Tschechisch ist die Seele, behauptet Expertin für Bohumil Hrabal, Monika Zgustová

Sie kannte Bohumil Hrabal persönlich und wurde zur Mittlerin seines Werkes im hispanischen Sprachraum. „Die Muttersprache zu verlieren ist wie die Seele zu verlieren“, sagt Monika Zgustová, mit der wir einen Auszug aus unserem Interview veröffentlichen.

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Im Buch über Bücher, das im Oktober 2026 auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorgestellt wird, darf Bohumil Hrabal keinesfalls fehlen. Denn seine Bücher finden seit Jahren auch in Deutschland einen großen Anklang. In der Fotostory von Tomáš Železný bringen wir Eindrücke aus unserem Besuch in Hrabals Sommerhaus in der mittelböhmischen Ortschaft Kersko. In seiner „chata“, wo er sich Zuhause fühlte, hat er seine erfolgreichsten Texte geschrieben.

Dank Monika Zgustová resonieren Hrabals Werke auch im hispanischen Sprachraum. Mit der Übersetzerin, Schriftstellerin und Expertin für Bohumil Hrabal sprach die Verlegerin von Black Swan Media, Danuše Siering. Aus diesem anregenden Gespräch bringen wir einen Textauszug.

Sie sind sowohl Schriftstellerin als auch Übersetzerin. Wie beeinflussen sich diese beiden Tätigkeiten gegenseitig?

Ich habe als Übersetzerin begonnen und war glücklich darüber, dass ich die beste Literatur übersetzen durfte und in Spanien Interesse daran bestand. Ich unterstützte die übersetzten Bücher, indem ich in Zeitungen über sie schrieb, für Literaturbeilagen Interviews mit den Autoren führte und ihre Artikel für Zeitschriften übersetzte. Und dann kam der Moment, in dem ich es auch selbst versuchen wollte. Ich schrieb Hrabals Biografie Im Paradiesgarten der bitteren Früchte, die in sieben europäischen Sprachen erschien, und schließlich fing ich an, Romane, aber auch Essaybände zu schreiben. Das Übersetzen half mir, meinen Stil zu verfeinern. Angehenden Schriftstellern gebe ich oft den Rat, dass das Übersetzen die beste Schule des Schreibens ist.

Was hat Sie dazu bewogen, sich in Ihrem Buch Im Paradiesgarten der bitteren Früchte intensiv mit Hrabal und seinem Werk auseinanderzusetzen?

Ich habe etwa zehn Romane von Bohumil Hrabal ins Spanische und Katalanische übersetzt. Wenn Hrabal nach Spanien kam, habe ich für ihn auf Pressekonferenzen gedolmetscht. Ich kannte ihn fast auswendig – seine Bücher ebenso wie Bohumil Hrabal persönlich. In Prag besuchte ich seine Nachmittagstreffen im legenderen Bierlokal „U zlatého tygra“ und in anderen Kneipen. Ich erlebte ihn auch in Aktion, zum Beispiel, wenn er den Stammgästen lange Gedichte von Jessenin auswendig vortrug oder wenn er beim Bier mit Philosophen über Philosophie, mit Schriftstellern über Literatur und mit Malern über Kunst diskutierte. Ich kannte ihn die letzten zehn Jahre seines Lebens, lernte auch seine Frau Eliška vor ihrem Tod kennen, seine letzte große Liebe April Gifford, genannt Dubenka, und war mit seiner Freundin und Zeitschriften übersetzte. Und dann kam der Moment, in dem ich es auch selbst versuchen wollte. Ich schrieb Hrabals Biografie Im Paradiesgarten der bitteren Früchte, die in sieben europäischen Sprachen erschien, und schließlich fing ich an, Romane, aber auch Essaybände zu schreiben.

Monika Zgustová (ČTK)

Das Übersetzen half mir, meinen Stil zu verfeinern. Angehenden Schriftstellern gebe ich oft den Rat, dass das Übersetzen die beste Schule des Schreibens ist. Was hat Sie dazu bewogen, sich in Ihrem Buch Im Paradiesgarten der bitteren Früchte so intensiv mit Hrabal und seinem Werk auseinanderzusetzen? bilden einen Teil meiner Identität. Die tschechische überwiegt, weil die Kindheit maßgebend ist, und diese habe ich in Prag verbracht. Außerdem ist Tschechisch meine Muttersprache, die ich mir bewahrt habe. Kein Tscheche merkt, dass ich nicht in Prag lebe. Die Muttersprache zu bewahren, erscheint mir wichtig und sollte wohl selbstverständlich sein. In den Vereinigten Staaten habe ich genügend Leute kennengelernt – Ausländer, die unter dem enormen Druck des Englischen, das perfekte Kenntnis voraussetzt, ihre Muttersprache verlernt haben. Ich persönlich habe versucht, mich in der neuen Umgebung zu assimilieren und dabei meine Persönlichkeit zu bewahren. Zur Assimilation gehört die Kenntnis der neuen Sprache und zur Bewahrung der Persönlichkeit gehört die Kultivierung der Muttersprache. Die Muttersprache zu verlieren, ist wie die Seele zu verlieren.

Sie sind sowohl Schriftstellerin als auch Übersetzerin. Wie beeinflussen sich diese beiden Tätigkeiten gegenseitig?

Ich habe als Übersetzerin begonnen und war glücklich darüber, dass ich die beste Literatur übersetzen durfte und in Spanien Interesse daran bestand. Ich unterstützte die übersetzten Bücher, indem ich in Zeitungen über sie schrieb, für Literaturbeilagen Interviews mit den Autoren führte und ihre Artikel für Ich habe etwa zehn Romane von Bohumil Hrabal ins Spanische und Katalanische übersetzt. Wenn Hrabal nach Spanien kam, habe ich für ihn auf Pressekonferenzen gedolmetscht. Ich kannte ihn fast auswendig – seine Bücher ebenso wie Bohumil Hrabal persönlich. In Prag besuchte ich seine Nachmittagstreffen im legenderen Bierlokal „U zlatého tygra“ und in anderen Kneipen. Ich erlebte ihn auch in Aktion, zum Beispiel, wenn er den Stammgästen lange Gedichte von Jessenin auswendig vortrug oder wenn er beim Bier mit Philosophen über Philosophie, mit Schriftstellern über Literatur und mit Malern über Kunst diskutierte. Ich kannte ihn die letzten zehn Jahre seines Übersetzerin ins Deutsche Susanna Roth befreundet. In Tschechien war damals die Ansicht verbreitet, Hrabal sei ein talentierter Biertrinker und schreibe seine Texte im Bierrausch. Hrabal war bescheiden, deshalb bemühte er sich nicht, diese Meinung zu widerlegen. Meine Identität ist komplex. Ich schreibe auf Tschechisch, Spanisch und Katalanisch, Artikel auch auf Englisch. Alle Kulturen, in denen ich mich bewege, bilden einen Teil meiner Identität. Ich glaube, das war auch Teil seiner privaten Mystifizierung, mit der er sich amüsierte. In meinem Buch habe ich versucht, ihn als Schriftsteller, als belesenen Intellektuellen, aber auch als einen sehr feinen, zärtlichen und sensiblen Menschen zu sehen. Und ich habe versucht, diese irreführende Vorstellung vom schreibenden Biertrinker zu korrigieren.

Das ganze Interview von Danuše Siering mit Monika Zgustová, deren Bücher in Tschechien im tschechischen Verlag Argo und Euromedia erscheinen, lesen Sie im Herbst 2026 im Buch über Bücher.

Fotos: Tomáš Železný und ČTK