Alien auf Hluboká

Das Thema Tod, Sexualität und Technologie. Und ein Oscar für visuelle Effekte für Alien. Bis zum 19. November findet in Hluboká nad Vltavou die Ausstellung Proměny /Metamorphosen. Der Autor ist der weltberühmte Schweizer, Hans Ruedi Giger.

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Viele finden seine bizarre und düstere Kunst empörend. Dennoch muss man zugeben, dass Giger die Welt um eine neue, ganz spezifische Form der Kunstdarstellung bereicherte, und dass sein Beitrag zur Science-Fiction und Horror unbestreitbar ist. Er bezeichnete sich selbst als Surrealist, wobei ihn andere für einen biomechanischen Surrealisten halten, der mechanische (unbelebte) und organische (belebte) Formen miteinander kombinierte. Das Ergebnis stellt eine Mischung aus Mensch und Maschine dar, die an einen Außerirdischen von einem Planeten erinnert, auf dem es keine Sonne scheint, und wo es keine Schatten gibt. Darin drückte Giger seine persönliche Besorgnis dafür, wohin sich die Zivilisation entwickelt.

Inspiration von Freud und Kafka

Alien war für die Karriere des Schweizers von grundlegender Bedeutung. Nicht nur als filmische Leistung, sondern es wurde zu seinem Lebensthema. Alien flüsterte er ihm zu, kontrollierte ihn und zog seinen Geist in Richtung Nacktheit. Für Giger gab es keine Grenzen, es gab also keine Angst, sie zu überschreiten. Der Besucher sollte in Gigers Werk nicht nach Zerbrechlichkeit oder Emotionen suchen, denn dies findet man nicht. Vielmehr wird man ein nicht identifizierbares Gefühl der Bedrohung spüren. Vielleicht spielte dabei die lebenslange Faszination des Künstlers für die Psychoanalyse von Siegmund Freud eine Rolle. Aber Giger war auch ein großer Bewunderer der Prager deutschsprachigen Literaturszene, vor allem der magischen Welt von Gustav Meyrink und Franz Kafkas. Auf seiner weltberühmten Erzählung Die Verwandlung basiert Gigers Zeichnungsserie, nach der die aktuelle Ausstellung benannt wurde, also Verwandlungen / Metamorphosen. 

Die Südböhmische Aleš­-Galerie schaffte es, Gemälde und Skulpturen gekonnt zu installieren, obwohl sie Kunstobjekte dicht aneinander anhäuft. Dem Betrachter wird auf diese Weise manchmal nicht die gesellschaftlich anerkannte Diskretozone gewährt, so dass er in Gigers Werk hineingezogen wird. Aber das geschieht auf eigene Gefahr.

Dalí, Amerika und Albträume

Hans Ruedi Giger wurde 1940 in Chur in der Schweiz geboren. Er studierte Innenarchitektur und Industriedesign an der Kunstgewerbeschule Zürich, wo er auch lebte und mit verschiedenen künstlerischen Techniken experimentierte. Und nicht nur damit. Vielleicht ist das der Grund für die Albträume, die sich natürlich in seinen Werken widerspiegeln. Die 1970er Jahre, in denen er Salvador Dalí kennenlernt und seine erste Amerikareise unternimmt, sind für seine künstlerische Ausrichtung entscheidend. Er trifft den Regisseur Ridley Scott, der ihn dazu überzeugt ist, dass Giger das Thema seines Films Alien künstlerisch auffassen kann. Im Jahr 1980 gewinnt Giger für die visuellen Effekte dieses Werk den Oscar-Preis. Er wird sprichwörtlich nachtsüber weltberühmt, was ihm große Ausstellungen und weitere Aufträge bringt. 

Giger starb 2014 und er gilt bisjetzt als der größte Visionär des 20. Jahrhunderts. Nehmen Sie sich die Zei, und besuchen Sie die Südböhmische-Aleš-Galerie im Schlosspark von Hluboká nad Vltavou und überzeugen Sie sich selbst. Sie werden eine 900 Quadratmetern ertreckt sich die größte Giger-Ausstellung, die jemals in Mitteleuropa präsentiert wurde.

Mehr auf: ajg.cz/hrgiger/  

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