Chaplin, Lebendiges Wasser und Berliner Schloss oder Tschechisch-Deutscher Salon 2023

Am Montag, den 12. Juni, wurde die Art&Event Galerie Schwarzer Schwan zum Veranstaltungsort eines weiteren Tschechisch-Deutschen Salon, der an die Tradition deutschsprachiger Treffen der gesellschaftlichen und kulturellen Elite aus der Zeit der Ersten Republik anknüpft.

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Eröffnet wurde der Abend mit einer Klavierinterpretation von Chaplins berühmter Komposition “Rampenlicht” durch die N&N-Verlegerin Danuše Siering. Den feierlichen Abend eröffnete sie mit den Worten: „Im Zeitalter der virtuellen Welt und der künstlichen Intelligenz ist es umso wichtiger, sich wirklich zu begegnen, um einander wahrzunehmen, um die Aura des anderen zu spüren, sich in die Augen zu sehen, was keine moderne Technologie ersetzen kann. Das ist es, was die Salonkultur bietet, wo wir die aktuellen heiklen Themen aufgreifen und neue Ideen und Visionen weitergeben.”

Danuše Siering eröffnet den siebten Tschechisch-Deutschen Salon, links Wilhelm von Boddien

Der erste Gast des Juni-Salons war Wilhelm von Boddien aus Hamburg. Der prominente Geschäftsmann erinnerte an die Anfänge seines Langzeitprojekts. Dabei handelt es sich um eines der größten und zugleich umstrittensten Gebäude Deutschlands – das Berliner Schloss und mit ihm das moderne Museumsgebäude Humboldt Forum. Die achtundzwanzig Jahre dauernde Sanierung des baufälligen Berliner Schlosses wurde im Juli 2021 abgeschlossen. Heute kann sich der Komplex damit rühmen, dass 99 Prozent der ursprünglichen Fassade erhalten geblieben sind, im Inneren bietet das Humboldt Forum hingegen eine beeindruckende Sammlung von Kunst aus aller Welt. Die aufwendige Sanierung des Berliner Schlosses erforderte eine gewaltige Investition von 700 Millionen Euro. Davon konnte Wilhelm von Boddien dank des Fördervereins Berliner Schloss unglaubliche 110 Millionen Euro von privaten Spendern erwerben. „Damals war ich noch als Landmaschinenhändler tätig, aber ich war jung und leidenschaftlich. Es war eine Herausforderung für mich. Ich hatte Freunde und wusste, dass ich es schaffe. Das war entscheidend”, sagt der heute 81-jährige von Boddien. Um die Öffentlichkeit für die Instandsetzung des nach dem Krieg und später nach der kommunistischen Herrschaft verfallenen Schlosses zu begeistern, kam von Boddien auf eine geniale Idee: „Wissen Sie, wenn Sie die Leute dafür gewinnen wollen, ein Boot zu bauen, zeigen Sie ihnen das Meer. In diesem Sinn ließ ich 1993 in Berlin eine originalgetreu gemalte Nachbildung der Fassade auf den Umriss des Berliner Schlosses anbringen, die wir mit Spiegeln versahen, so dass der Eindruck entstand, das Schloss sei ganz”, erinnert sich von Boddien. Als sich die Berliner so an diese barocke Illusion gewöhnt hatten, dass sie ihnen real erschien, fehlte nicht viel für eine massive Unterstützung des Projekts. Nach genau dreißig Jahren wurde es von dem unermüdlichen Willhelm von Boddien vollendet. 

Aus der deutschen Hauptstadt kam eine weitere Persönlichkeit des Tschechisch-Deutschen Salons nach Prag: Katharina Schmitt, eine Theater- und Opernregisseurin und Dramatikerin, die lange Jahre in Prag lebte und arbeitete. In einem Interview mit dem Direktor des Tschechischen Zentrums in Berlin, Jiří Rosenkranz, sprachen sie auch über die Inszenierung, die derzeit vom Studio Hrdinů in Prag aufgeführt wird: „In meinem aktuellen Stück Das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt nach Heinrich Kleist, das derzeit im Studio Hrdinů in Prag aufgeführt wird, reagiere ich auf die traumatisierende Zeit der Isolation. In dieser Inszenierung habe ich mich auf viele Interviews mit Schauspielern über ihr Leben in der Zeit der Pandemie gestützt. Es war eine sehr persönliche Arbeit, die sich mit dem Theater als sozialem Raum beschäftigt, der lange Zeit geschlossen war”, sagte Katharina Schmitt. 

Theater- und Opernregisseurin und Dramatikerin Katharina Schmitt

Für den musikalischen Auftakt zu einem weiteren Gast sorgte Vanda Šípová vom Nationaltheater in Prag. Mit Klavierbegleitung trug sie eine Arie aus der revueartigen Operette “Ball im Savoy” des ungarischen Komponisten Paul Abraham vor. Für die Sopranistin Šípová ist dieses berühmteste Jazz-Gesangsstück übrigens die erste Operette mit einem feministischen Thema überhaupt. In diesem Stück zu singen, ist eine tolle Sache, auch weil meine Figur Madelaine eine große Veränderung durchmacht. „Von einer treuherzigen Ehefrau zu einer emanzipierten Frau.” 

Ein weiterer Gast des Salons war die Wissenschaftlerin Diana Siswartonová, die die bisher unbekannten Eigenschaften von Wasser erforscht. Sie beschäftigt sich mit nicht-chemischen Wasseraufbereitungen, inspiriert durch den Prozess der Wasserverwirbelung in der Natur. Diana Siswartonová hat am Forschungsinstitut der Akademie der Wissenschaften gearbeitet und kooperiert mit einer Reihe von Wissenschaftlern im deutschsprachigen Raum und auch in den USA. „Der Verwirbelungsprozess bringt Wasser zum Leben”, sagt Siswartonová. “So wie Kohlenstoff in bestimmten Form Diamant und fest ist, kann Wasser eine hohe Vitalität haben, die sich als Ordnung manifestiert. Oder es kann eine geringe Vitalität haben, die als Chaos erscheint”, sagt die Wissenschaftlerin. Wie sie am Ende ihres Vortrags hinzufügte, wird Wasser, wenn es einem bestimmten Verwirbelungsprozess unterzogen wird, im Grunde “zum Leben erweckt”, wodurch sich seine Eigenschaften und Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit grundlegend verändern.

Wolfgang Bremm von Kleinsorgen, der Generaldirektor von Mercedes-Benz für Mitteleuropa, und die Wissenschaftlerin Diana Siswartonová haben die Vorstellung der neuen Ausgabe von N&N begleitet.

Der Galaabend endete mit der Taufe der neuen Ausgabe des N&N Czech-German Bookmags, die von einem der renommierten in Prag tätigen deutschen Manager, Wolfgang Bremm von Kleinsorgen, Geschäftsführer von Mercedes-Benz Central Europe, begleitet wurde. 

Foto: Tomáš Železný

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