Eine Bohne, die die Welt verbindet 

Das ist Dallmayr Kaffee, ein Synonym für Qualität und erstklassigen Service. Die Kaffee-Liebhaber verbindet dieses köstliche Getränk weltweit seit mehr als 300 Jahren.

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Die Tradition des Unternehmens geht auf das Jahr 1700 zurück, als der Kaufmann Christian Reitter in der Dienerstraße in München ein Delikatessengeschäft eröffnete. Den heute weltweit bekannten Namen Dallmayr erhielt das renommierte Delikatessengeschäft jedoch erst viel später, als 1870 Alois Dallmayr das Geschäft übernahm. Obwohl die Besitzer des Delikatessenhauses mit den Jahren gewechselt haben, sind der Name Dallmayr und die Adresse geblieben, und das Dallmayr Delikatessenhaus ist nach dem berühmten Dom die am zweithäufigsten besuchte Adresse Münchens. Im Laufe der Zeit hat sich Dallmayr zu einem der größten Delikatessenhäuser Europas entwickelt. Die Kontakte zum bayerischen Königshof und zum deutschen Kaiserhof in Berlin trugen zum Ruhm des Hauses bei. 

Der Geschäftsbereich Kaffee

In der Tschechischen Republik verbinden wir mit der Marke Dallmayr vor allem einen hochwertigen und köstlichem Kaffee. Im Jahr 1933 richtete der damals erst neunzehnjährige Bremer Kaffeespezialist Konrad Werner Wille bei Dallmayr in München dafür eine eigene Abteilung ein. Er kaufte den Rohkaffee, röstete ihn selbst und organisierte den Verkauf. Er war nicht nur ein Kenner dieses exotischen Getränks, sondern erfand als hervorragender Manager eine eigene Kaffeemarke, Dallmayr Prodomo, für den Hausgebrauch. Sie erfreut sich bis heute großer Beliebtheit, und die Kaffeesparte hat sich zum wichtigsten Bestandteil der gesamten Produktpalette des Unternehmens entwickelt. Die Kaffeebohnen, die das Unternehmen anbietet, stammen von Plantagen in Äthiopien, wo Wille sie für die Welt „wiederentdeckte“. Seitdem ist Dallmayr der größte Importeur von Kaffee aus Äthiopien.

Auslöser war Amerika

Eine grundlegende Wende kam in den 1950er Jahren, als Experten der Münchner BMW-Autofabrik auf die Idee kamen, dass man die Kaffeemaschinen, die sie in amerikanischen Unternehmen gesehen hatten, auch in München einführen könnte. So wurde 1962 die Getränkeautomaten-Sparte Dallmayr Automaten-Service gegründet. Auch hier blieb Dallmayr seinen Grundsätzen – höchste Kaffeequalität und erstklassiger Service – treu. Mit der Zeit wuchs das Unternehmen, gewann neue Kunden und wurde zum größten Anbieter von Kaffeeautomaten in Deutschland. Nach und nach wurde das Angebot um Getränke- und Lebensmittelautomaten erweitert. Dallmayr fand einen neuen Kundenkreis und wächst auch durch Übernahmen. In den 1990er Jahren erwirbt Dallmayr ein Unternehmen mit einer Niederlassung in Ungarn und dringt damit auch auf den mittelosteuropäischen Markt vor.

Image der deutschen Qualität

„Der engagierte Manager Springer bereiste die Länder Mittel- und Osteuropas und ließ natürlich auch die Tschechische Republik nicht aus. Er traf sich mit ähnlichen Dienstleistern wie Dallmayr, um über sie in den dortigen Markt einzusteigen“, erinnert sich René Sion. „Damals hat Dallmayr mehrere Unternehmen ausfindig gemacht, die sie ansprechen wollten. Darunter war auch das Unternehmen, bei dem ich damals arbeitete. Wenig später trafen wir uns in Prag wieder. Wir sprachen über die gegenseitigen Erwartungen und Marktpotenziale und klärten unsere Ziele. Schließlich einigten wir uns auf die Zusammenarbeit in der Tschechischen Republik“, erzählt Direktor Sion.

Leiter des tschechischen Unternehmens Dallmayr René Sion

Unter seiner Leitung agiert Dallmayr seit 2001 auf dem tschechischen Markt. „Damals dachten wir, dass der tschechische Markt in unserer Branche gesättigt ist. Aber zum Glück haben wir uns geirrt. Wir boten hohe Qualität und Noblesse, wobei uns natürlich auch das ‘deutsche Qualitätsimage’ geholfen hat. Wir brachten brandneue, ungebrauchte Maschinen auf den Markt, die die Tschechen damals noch nicht hatten. Aber sie waren auf Reisen, so dass sie in der ganzen Welt guten Kaffee probieren und beurteilen konnten, was ihnen schmeckt. Da ich bereits über Erfahrungen und Kontakte in der Branche verfügte, hatten wir einen recht schnellen Start“, so René Sion über die Anfänge von Dallmayr in der Tschechischen Republik. Obwohl er nur mit einem dreiköpfigen Team arbeitete, schrieb das Unternehmen bereits nach einem Jahr schwarze Zahlen und hält seither die gleiche hohe Qualität. Trotz schlechterer Zeiten, wie zum Beispiel während der Corona-Pandemie. „Dallmayr war schon immer kompromisslos in der Qualität. Das gilt, ebenso wie die Verantwortung gegenüber dem Kunden, bis heute. Diese Energie wird an die Filialen und Tochtergesellschaften weitergegeben, was uns hilft und uns zugleich prägt. Wir verbinden Top-Produkte mit Top-Service. Wir liefern also nicht nur die Kaffeemaschine, sondern achten auch auf die Kommunikation und den Service“, erklärt René Sion. 

Seit 2009 ist das Unternehmen in einem eigenen Gebäude in Jesenice bei Prag ansässig, hat aber Niederlassungen im ganzen Land. Die tschechische Dallmayr ist im Verhältnis zu Deutschland eine Kommanditgesellschaft, bei der der Inhaber mit seinem gesamten Vermögen haftet. Diese Entscheidung fußte jedoch hauptsächlich auf den unterschiedlichen Buchhaltungssystemen in den jeweiligen Ländern. Das tschechische Unternehmen bezieht von Dallmayr Kaffee, der an drei Standorten in Deutschland geröstet wird. Die Maschinen kauft es direkt von italienischen, deutschen oder Schweizer Herstellern.

Akademie und Galerie

Neben Kaffee für Unternehmen und andere private und öffentliche Einrichtungen sowie Hotels bietet Dallmayr auch Komplettlösungen für Erfrischungen-, Kaffeemaschinen- und Getränkeautomaten an. Weitere Dienstleistungen sind Kaffee-Catering, technischer Service und Kaffeeschulungen. Dallmayr verfügt über ein eigenes Schulungszentrum direkt in Jesenice. „Wir schulen sowohl erfahrene als auch unerfahrene Baristas im Umgang mit unserem Kaffee,  qualifizieren Schüler von Gastronomieschulen, lehren  diverse Zubereitungsmethoden, wie zum Beispiel die beliebte Latte Art, bieten aber auch Umschulungskurse an. Unsere Lehrkräfte – Baristas unterrichten sowohl den praktischen als auch den theoretischen Teil“, beschreibt René Sion eine der Einrichtungen, die am Hauptsitz von Dallmayr in Tschechien tätig sind. Dazu gehört auch eine Kunstgalerie, die vor zwölf Jahren gegründet wurde. „Uns sprach ein Investor an, der im Zentrum von Prag ein Café und eine Galerie eröffnen wollte. Das Projekt wurde zwar aufgegeben, aber in der Zwischenzeit lernten wir die Galerie kennen, die daran beteiligt sein sollte. Schließlich kamen wir mit ihr überein, zusammenzuarbeiten und die Verbindung von Kunst und Kaffee direkt in unserem Unternehmen zu realisieren. Aufgrund der positiven Resonanz der Besucher und unserer Mitarbeiter begannen wir dann, Vernissagen zu organisieren, die leider durch Covid unterbrochen wurden. Bei uns stellen tschechische Künstler aus, aber auch Studenten der Kunstschule in Jesenice. Wir unterstützen nicht nur die Kunst und die Künstler, sondern wir zeigen den Menschen, dass sie nicht ihr ganzes Leben sparen müssen, um ein Bild kaufen zu können. Uns stehen etwa einhundertvierzig Bilder zur Verfügung. Die Kunstwerke im Unternehmen kultivieren uns, denn durch sie helfen wir nicht nur dem Künstler, sondern wir entwickeln auch unser eigenes ästhetisches Empfinden“, so René Sion. 

„Im neunzehnten Jahrhundert begann der Kaffee in größerem Umfang zu erscheinen. Aber erst in den 1920er und 1930er Jahren wurde er zu einem Phänomen. Etwas, das die Menschen verbindet, ein Ritual, ein Grund, sich zu treffen. Und das ist er auch heute noch. Für mich persönlich ist Kaffee ein Ritual. Außerdem verbindet er die Menschen perfekt“, sagt René Sion, Inhaber des tschechischen Unternehmens Dallmayr.

Heute beschäftigt die inländische Dallmayr 185 Mitarbeiter. Zu Beginn arbeiteten etwa 140 Franchisenehmer für sie, heute sind es Einheiten. Bei den Wirtschaftsmodellen kommt es auf die Anforderungen des Kunden und die Attraktivität des Standortes an. „Es gibt verschiedene wirtschaftliche Modelle. Entweder der Kunde bezahlt uns, weil er die Dienstleistung will, auch wenn es für uns nicht rentabel ist. Oder keiner zahlt etwas. Oder wir zahlen, weil der Standort sehr lukrativ ist und die Konkurrenz Interesse an ihm hat. Die Produktpalette bleibt meist die gleiche, sie ändert sich vielleicht in Nuancen, aber die Grundmuster wiederholen sich“, beschreibt Sion. 

Eine Tasse für Gott

Der wohl größte „Star“-Fan des Dallmayr-Kaffees in der Tschechischen Republik war Karel Gott. Er und Sion telefonierten regelmäßig miteinander, und das Thema drehte sich natürlich um Kaffee. Karel Gott kannte Dallmayr-Kaffee aus Deutschland, wo er oft Konzerte gab. Er war daher angenehm überrascht, als er Dallmayr-Kaffee in der Tschechischen Republik entdeckte. „Er war ein großer Enthusiast und gab zu, dass er, wenn er einmal Werbung für jemanden machen würde, dies gern für uns tun würde. Letztendlich waren wir uns aber einig, dass eine Massenkampagne nicht der Weg ist, den wir gehen wollen“, verrät der Chef der tschechischen Niederlassung und fügt hinzu, dass die Zielgruppe für den tschechischen Dallmayr-Kaffee Unternehmen und Institutionen sind, nicht aber der Endverbraucher. Konventionelle Werbung würde daher keinen Sinn machen. Welche persönliche Beziehung hat René Sion zu dieser Köstlichkeit? „Kaffee ist etwas, das die Menschen verbindet. Er ist eine Zeremonie, ein Grund, sich zu treffen. Und das gilt seit den 1920er Jahren, als er ein Phänomen wurde, bis heute. Für mich persönlich ist Kaffee ein Ritual“, fasst René Sion, Inhaber des tschechischen Unternehmens Dallmayr, zusammen. 

Dieser Artikel erschien in der fünfte Ausgabe des Printmagazins N&N Czech-German Bookmag

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