Mährische Schönheit

Die Managerin Monika Vintrlíková lebt in Atlanta, die Architektin und Designerin Helena Dařbujánová lebt abwechselnd in Prag und Hradec Králové, die Malerin Marie Švirgová (1936-2022) lebte in Lanžhot in der Region Břeclav. Was verbindet sie? (der Stiftungsfonds) Mährische Schönheit.

🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Moravská krása

Obwohl Monika Vintrlíková, Unternehmerin in der Automobilindustrie Atlanta und Honorarkonsulin im Bundesstaat Georgia, Tausende von Kilometern von ihrer südmährischen Heimat entfernt ist, haben sie und ihr Mann Jan ihre Wurzeln nicht vergessen. „Meine Eltern haben mich dazu erzogen, Mähren und alles, was unsere Vorfahren aufgebaut haben, zu respektieren. Mein Mann ist der gleichen Ansicht und so denken wir ständig Neues aus und bauen etwas auf“, sagt die Unternehmerin. „Als wir vor mehr als zehn Jahren der Beschäftigung wegen in die Vereinigten Staaten gingen, suchten wir eine tschechische Schule für unsere Töchter und begannen, mit ihr zusammenzuarbeiten“, blickt Vintrlíková zurück und fügt hinzu, dass es nicht nur beim Tschechisch geblieben ist. Die Vintrlík´s beherbergen tschechische und mährische Künstler in Übersee, und ihre Aktivitäten haben sich allmählich auf andere amerikanische Bundesstaaten ausgeweitet.  

Vor zwei Jahren gründeten sie und ihr Mann den Stiftungsfonds Mährische Schönheit (Moravská krása) mit dem Ziel, „mährische Traditionen im modernen Leben zu erhalten“.  Sie wollen zeigen, dass Traditionen, kulturelles Erbe und Folklore keineswegs langweilig, uninteressant oder gar unzeitgemäß sind. Sie organisieren Workshops, in denen Menschen aller Generationen verschiedene volkstümliche Techniken ausprobieren können, sie gründeten die Sammlung des Museums und bereichern sie ständig mit neuen Exponaten. 

Foto: Moravská krása

Bei der Suche nach einem geeigneten Sitz für den Stiftungsfonds fiel die Wahl auf eine einhundertzwanzig Jahre alte, dreistöckige Villa aus der Zeit der Liechtensteiner in Břeclav – Poštorná (Unter Themenau), die heutige Havlíček-Villa. „Die Besucher sind bezaubert von der Atmosphäre, da Břeclav nicht ihresgleichen hat. Und somit  haben wir etwas, worauf wir wirklich stolz sein können. Aber wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus. Auf dem Plan stehen die Außenrenovierung der Villa und die Gestaltung des umliegenden Geländes. Damit die Besucher so viel Zeit wie möglich bei uns verbringen können“, so Monika Vintrlíková.

Luft, Sonne und Freundschaft

Die anspruchsvolle Renovierung wurde der Architektin und Designerin Helena Dařbujánová anvertraut, für die Mährische Schönheit zu einer Herzensangelegenheit geworden ist: „Wie stellt sich eine Tschechin aus Prag die Innenausstattung für das Haus der Mährischen Schönheit vor? Eine schwierige, äußerst verantwortungsvolle und in gewisser Weise auch amüsante Aufgabe. Aber als mich ein mährischer Freund nach der Besichtigung der renovierten Villa anrief und sagte, er habe sich wie in den Ferien bei seiner Großmutter gefühlt und dass er „Mähren in der Luft“ spürte, hatte ich das Gefühl, als wäre ich mit einem Orden ausgezeichnet worden. Denn mein Ziel war es, ein Interieur voller Luft, Sonne, Tradition und Freundschaft zu schaffen“, erklärt Dařbujánová. Ergänzend bemerkt sie, dass der Ort für die Basis des Stiftungsfonds und der multifunktionale Raum der  Havlíček-Villa, für den sie auch zahlreiche Elemente der  Innenausstattung entworfen hat, von einer „weichen und reinen mährischen Farbgebung voller mährischer Freundlichkeit“ dominiert wird. 

Die Vintrlík´s sind mit dem Ergebnis überaus zufrieden: „Helenas Design ist erstklassig, ihre Arbeit zeitlos. Wir reisen viel, also können wir vergleichen. Helena durchdenkt den Arbeitsablauf bis ins Detail, kommuniziert mit den Lieferanten und bürgt für sie, was wir zu schätzen wissen, denn mein Mann und ich sind äußerst penibel. Helena und ich haben uns sofort gut verstanden und bereiten schon weitere gemeinsame Projekte vor.  Das einzige Problem ist, dass wir Helena nicht klonen können“, lacht die Unternehmerin.

Äpfelchen, Herzchen und Kornblumen

Zum Eröffnungsprogramm des Stiftungsfonds gehörte die Ausstellung „Kornblumen & Mährisches Ornament“, bei der die geräumigen Ausstellungssäle der Havlíček-Villa im Sommer mit festlichen Trachten–Kopfbedeckungen aus den Regionen Podluží und Slovácko sowie farbenfrohen, großformatigen Holzornamenten von siebzehn Volkskünstlern belebt wurden. 

Der Stiftungsfonds Mährische Schönheit hat seinen Sitz in der Havlíček-Villa in Poštorná, einem Stadtteil von Břeclav, wo die Besucher eine Ausstellung besuchen können, die Tradition mit modernem Design, z. B. Möbeln, verbindet. Die Autorin des Konzepts ist die Architektin und Designerin Helena Dařbujánová.

Darunter auch das Werk der renommierten Vertreterin volkstümlicher Malerei, der fünfundachtzigjährigen Marie Švirgová aus Lanžhot. Ihre Ornamente aus der Region Podluží mit Kompositionen aus roten Äpfelchen und Herzchen, blauen Kornblumen und grünen Erbsen sind nicht nur auf Keramik, Trachten, Wänden von Weinkellern und neuerdings auch in der Kapelle der Heiligen Theresia im Zentrum von Kostice nad Břeclavsku zu sehen, sondern werden vielleicht auch ganz unerwartet auf modernem Design zu finden sein. Es geht um Holzschemel von Helena Dařbujánová aus einer limitierten Kollektion mit dem treffenden Namen Mährische Schönheit. 

Die renommierte Designerin brachte im Übrigen etwas von dem, was die Ausstellung in Břeclav in diesem Sommer zeigte, mit nach Prag. Getreu ihrem Credo „Rückkehr der Poesie ins Leben durch Design“ präsentierte sie in ihrem Prager Showroom im Stadtteil Letná die bezaubernde Ausstellung Mährische Schönheit. Passanten und Besucher bewunderten die festlichen Trachten-Kopfbedeckungen und eine kunstvoll bestickte Schürze. Zu sehen waren bemalte und mit Blaudruck versehene Tücher, Schleifen und verzierte Leinenröcke, in denen so manch eine Frau auch heute noch beeindrucken könnte. Zu den Schätzen Südmährens gehörte ebenfalls Helenas Schemel aus der Kollektion Mährische Schönheit mit bunten Ornamenten von Marie Švirgová. Die bewundernswert vitale Dame kam in Tracht gekleidet persönlich zur Vernissage der Mährischen Schönheit in Prag und enthüllte den Anwesenden die  Kunst des volkstümlichen Ornaments.

Dieser Artikel erschien im Printmagazin N&N Czech-German Bookmag

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