Die Tschechen haben „ihre“ deutsche Dramatikerin – Katharina Schmitt

Die deutsche Regisseurin und Dramatikerin Katharina Schmitt ist im Inland und Ausland bekannt. In der Tschechischen Republik vor allem im Prager Studio Hrdinů, wo sie mehrere Stücke inszeniert hat.

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Nach den Worten der Schauspielerin Ivana Uhlířová, die von der Regisseurin bevorzugt engagiert wird, sind diese Begegnungen immer außergewöhnlich: „Sie bringt jedes Mal ein seltenes Thema mit einem immensen psychologischen Hintergrund mit, der mir liegt und mit dem ich sehr gut arbeiten kann. Katharina vertraut dem Schauspieler, lässt ihn denken und gestalten“, erklärt die Schauspielerin. Es ist kein Zufall, dass ihre Herzstücke die Inszenierungen Temně lákavý svět (Dunkel lockende Welt) oder On není jako on (Er ist nicht wie er) sind, bei denen Schmitt in Prag Regie führte. 

Nach dem Abitur kam Schmitt aus Deutschland nach Prag, weil sie sich für Ost- und Mitteleuropa interessierte. Tschechisch sprach sie nicht, erlernte die Sprache aber in kürzester Zeit in einem Intensivsprachkurs. Sie fühlte sich zum Theater hingezogen und fragte sich, wie es weiter gehen sollte. „Ich schwankte zwischen einem Literatur- und einem Regiestudium. Als mich ein Freund von der DAMU zu einer Vorstellung des Theaters DISK einlud, war mir alles klar. Das Konzept der Schule gefiel mir, weil es die Zusammenarbeit zwischen Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen ermöglicht. Außerdem wollte ich sowieso in Prag bleiben. Also habe ich mich an der DAMU in Prag beworben“, erklärt Katharina Schmitt.

Das tschechische Publikum wurde durch das Stück Temně lákavý svět / Dunkel lockende Welt von Klaus Händl mit Daniela Kolářová, Ivana Uhlířová und Marian Roden, das sie vor siebzehn Jahren am Theater Komödie inszenierte, auf sie aufmerksam. Darüber hinaus arbeitete sie in der MeetFactory und am Nationaltheater. 

Produktion von “Das letzte Kapitel der Weltgeschichte” im Studio Hrdinů in Prag. Foto: Peter Fabo

Ihre langjährige Heimatbühne ist das bereits erwähnte Studio Hrdinů, für das sie mehrere Inszenierungen gemacht hat. In ihrem aktuellen Stück Das letzte Kapitel der Weltgeschichte von Heinrich Kleist geht sie auf die traumatisierende Zeit der Isolation ein. Die Inszenierung basiert auf zahlreichen Interviews mit Prager und Berliner Schauspielern über ihr Leben während der Pandemie. Es ist ein sehr persönliches Werk, das sich um das Theater als einen sozialen Raum dreht, der lange Zeit geschlossen war. Was macht den Reiz von Kleists Text für sie aus? „Kleist schreibt über die Unerklärlichkeit der Welt als Tatsache. Auch hierin finde ich seinen Dialog aktuell. Und die Proben haben es eigentlich bestätigt. Ich hatte die Befürchtung, dass die Schauspieler dem Text distanziert gegenüberstehen, dass er ihnen zu abstrakt, vielleicht sogar fremd erscheint. Und genau das Gegenteil war der Fall.“

In den letzten Jahren richtet sie den Fokus auch auf die Oper und arbeitet mit zeitgenössischen Komponisten zusammen. „Gemeinsam mit dem Komponisten Ondřej Adámek bereite ich für die Oper Köln die Oper INES für großes Orchester, Solostimmen und Chor vor. Es handelt sich um eine Adaption des Orpheus-Mythos vor dem Hintergrund einer nuklearen Katastrophe. Sowohl INES als auch die bereits erwähnte Inszenierung Das letzte Kapitel der Weltgeschichte sind Weltuntergangsszenarien. Man könnte also sagen, dass ich mich in den letzten Monaten vor allem mit dem Ende, mit Explosionen und der Zerstörung des Theaters beschäftige“, sagt die Regisseurin und fügt hinzu, dass die Premiere der beeindruckenden Oper im Juni nächsten Jahres in Köln zu sehen sein wird. 

Dieser Artikel erschien in der vierten Ausgabe des Printmagazins N&N Czech-German Bookmag

Lucie Drahoňovská

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