Brücken über stürmisches Wasser

Die Aggression des Kremls in der Ukraine hat den Westen in beispielloser Weise wachgerüttelt und vereint. Das N&N Magazin hat bei verschiedenen Unternehmen nachgefragt, wie sie die Situation von deren Sicht empfinden.

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Im Zusammenhang mit der neuen Sicherheitsbedrohung und im Gefolge der vielen unvermeidlichen Sanktionen (bzw. der russischen Vergeltungsmaßnahmen) ergeben sich auch außergewöhnliche Belastungen für die westlichen Volkswirtschaften. 

Inwieweit der Westen an seinen Positionen festhält, wird auch von der Konjunktur abhängen. Das N&N Magazin richtet daher die folgenden Fragen an Unternehmen, Unternehmer und einschlägige Organisationen, um einen genaueren Einblick in die Sicht der Wirtschaft auf die aktuelle Situation zu erhalten. Die Antworten zeigen, dass schwierige Zeiten den Überlebenswillen mobilisieren und die Bereitschaft, Bedürftigen zu helfen, bestätigen.

1. wie wirkt sich die aktuelle Situation auf Ihr Unternehmen aus und wie gehen Sie mit den daraus entstehenden Problemen um?

Fahrradhersteller Festka:

Die größten Herausforderungen sind der Mangel an grundlegenden Rohstoffen für die Produktion und deren hoher Preis. Wir gehen dieses Problem an, indem wir unsere Lieferkette grundlegend ändern. Dies stellt jedoch hohe Anforderungen an Entwicklung und Produktion. Auch die Transportkosten stellen eine große Komplikation dar. Wir bauen derzeit die ersten drei Standorte in den USA, der EU und Asien auf, an denen unsere Räder montiert werden. Bisher mussten alle Teile zum Beispiel von Asien nach Prag und zurück nach Asien gebracht werden. 

DM drogerie markt:

Der normale Betrieb unserer Geschäfte, der zentralen Verwaltung und der Logistikzentren war nicht beeinträchtigt. Derzeit haben wir auch keine nennenswerten Probleme mit Produktknappheit bei Lieferanten oder Eigenmarken. Wir haben Berichte von Lieferanten, dass sie zum Beispiel Probleme mit dem Verpackungsmaterial haben, aber das sind nur vereinzelte Probleme in der Menge des gesamten Sortiments.

Skoda Auto:

Der Volkswagen Konzern hat die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine mit großer Sorge und Bestürzung aufgenommen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine und dessen Folgen hat der Vorstand des Volkswagen Konzerns beschlossen, die Fahrzeugproduktion in Russland mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres auszusetzen. Diese Entscheidung gilt für die russischen Produktionsstätten in Kaluga und Nizhny Novgorod.

Außerdem stoppen wir mit sofortiger Wirkung den Export von Fahrzeugen nach Russland. Mit der Aussetzung der Geschäftsaktivitäten in Russland reagiert der Vorstand des Volkswagen-Konzerns auf eine Gesamtsituation, die von erheblicher Unsicherheit und Störung geprägt ist.

Czech Tourismus:

Die derzeitige Situation hat uns sowohl menschlich als auch beruflich tief getroffen. Nach zwei Jahren Pandemie bereitete sich der Tourismus auf einen Schock vor, doch der Schock war noch größer. Auf jeden Fall geben wir weder als Menschen auf, noch wollen wir als Fachleute aufgeben.

Rohlik.cz: 

Seit dem Ausbruch des Krieges ist es unsere Priorität, dort zu helfen, wo es nötig ist, sowohl in der Ukraine als auch bei den Flüchtlingen hier in der Tschechischen Republik. So spenden wir beispielsweise 1% unseres Umsatzes für die Ukraine und unsere Kunden haben die Möglichkeit, auf Rohlik.cz Gutscheine für wohltätige Zwecke im Wert von 100 bis 3000 Kronen zu erwerben.

Die materielle, finanzielle und moralische Unterstützung der Ukrainer ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Aus diesem Grund haben wir alle in Russland hergestellten Produkte aus unserem Sortiment ausgeschlossen. Wir organisieren auch den Transport von Familien unserer ukrainischen Kollegen von den Grenzen zur Slowakei und zu Polen in die Tschechische Republik und stellen ihnen eine erschwingliche Unterkunft zur Verfügung, und wir helfen den Familien bei der Wohnungssuche.

2. Welche aktuelle humanitäre Hilfe schätzen Sie? Ob in Ihrem Unternehmen oder anderswo.

Festka:

Ich denke, das Wichtigste ist die finanzielle Hilfe für die Ukraine, ich glaube, sie wissen am besten, was sie brauchen. Auch die Betreuung der Flüchtlinge ist sehr wichtig, und wir müssen ihnen angemessene Lebensbedingungen bieten, einschließlich der Möglichkeit zu arbeiten.

DM drogerie markt:

Die Ereignisse in der Ukraine haben uns zutiefst betroffen gemacht, und wir fühlen mit den Menschen, die jetzt unermessliches Leid erfahren. Wir haben daher in den letzten Tagen verschiedene Möglichkeiten für eine sinnvolle Unterstützung geprüft. Über die gemeinnützige Organisation Menschen in Not haben wir auf 46 Paletten Grundhygieneartikel für Kinder und Erwachsene, Babynahrung und nicht verderbliche Lebensmittel im Gesamtwert von 1.239.470,09 CZK in die vom Krieg betroffenen Gebiete geschickt.

Ab Mittwoch, den 16. März 2022, bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, an der Kasse aller dm-Märkte in der Tschechischen Republik ein virtuelles Produktpaket im Wert von 100, 200 oder 300 CZK zu bezahlen. Der gesamte Erlös aus dieser Tätigkeit, natürlich ohne Anspruch auf die Gewinnspanne des Einzelhändlers, wird in Produkte umgewandelt, die die vor dem Krieg fliehenden ukrainischen Bürger derzeit benötigen. Die Zusammenarbeit wird mit dem tschechischen Verband der Lebensmittelbanken koordiniert, der dafür sorgt, dass die Hilfe direkt bei den betroffenen Familien und Einzelpersonen ankommt, die in ihrer Heimat eine sichere Zuflucht vor dem Krieg finden.

Skoda Auto:

Der Volkswagen Konzern, einschließlich aller seiner Marken, hat beschlossen, eine Million Euro an die UN-Flüchtlingshilfe zu spenden. Auch Škoda Auto beteiligt sich an dieser Spende. Zusätzlich zu dieser Unterstützung spendet das Unternehmen zusammen mit seinem Sozialpartner Kovo 10 Millionen CZK an die tschechische Nichtregierungsorganisation Menschen in Not. Die Gewerkschaft Kovo MB wird die Sammlung der Stadt Mladá Boleslav mit 1 Mio. CZK unterstützen und Unterkünfte in deren Freizeiteinrichtungen zur Verfügung stellen sowie Plätze in Kinderlagern für Flüchtlingskinder anbieten. Parallel dazu laufen weitere Fundraising-Aktivitäten auf Gewerkschaftsseite.

Falls erforderlich, helfen wir unseren ukrainischen Mitarbeitern dabei, ein sicheres Umfeld für ihre Familie in der Tschechischen Republik zu schaffen. Konkret werden wir Unterstützung bei der Visabearbeitung, der Unterbringung, den Sprachkursen, der Gesundheitsfürsorge, der Integration, der Ausbildung und idealerweise der Beschäftigung leisten.

Der finanzielle Beitrag in Höhe von einer Million Kronen geht an die Partnerstadt Mladá Boleslav und jeweils eine halbe Million Kronen an Rychnov nad Kněžnou und Vrchlabí, die sich für die Aufnahme und Betreuung von Flüchtlingen einsetzen. und jeweils eine halbe Million Kronen an Rychnov nad Kněžnou und Vrchlabí.

Die Stadt Mladá Boleslav organisiert eine Spendenaktion für das Krankenhaus in der ukrainischen Partnerstadt Tiačiv, zu der Škoda Auto 1 Million CZK beisteuern wird. Die Gewerkschaft Kovo MB wird diese Sammlung ebenfalls mit 1 Million CZK unterstützen.

Da unser Hauptaugenmerk auf der Mobilität liegt, wird sich Škoda Logistics am Transport der gespendeten Gegenstände beteiligen und die tschechischen humanitären Organisationen bei ihren Aktivitäten durch die Bereitstellung von Fahrzeugen unterstützen.

Czech Tourismus:

Wir glauben, dass wir den Newcomern jetzt und langfristig auch unserer Branche helfen können. Die Pandemie hat uns Flexibilität und Solidarität gelehrt, beides ist und wird jetzt gebraucht.

Rohlik.cz:

Wir halten es für wichtig, den ukrainischen Flüchtlingen zu helfen, die hier in der Tschechischen Republik ohne jegliche Mittel sind. Es ist schmerzlich, Frauen und Kinder in langen Schlangen ohne jegliche Sicherheit warten zu sehen. Deshalb versuchen wir, sie zumindest mit Erfrischungen und Hygieneartikeln zu versorgen, die wir regelmäßig in die Flüchtlingszentren bringen. Neben der Nahrungsmittelhilfe sehen wir die Notwendigkeit, den Flüchtlingen ein stabiles Einkommen zu bieten. Wir haben daher 330 Arbeitspositionen in Lagerstellen in Prag und weitere 100 in Brünn eröffnet.

3. wo sehen Sie Europa im Jahr 2033?

Festka:

Ich bin fest davon überzeugt, dass Europa gestärkt aus dieser Krise hervorgehen wird. Länder, Unternehmen und Einzelpersonen werden über ihre Werte und Ziele nachdenken und diese überdenken müssen. Ich glaube, dass wir dazu in der Lage sind und dass wir es schaffen können, es wird uns stärker machen.

DM drogerie markt:

Wir sind optimistisch, also ohne Krieg und in Frieden.

bpv Braun Partners:

Noch vor wenigen Wochen hätte ich nicht gedacht, dass die Frage des Friedens, geschweige denn der erwogene Einsatz von Atomwaffen, Europa selbst mit der Frage des physischen Überlebens konfrontieren würde. Aber ich möchte optimistisch sein. In elf Jahren wird die EU (aus politischen Gründen) größer sein, sich aber mit zwei Geschwindigkeiten entwickeln, wobei einige Länder außerhalb stehen, aber wirtschaftlich eng miteinander verbunden bleiben, wie dies bereits bei der Schweiz oder Norwegen der Fall ist. Im Zuge der demografischen Entwicklung werden die Gesichter Europas noch älter aussehen, aber die Bevölkerung wird gesünder sein und die Babyboomer werden neben ihrer Rente weiterhin wirtschaftlich aktiv sein.

Europa wird kein Kontinent der Steppen und Wüsten sein, wie viele Klimawarner vorhersagen. Zum einen werden die Volkswirtschaften die klimaschädlichen Emissionen deutlich reduzieren, vor allem aber werden wir lernen, die negativen Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Und obwohl ich kein Zukunftsforscher bin, wage ich die Vorhersage, dass die UEFA auch in elf Jahren noch nicht zu ihrem Recht gekommen sein wird und es daher keine jährliche Fußball-Europameisterschaft geben wird. Welche Sportart wird dann das größte Sportereignis des Jahres 2033 sein? Der Superbowl oder ein eSport-Event? 

Die Fragen wurden beantwortet von:

Festka: Michael Moureček, Gründer des Unternehmens

DM drogerie markt: Ing. Jiří Peroutka, Kommunikationsmanager

Škoda Auto: Zitate aus der offiziellen Mitteilung des Automobilherstellers vom 7. März.

Czech Tourismus:  Markéta Chaloupková, Direktorin von CT Deutschland

bpv Braun Partners: Arthur Braun, Rechtsanwalt, geschäftsführender Gesellschafter

Rohlík.cz: Lutfia Volfová, Managerin

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