🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Nová monografie vypráví o nekonečných přátelstvích Lenky Reinerové
„Lenka Reinerová gehörte zu Prag wie die Prager Cafés, seine Brücken und Türme. Sie wurde 1916 in eine Stadt hineingeboren, in der Sprachen und Kulturen miteinander verschmolzen – und genau dieses Milieu prägte ihr Werk. Auf Deutsch zu schreiben war für sie nicht nur eine Entscheidung, sondern die natürliche Fortsetzung der Tradition des Prager deutschen Umfelds, in dem Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Max Brod oder Egon Erwin Kisch wirkten“, schreibt Barbora Vojtová im Beitrag „Lenkas Stimme“ im „Buch über Bücher“, das anlässlich der Internationalen Buchmesse in Frankfurt am Main im Oktober 2026 erscheinen wird.
Joachim Dvořák, der Verleger und langjährige Freund von Reinerová und ihrer Tochter Anna Fodorová, hat seit 2000 sechs Bücher der Prager Literatin herausgebracht. Nun kommt die großformatige, 350seitige Lebenschronik „Unendliche Freundschaften“ hinzu. Sie wurde von Viera Glosíková verfasst, die Lenka Reinerová viele Jahre kannte. Die repräsentative Publikation aus dem Verlag Labyrint stützt sich auf sorgfältige Recherchen, enthält wertvolle Literaturquellen und Bildnachweis. Sie wurde am Ort getauft, der mit Lenka Reinerová zutiefst verbunden ist: in dem von ihr initiierten Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren.

„Nachdem uns Lenka 2008 verlassen hatte, dauerte es einige Jahre, bis ich so weit war, über sie schreiben zu können. Ich wollte nicht subjektiv vorangehen, da ich Lenka in der letzten Etappe ihres Lebens häufig getroffen habe. Mir ist bewusst geworden, dass die Freundschaft für Lenka von großer Bedeutung war, was sich schon im Buchtitel widerspiegelt. Ich erwähne darin Menschen, die ihr nahestanden, wie Anna Seghers, Egon Erwin Kisch oder Franz Carl Weiskopf, aber auch diejenige, die in das öffentliche Bewusstsein nie gelangt sind. Aber Lenka pflegte Freundschaften und sie schrieb daher auch über Menschen, die nicht mehr unter uns weilen und bei denen sie vermeiden wollte, dass sie in Vergessenheit geraten. Und eben das das wollte ich im Zusammenhang mit Lenka auch tun: Dass an ihr Leben und ihr Werk erinnert wird“, wünscht sich die Buchautorin.
Die Menschen fragen sie häufig, wie Lenka eigentlich war. „Mit dieser Frage verbinden sich viele Erlebnisse, Eindrücke und Dinge über Lenka, über die ich im Buch schreibe. Damit der Text nicht subjektiv wird, hat sich Glosíková für ein eher ungewöhnliches Konzept mit zwei Linien entschieden: Neben dem literaturhistorischen Strang, wenn es beispielsweise um die Interpretationen von Lenkas wenig bekannten Texten geht, basiert der zweite Strang auf ihren persönlichen Erinnerungen an Lenka. „Diese beiden Stränge überschneiden und ergänzen sich, wobei der persönliche Teil auf Assoziationen beruht, die für Lenkas Werk charakteristisch ist“, erklärt Glosíková und betont, dass diese beiden Perspektiven grafisch unterschiedlich dargestellt sind, wobei der Leser immer wissen wird, um welche Perspektive es sich gerade handelt.
Auch der Verleger Joachim Dvořák verband mit Lenka Reinerová seit 2000 eine besondere Beziehung: „Ich meine, wir standen uns sehr nahe. Dank ihr habe ich viele interessante Menschen kennengelernt. Sie inspirierte mich zu einer Reise nach Mexiko, nach der ich die Tagebücher von Frida Kahlo herausgab. Ihr zu verdanken ist es auch, dass in meinem Verlag Labyrint die Reiseberichte von Kisch und Hoffmeister erschienen sind. Und sie war es, die mich auf das erste deutsche Buch von Heinrich Mann aufmerksam machte … Sie gehört zu jenen seltenen Menschen – Engeln –, die einen auch nach dem Abschied von dieser Welt begleiten,“ meint Dvořák.

Die Tochter von Lenka Reinerová, Anna Fodorová, die zur Buchtaufe eigens aus London anreiste, wo sie sich niederließ, zeigte sich über das neue Buch erfreut: „Ich habe über die Biographie meiner Mutter während ihres Entstehens viel gehört. Doch nun sehe ich sie real vor mir – und es sieht phantastisch aus. Ich schätze es als ein gemeinsames Werk von Viera, die das Buch geschrieben hat. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass Joachim dermaßen viel recherchierte und mir daher viele Informationen vermitteln kann, wenn ich noch einige weitere brauchen würde. Denn als Lenkas Kind habe ich das Geschehen um uns herum ganz natürlich wahrgenommen.“
Der jetzige Direktor des Prager Literaturhauses, David Stechter hob den Scharm dieser wunderbaren Prager Erzählerin und Chronistin hervor. „Ich erinnere mich, dass ich als der damalige Direktor des Tschechischen Zentrums in München vor genau zwanzig Jahren Lenka Reinerová und František Černý nach München eingeladen habe, um im dortigen Kulturzentrum Gasteig ihren 90. Geburtstag zu feiern. Sie las dort aus ihrem Buch „Traumcafé einer Pragerin“. Dass es dazu während des Frühlingsabends noch geschneit hat, machte dieses Ereignis unvergesslich,“ so der Direktor Stecher.
