Gemeinsamer Nenner: Wasser

Schauspielerin, Züchter, Heilerin, Imker und Ruderer. Jede Persönlichkeit, eine Gedankenströmung und ein gemeinsamer Nenner: Wasser. Ob als Träne der Trauer oder der Freude, Lebensspender, Inspiration oder Medium. Mehr in der Fotoserie von Michaela Dzurná Machač. 

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SARAH – SCHAUSPIELERIN

Weinen muss der Zuschauer, nicht DU! Schrie mich in einem Anfall von Wut meine Lieblingslehrerin, Frau Fudalej, im Unterricht Aktorskie Piosenki an. Ich versuchte damals, ein paar Tränen abzudrücken und meinen Mitschülern das Lied vom verwaisten Kuckuck vorzusingen. „Du darfst dich weder von der Farbe deiner Stimme, noch von den Worten des Liedes, oder von dir selbst bewegen lassen – du musst dem ENTGEGEN gehen. Du musst mit deinen Gefühlen kämpfen und die Tränen unterdrücken. Deine innere Spannung muss wie ein Tragseil vor dem Zerreißen sein. Das Publikum wird zu Tränen gerührt sein von deinem Kampf der inneren Kräfte, deinem offensichtlichen Bemühen, den Schmerz abzuwenden. Fange an, vor Lachen zu weinen. Erst dann werden die Tränen in den Augen der Beobachter wie Perlen am Meeresgrund glitzern und ihr Solarplexus wird getroffen sein.“

Es ist zehn Jahre her, seit ich in Krakau studiert habe und seitdem habe ich mich auf der Bühne mehr als einmal an Frau Fudalej erinnert. Mir fällt es nicht schwer, während der Vorstellung zu weinen. Wenn ich mich auf eine Figur und ihre Geschichte, ein bewegtes Schicksal einstelle, zwinkere ich eine Weile nicht, schaue in die Lichter und meine Augen werden augenblicklich feucht. Techniken, die eine Schauspielerin oder einen Schauspieler zum Weinen bringen, gibt es unzählige. Natürlich vergießt  ein guter, talentierter Künstler keine Tränen, selbst salziger Schmerz kann vorgetäuscht gespielt werden und WAHR sein. Man sagt, das Auge sei das Fenster zur Seele.

Damit sich der Zuschauer mit dem Künstler verbinden kann, um mit ihm während des Abends ein neues Universum zu schaffen, muss er dem Schauspieler glauben. Er muss den Durst durch seine Authentizität und Aufrichtigkeit stillen. Vertrauen in einen Künstler kann akzeptiert werden, wenn der Schauspieler ehrlich ist. Nur dann kann zwischen Bühne und Zuschauerraum ein Kunstwerk entstehen. Und es ist nicht immer notwendig, diesen Gipfel zu bezwingen, um durch das Tal der Tränen zu gehen.

RUDA NOVÁK – STEINBALANCE

Mich faszinieren seit eh und je die Elemente. Als ich ein Foto von Michael Graps Steinbalance sah, musste ich das ausprobieren. Ich stellte im Bach einen Stein auf die Spitze, nahm die Hände vom Stein und er stand – und alles rings herum ging weiter.  Ich würde es mit Meditation vergleichen, wenn man sich auf das Zusammentreffen von zwei Steinen konzentriert. In den Fingerspitzen spürt man die kleinste Bewegung und das Rauschen des Wassers macht den Kopf frei. Seitdem balanciere ich ausschließlich an Flüssen und Bächen. Deshalb, weil nasse Steine schöner sind, aber auch, weil es wunderbar ist, den Moment zu beobachten, wenn die Steine in fragilem Gleichgewicht  aufeinander stehen, während um sie herum der Fluss fließt, die Zeit läuft und das Leben weiter geht.

MICHAELA OLIVIE CUSANOVA – SENSINGBODY

Michaela widmet sich der Vertiefung ihrer Verbindung mit sich selbst – den Heilkräften. Das Medium ist der fluidale Körper. Ganzheitlicher Ansatz bezieht viele Ebenen ein: Muskelgewebe, Knochen, zelluläre Wahrnehmung sowie die emotionale und spirituelle Ebene. Wasser trägt die Erinnerung und wir berühren im Körper das tiefe Geheimnis des Lebens. Durch den Fluss der Flüssigkeiten werden Blockaden im Heilungsprozess gelöst, der alle Ebenen des Lebens beeinflusst. Weitere Informationen über sensingbody finden Sie unter www.sensingbody.cz

VENCA – IMKER 

Seit ich fünf Jahre alt bin, interessiere ich mich für Reptilien und Insekten. In der Grundschule war ich in der Imker-AG. Heute besitze ich eine Bienenfarm mit 200 Bienenvölkern. Ich interessiere mich für Apitherapie und von Bienen bestrahltes Wasser. Quellwasser wird in einem Glas- oder Plastikaufsatz auf den Bienenstock gestellt. Die Bienen laden es durch ihren Magnetismus auf. Nach 24 Stunden hat das sog. „Bienenwasser“ wohltuende Wirkungen auf den menschlichen Körper.

LUCIE KRÁLÍČKOVÁ – EPHEMERE

Wir stehen vor dem Morgengrauen auf. Es ist Karfreitag, der Tag der Kreuzigung.  Ich schöpfe Wasser aus dem Bach und tauche in das kalte Wasser ein. Ein rituelles Bad zur Erhaltung unserer Gesundheit vor Sonnenaufgang. Das Blut fließt wild in unseren Adern. Wir lauschen dem Gesang der Kraniche, schneiden Weidenkätzchen ab und tränken sie in Weihwasser. Es ist Freitag, sie legten ihn ins Grab und Maria Magdalena mischt duftende Salben. Ein Tag der Stille, der Opferung.

JAN HRNČÍŘ – SYNTROPISCHE LANDWIRTSCHAFT

Syntropische Permakulturen schaffen durch natürliche Elemente synergistische Harmonie. Schließen sich die Kreisläufe der Natur folgt Bereicherung: In der Landschaft hält sich mehr Wasser, das in den gesunden und humusreichen Boden sickert und Bäume und Pflanzen mit Nährstoffen versorgt. Überschüsse verdunsten in die Luft, kühlen die Erdoberfläche ab und bilden Gewitterwolken. Durch die regelmäßigen Kreisläufe von Wasser, Biomasse und der Photosynthese entsteht die Harmonie des Lebens von Mensch und Tier.

LUKÁŠ KARAŠ – DAS ZITTERN DES WASSERS

Die symbolische Verwandtschaft von Wasser und Träumen wird in Traumbildern ausgedrückt, mit denen die Seele sich selbst beschreibt. Zittern, Unruhe und Angst, die Träume verursachen, drücken die Ehrfurcht aus, die wir gegenüber dem Unbewussten empfinden. Wir stehen unserem eigenen Inneren wie der Tiefe des Meeres ge­gen­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­über. Es spinnt Träume, ähnlich wie die unbekannte ozeanische Intelligenz des Planeten Solaris die Inhalte des menschlichen Geistes in der Außenwelt belebt.

VĚRA LINHARTOVÁ – WATSU

Die Watsu®️-Methode wurde zu einer Inspiration für viele Formen der Rehabilitations-Hydrotherapie. Dieser Prozess bietet den Klienten einen tiefen Entspannungszustand, Muskeldehnung, Gelenkmobilisierung und Warmwassermassage. Es geht um die Kommunikation der Körper auf  der Ebene des Herzens, die den Menschen Gefühle des Vertrauens und der Dankbarkeit vermittelt. Sie unterstützt die Wahrnehmung des Lebens in seiner Reinheit, Klarheit, Anmut und Eleganz.

DANA ZEMANOVÁ – GONG

Ich träumte immer wieder, dass ich einen großen Gong spiele. Später habe ich ihn gekauft. Schon beim ersten Mal wusste ich, wie man ihn spielt. Ich erhalte genaue Symbole, die ich kurz zuvor auf dem Gong sehe. Jedes Symbol resoniert mit mir, ich nehme es mit meinem Herzen wahr. Die gespielten Symbole breiten sich in der Umgebung aus.  Die Frequenzen des Gongs helfen, das Wasser im menschlichen Körper zu harmonisieren. Die Vibration des Gongs löst Blockaden auf. Die Menschen sind nach dem Anhören viel ruhiger und die Spannung, mit der sie gekommen sind, ist gelöst.

Foto: Michaela Dzurná Machač

Dieser Artikel erschien in der fünfte Ausgabe des Printmagazins N&N Czech-German Bookmag

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