Schreiben im Wald oder ein Besuch bei Bohumil Hrabal

Die Sehenswürdigkeiten erwachen nach der Winterpause erneut zum Leben. Auch das Sommerhaus von Bohumil Hrabal, wo der Schriftsteller den Großteil seiner berühmten Werke verfasste. Die Redaktion von Noble Notes hat sich auf den Weg dorthin gemacht.

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Durch Hrabals Sommerhaus in der mittelböhmischen Ortschaft Kersko führte die Redaktion Historiker Pavel Fojtík vom Heimatmuseum in Nymburk, der sich langjährig mit dem Werk von Bohumil Hrabal beschäftigt. Er hat das literarische Konzept für Hrabals „Chata“ in Kersko sowie die Hrabal-Ausstellung im Museum in Nymburk entworfen und umgesetzt. Aus dem Beitrag von Pavel Fojtík für die Publikation „Buch über Bücher“, die der Verlag Black Swan Media für die Internationale Buchmesse in Frankfurt am Main 2026 vorbereitet, bringen wir hier einen kleinen Textauszug.

Blick vom Eingangstor

Zufluchtsort in Kersko

Mitten in den Kiefernwäldern steht das idyllische Wochenendhaus des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal, dessen Bücher auch in Deutschland großen Anklang finden. Von seinen ersten Honoraren kaufte er sich 1965 ein Auto und eine „Chata“ – so heißen Häuschen im Grünen in Tschechien –, um dem Trubel Prags entfliehen und Ruhe und Erholung finden zu können. Dieses „Häuschen“ lag etwa 40 Kilometer von der tschechischen Hauptstadt entfernt und obendrein in der Nähe seiner Eltern, Vater Francin und Mutter Maryška, sowie von Onkel Pepin, die in der Stadt an der Elbe, in Nymburk, lebten. Übrigens liegt Kersko ebenfalls an der Elbe, und von Nymburk führt ein angenehmer fünfzehn Kilometer langer Radweg nach Kersko, der, wie könnte es anders sein, „Hrabal-Radweg“ genannt wird.

Meisterwerke aus der „Vechtrovna“ 

Was entzückte Hrabal an Kersko? Er verliebte sich so sehr in Kersko, dass sein Wochenendhaus zu seinem wahren Zuhause wurde. Ihn begeisterten die Natur, der Lebensstil in einem Häuschen im Grünen, das Pilzesammeln, die Haltung von Katzen und die Dorfkneipen mit ihren Gästen aus der nahen Umgebung. An das ursprüngliche, nur 39 Quadratmeter großes Häuschen baute Hrabal über der Garage noch ein Stockwerk mit einer verglasten Veranda an, eine Art Arbeitsatelier, das er im Eisenbahnerjargon „Vechtrovna“ (Weichenwärterhäuschen) nannte. Hrabal mochte die Eisenbahnwelt, seit er im Zweiten Weltkrieg bei der Bahn als Fahrdienstleiter tätig war.

Das gut erhaltene Interieur im Erdgeschoss der Hütte

Anfangs wollte er Kersko eigentlich nur als Freizeithaus für Wochenenden nutzen, doch nach der sowjetischen Besatzung der Tschechoslowakei im Jahr 1968 änderte sich alles, und Hrabal bezeichnete sich selbst als Schriftsteller in Liquidation. Alte Bücher von Hrabal wurden aus Bibliotheken entfernt, neue lehnten die Verlage ab, Agenten verfolgten ihn auf Schritt und Tritt. Kersko wurde zum einzigen Zufluchtsort vor der allmächtigen StB. Dennoch gab Hrabal künstlerisch nicht auf, ganz im Gegenteil. 

Genau hier, im ersten Stock, in der „Vechtrovna“, schuf er seine Meisterwerke. Im heißen Juli 1971 schrieb er innerhalb von 18 Tagen den Roman „Ich habe den englischen König bedient.“ Ebenso entstanden dort beispielsweise „Sanfte Barbaren“, „Allzu laute Einsamkeit“, „Die Schur“, „Schneeglöckchenfeste“.

Hrabal in seiner Hütte in Kersko, Anfang der 80er Jahre. Foto: Josef Charvát

Das Polabské Muzeum (Elbe-Museum) konnte das Haus von Bohumil Hrabal im Jahr 2021 von den letzten Besitzern erwerben. Und bereits 2024 wurde das Objekt in Form eines sogenannten Hausmuseums zugänglich gemacht. Die Besucher sollen beim Rundgang den Eindruck erhalten, als sei Hrabal nur für einen Moment weggegangen, vielleicht um Pilze zu sammeln oder einzukaufen. Besonders sehenswert sind die im Original erhaltenen Gegenstände, wie die Schreibmaschinen, ein Speicherofen, zahlreiche Bilder, ein bemalter Holzschrank, eine intarsierte Holztruhe, ein Korbsessel, Boxhandschuhe, die Kelle eines tschechischen Fahrdienstleiters oder ein authentischer Geweih-Kleiderhaken.

Mehr im vorbereiteten „Buch der Bücher“ und auf www.polabskemuzeum.cz

Foto: Tomáš Železný