sängerin Marta Kubišová und Forman alsHommage an den legendären tschechisch-amerikanischen Filmemacher Miloš Forman.

Dreistündige Fahrt
Die Geschichten über die schwierigen Lebenswege tschechischer Persönlichkeiten unterscheiden sich in ihrer Herangehensweise: Während Meda ein Theaterstück mit linearer Handlung war, wechselten sich in Werich Vorbühnen vom Himmel mit realen Lebensgeschichten ab. Bei Marta handelt es sich um ein Theaterrezital mit Chansons, und das jüngste Stück, Forman, das im vergangenen Sommer uraufgeführt wurde, wird linear im Broadway-Stil mit Elementen aus Theater, Musical und Bewegungstheater erzählt. Überhaupt zum ersten Mal werden in der Szenografie große LED-Bildschirme verwendet, auf denen in einer zeitgenössischen Schwarz-Weiß-Schleife Formans persönliche und berufliche Meilensteine laufen. Dabei geht es nicht nur um seine ikonischen Satirenfilme wie Der schwarze Petr, Die Liebe einer Blondine oder Der Feuerwehrball, sondern auch um persönliche Momente. Gleichzeitig ist es ein Verweis auf Formans Wirken in der legendären Laterna Magica und seine Zusammenarbeit mit ihrem Gründer Alfréd Radok. Requisiten, die in vielerlei Hinsicht während der gesamten Inszenierung auftauchen – große weiße Koffer – stehen für Formans allgegenwärtigen Verlust seiner Heimat, der ihn sein ganzes Leben lang begleitete.
Patrik Děrgel als Miloš Forman
In der Hauptrolle wechseln sich Marek Adamczyk und Patrik Děrgel ab, dessen Forman ich auf Kampa gesehen habe. Die frische dreistündige Fahrt war temporeich, witzige Momente wechselten sich mit bedrückenden ab. Děrgels Forman gefiel, wofür ihn – und mit ihm das gesamte Produktionsteam – das Publikum mit minutenlangem Applaus belohnte. Kein Wunder. Die Rolle passte perfekt zum talentierten Děrgel. Er spielte sie überzeugend, mit sorgfältig einstudierter Diktion und Gestik des berühmten Regisseurs. So lassen wir uns leicht von der Illusion mitreissen, dass uns reale Miloš Forman von seinem dramatischen Lebensweg erzählt, angefangen von seiner unbeschwerten Kindheit im Familienferienort am Mácha-See über die Deportation und Ermordung seiner Eltern im Konzentrationslager, die Einsamkeit des achtjährigen Waisenkindes bis hin zu den schwierigen Anfängen im Exil in den Vereinigten Staaten. Wir erfahren von seinem Wunsch, sich als Filmregisseur durchzusetzen, verfolgen seine Erfolge und Niederlagen sowie seine Rückkehr nach Prag in den 1980er Jahren, wo er den Oscar-prämierten Film Amadeus dreht. Wir begegnen seinen lebenslangen Freunden, darunter Ivan Passer, Miroslav Ondříček und Václav Havel, lernen ihn als markante Persönlichkeit der neuen Filmwelle in der Tschechoslowakei kennen und werden Zeugen seiner stürmischen Beziehungen zu Jana Brejchová und Věra Křesadlová. Der Gesamteindruck der Theaterinszenierung Forman wird durch die schauspielerischen und tänzerischen Leistungen der erwachsenen und kindlichen Protagonisten zusätzlich verstärkt.

Wie die Autorinnen der Theaterinszenierung auf der Website der Sommerbühne des Museums Kampa ankündigen, „die Inszenierung Forman ist nicht eine bloße Lebensaufzeichnung des Regisseurs, sondern eine Erinnerung an alle, dass man trotz schwerster Prüfungen und dunkler Momente seinen Traum verwirklichen kann. Seine Geschichte zeigt, dass Freiheit und kreative Unabhängigkeit zentrale Werte sind, für die es sich lohnt, um jeden Preis zu kämpfen.“
Die Theaterinszenierung Forman wird bis zum 3. August auf der Sommerbühne des Museums Kampa in Prag aufgeführt. Vom 14. August bis zum 7. September wird sie durch das Musikrecital Marta abgelöst. Und auch darauf kann man sich schon jetzt freuen!



