Wie man durch die Klimakrise nicht verrückt wird

Unser Verlag Black Swan Media veranstaltete kürzlich eine Diskussionsveranstaltung zu diesem wichtigen Thema mit dem Titel New CZ-Deal: Wie man durch die Klimakrise nicht verrückt wird oder die junge Generation und der Klimawandel. Die Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Tschechisch-Deutschen Zukunftsfonds organisiert.

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Junge Menschen werden in ihrer Einstellung zur Klimakrise in vier Gruppen eingeteilt. Je nach ihrer Anzahl sind sie entweder Beobachter, Experten, Aktivisten oder Leugner. Die so genannten Leugner (oder Verneiner) sind auch in der Generation Z vertreten, die nach dem Jahr 2000 erwachsen wurde. Laut einer Umfrage von NMS Market Research, die eigens für Black Swan Media durchgeführt wurde, machen sie etwa 14 Prozent der gesamten jungen Bevölkerung aus und fühlen sich vom Klimawandel weder betroffen noch kümmern sie sich um ihn. Zwei Drittel davon sind Männer. Der Rest der Bevölkerung fühlt sich in seiner Entscheidungsfindung vom Klimawandel betroffen, reagiert aber auf dreierlei Art. Die Gruppe, die von NMS als Aktivisten bezeichnet wird, möchte sich an ihrer Lösung beteiligen. Sie machen etwa 30 Prozent der jungen tschechischen Bevölkerung aus, und zwei Drittel von ihnen sind hingegen Frauen. Sie sind es auch, die am ehesten sog. Klimaangst entwickeln.

 Petra Gümplová, Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Tomáš Železný

Nach den Äußerungen von Petra Gümplová, Professorin für Politikwissenschaft und Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, die an unserer Veranstaltung teilnahm, war diese Gruppe unter ihren Studenten zahlenmäßig sehr stark, wurde aber durch die Ansicht über die Bewegung Letzte Generation gespalten, die der Meinung ist, sie sei die „letzte Generation“, die die Klimakrise umkehren kann. Diese Bewegung mit ihren radikalen Forderungen (z. B. keine Kinder zu bekommen) wurde von vielen Studenten und sogar von der Partei der Grünen abgelehnt. Gümplová fügte allerdings hinzu, dass viele Wissenschaftler die Letzte Generation verteidigen und sie selbst in einigen Fragen mit ihr sympathisiert. 

Reisen wie eh und je

Die mit Abstand größte Gruppe (36 %) ist der Teil der Generation Z, den NMS als Beobachter bezeichnet. Sie zeichnen sich durch ein vorherrschendes Desinteresse an der Problematik aus, sind sich ihr aber bewusst. Dennoch fühlen sie sich durch das Klima nicht gestresst, verspüren keine Angst und wollen sich auch nicht an der Lösung der Krise beteiligen. „Sie wollen durch sie nicht depressiv werden und sagen, sie wüssten nicht, was sie als Einzelne gegen ein so großes Problem tun könnten“, beschreibt Gümplová die Einstellung ihrer Studenten in dieser Gruppe. 

 Hana de Goeij und Vincent Navrátil. Foto: Tomáš Železný

Die letzte, ebenfalls sehr zahlreich vertretene Gruppe sind die Experten (30 %): „Die Bezeichnung lässt darauf schließen, dass es sich um junge Menschen handelt, die sich intensiv für die Klimakrise interessieren und deshalb manchmal von Angstgefühlen ergriffen werden. Sie sind jedoch noch unentschlossen, sich konkret zu engagieren“, charakterisiert die NMS-Agentur diese Gruppe. Die Hälfte der befragten Jugendlichen gab an, Abfall zu trennen, keine Lebensmittel zu verschwenden und etwa 20 Prozent der Befragten äußerten, den Kauf neuer Kleidung einzuschränken. 

„Interessant ist, dass sie trotz alledem nicht gewillt sind, ihre Reisen einzuschränken, obwohl Flugreisen einen großen CO2-Fußabdruck haben“, so die Autoren der Umfrage. 86 Prozent der Befragten waren der Meinung, dass Industriebranchen und Unternehmen, die hohe Treibhausgasemissionen verursachen, die Hauptverantwortung für die Klimakrise tragen.

Zukunft hat die „erhaltende Arbeit“

Das gleiche Thema wurde auch am runden Tisch „New CZ-Deal: Wie man durch die Klimakrise nicht verrückt wird oder die junge Generation und der Klimawandel“ debattiert. Er wurde im Sommer von Black Swan Media in Zusammenarbeit mit dem Tschechisch-Deutschen Zukunftsfonds und der Website Ecoista organisiert. 

Tomáš Chlachula und Martin Čech. Foto: Tomáš Železný

Das Wort ergriff hier beispielsweise Martin Čech, Mitglied des Nerůst-(Degrowth)-Teams der Umweltplattform NaZemi. „In den meisten Ländern ist die Lebensqualität längst an ihre Grenzen gestoßen“, sagte er. Die Degrowth-Befürworter betonen daher die Bedeutung der so genannten erhaltenden  – „reproduktiven Arbeit“ – anstelle der „produktiven Arbeit“, die von der Wirtschaft gefordert wird. Die reproduktive Arbeit, zu der auch Tätigkeiten wie Mutterschaft und Sozialarbeit gehören, wird nach Ansicht von Čech stark unterbewertet. „Und das muss nicht so sein. Das ist nur unsere politische Entscheidung“, so Čech. 

Ebenfalls zu Wort meldete sich Kristýna Jiroušková vom Verein OBRAZ – Obránci zvířat, die sich mit ihrem Team für eine Reihe von Änderungen zugunsten des Wohlergehens der Tiere einsetzt, etwa für ein Verbot der Käfighaltung und ein Verbot von Pelzfarmen. „Wir drängen auch auf ein Verbot der Innenraumaufzucht, was gegenwärtig jedoch noch nicht möglich ist“, sagte Jiroušková. Derzeit arbeitet sie am sog. European Chicken Committment, das darauf abzielt, große Unternehmen und Handelsketten zu verpflichten, nur noch Hühner abzunehmen, die mindestens neunzig Tage lang aufgewachsen sind, statt wie bisher nur dreißig Tage. Die Verlängerung der Lebensdauer bringt eine Reihe von Verbesserungen für die Züchtung von Masthähnchen mit sich, die heute unter extrem harten Bedingungen gehalten werden.

Dieser Artikel erschien in der fünfte Ausgabe des Printmagazins N&N Czech-German Bookmag

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