Ball im Savoy

„In vielerlei Hinsicht erinnert sie an Hollywood-Musicals und die verrückten Komödien der 1930er und 1940er Jahre“, schrieben begeisterte Kritiker nach der Prager Premiere von Paul Abrahams Jazz-Operette Ball im Savoy. Der große Erfolgstitel wird im Rahmen des Projekts Musica non grata in der nächsten Saison an die Staatsoper zurückkehren

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Eines Tages hörte ich im Musikverlag, wie das Grammophon die so schöne Melodie Ich küsse Ihre Hand, Madame spielte. ‚Geschmacklos!‘ sagte ich. ‚Geschmacklos?‘ fragte der Verleger. ‘Wissen Sie, dass sich das an die 500.000 Mal verkauft hat?’ Innerhalb einer Woche habe ich 100 Schlager geschrieben!“ Das ist eine von mehreren Versionen der Geschichte über die erste Begegnung des ungarischen Komponisten Paul Abraham (1892–1960), des exzentrischen Königs der Jazzoperette, der für seine weißen Handschuhe und seine Vorliebe für Luxus und Glücksspiel bekannt war, mit der populären Musik.

Berliner Reigen

Als kleiner Junge träumte er in seiner Heimat Apatin beim Bauen von Sandburgen am Ufer der Donau davon, ein zweiter Franz Liszt zu werden. Er absolvierte die Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest, doch das Schicksal und vor allem das notwendige Geld führten ihn schließlich „von den verschneiten Höhen der philharmonischen Musik“, wie er in einem Interview über die klassische Musik sagte, zur leichten Muse – der Welt der Operette und des Tonfilms. 

Als er 1932 den Ball im Savoy komponierte, lebte er bereits das zweite Jahr im märchenhaft reichen Berlin in einer Rokoko-Villa im Rausch grandioser Feste, umgeben von der High Society. Er komponierte die Musik zum Film Die Frau aus dem Osten, den Schlager Bin kein Hauptmann, bin kein großes Tier aus dem Film Melodie des Herzens, der auch auf Schallplatte erschien, und vor allem die Operetten Die Blume von Hawaii und Victoria und ihr Husar, die 1931 auf rund 230 europäischen Bühnen aufgeführt wurden. Die frenetische Berliner Zeit dauerte drei Jahre, unterbrochen durch die Machtübernahme Adolf Hitlers Anfang 1933. Paul Abraham musste Deutschland fluchtartig verlassen seine Werke wurden hier verboten, und den Komponisten ereilte das unglückliche Schicksal der meisten jüdischen Künstler, deren Lebensraum im Europa der 1930er Jahre immer mehr zu schrumpfen begann.

Eine wunderbare Mischung

Mit dem Mix aus europäischem Jazz, ungarischen Csardas, dem Tango, Klezmer und dem Stil der klassischen Wiener Operette gelang es Abraham, im Ball im Savoy eine absolut unbeschwerte Welt zu zaubern. Das Orchester, das durch eine Jazz-Sektion ergänzt wird, spielt mit exotischen Instrumenten wie Mandolinen, Banjos und Hawaii-Gitarren, aber auch mit zeitgenössischem Schlagzeug, Klavier und Celesta. 

Für die musikalische Gestaltung der Prager Aufführung zeichnete der Dirigent und Komponist Jan Kučera verantwortlich, die Regie führte der Alfréd-Radok-Preisträger Martin Čičvák. Die Hauptrollen werden von vielen bekannten Gesichtern der Oper des Nationaltheaters gespielt: Vanda Šípová, Doubravka Součková, Jiří Hájek, Csaba Kotlár, Josef Moravec, Daniel Matoušek, Angela Nwagbo, Linda Fernandez, Lucie Hájková, Barbora Řeřichová oder Vladimír Kratina. Bezaubernde Musik, eine witzige Geschichte, spektakuläre Tanzszenen und wunderschöne Kostüme im Haute-Couture-Stil des griechisch-französischen Designers Georges Vafias – all das erwartet das Publikum dieses außergewöhnlich schönen Werks, das im Oktober und Dezember 2023 noch mehrere Aufführungen an der Staatsoper erleben wird, darunter auch eine Silvestervorstellung. 

Mehr Informationen unter: www.musicanongrata.cz

Dieser Artikel erschien in der vierten Ausgabe des Printmagazins N&N Czech-German Bookmag

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