Weihnachtsgeschichte auf Porzellan

Die deutsche Porzellanmanufaktur Rosenthal ist voll von bewundernswerten Geschichten. Eine davon ist mit der Weihnachtskollektion verbunden. Seit einigen Jahren wird sie von der tschechischen Künstlerin Renáta Fučíková entworfen.

🇨🇿 Tento článek si můžete přečíst i v češtině: Vánoční příběh na porcelánu

Es sind tschechische Bräuche und Traditionen, die sich jedes Jahr in den Weihnachtskollektionen der weltberühmten Porzellanfabrik Rosenthal wiederfinden. Tatsächlich sind es Motive, die Tschechen und Deutsche gemeinsam haben. Zumindest in der Region, in der sich das Erzgebirge erstreckt. Der zerklüftete Gebirgszug hat die beiden Nationen in der Vergangenheit trotz der Staatsgrenze stets eher verbunden als getrennt. Nicht nur aus Gründen der Arbeit und der Verwandtschaft. 

Keine zehn Kilometer von der westlichsten tschechischen Stadt Aš entfernt liegt die bayerische Stadt Selb, die seit jeher mit der Porzellanherstellung verbunden ist. Das international bekannte Unternehmen Rosenthal hat hier seinen Sitz. Man schrieb das Jahr 1879, als der junge Philipp Rosenthal aus Amerika zurückkehrte, wo er sich vom Tellerwäscher zum Porzellanhändler hochgearbeitet hatte. Nach seiner Rückkehr gründete er auf Schloss Erkersreuth in Selb einen Betrieb für Porzellanmalerei. So entstand ein Unternehmen, das noch heute für Funktionalität, Qualität, Innovation und Kreativität steht. Dies bestätigt auch die Zusammenarbeit mit der tschechischen Künstlerin und Illustratorin Renáta Fučíková. Seit 2016 kreiert sie jedes Jahr eine exklusive Weihnachtskollektion für die Porzellanfabrik. „Vor Jahren wurde ich von der Art-Direktorin des Rosenthal Design Centers, Frau Insa Doan, angesprochen. Angeblich war ich Teil einer Ausschreibung, bei der das Team fünf europäische Künstler auf der Grundlage ihrer Arbeiten aus dem Internet aussuchte. Am Ende wählten sie mich aus, um ihren langjährigen Mitarbeiter Ole Winter aus Dänemark zu ersetzen“, erinnert sich Renáta Fučíková und fügt hinzu, dass die Arbeit an Weihnachtskollektionen nicht einfach ist, da sie viele technische, farbliche und thematische Einschränkungen mit sich bringt.

Straßenbahnen auf Porzellan

Das erste Thema, mit der die Zusammenarbeit be–gann, war der Wintersport. Und das mit der Nostalgie der Jahrhundertwende, die Sie jedes Jahr aufs Neue in Ihrem Werk hinterässt. In diesem Jahr steht die weihnachtliche Sammleredition unter dem Motto „Christmas Sounds“, d. h. Klänge der Weihnacht. Was macht sie so besonders? „Die diesjährige Kollektion ist vom Land in die Stadt gezogen. Auf den Tellern fahren Straßenbahnen und Züge und die Kinder singen unter den Bäumen der Marktplätze. Es ist die Atmosphäre der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Alle meine Kollektionen sind retro, manchmal gehe ich bis ins 19. Jahrhundert zurück, als die Weihnachtsmärkte das Hauptmotiv waren. Andere Male gehe ich dreißig Jahre zurück. Eine solche Kollektion wird nächstes Jahr auf den Markt kommen. Ich male gern Tiere auf Porzellan: wilde Fasane, Kaninchen, Enten, Möwen, Igel oder auch Haustiere wie Hunde, Katzen, Papageien“, beschreibt die Künstlerin ihre Lieblingsthemen.

Die Klänge der Weihnacht

In diesem Jahr fängt der Porzellan-Weihnachtsschmuck in Form von Kugeln, Tannenzapfen, Stiefeln oder  Kegeln die lang ersehnten Treffen von Freunden ein, begleitet von Glockengeläut, dem Spiel von Cello und Klavier oder Blechblasinstrumenten. Musikalische und andere Klangmotive, die mit der (Vor)Weihnachtszeit in Verbindung gebracht werden, finden sich nicht nur auf weihnachtlichem Porzellanschmuck, Serviettenständern und Blechdosen, sondern vor allem auf einer Vielzahl von Geschirr. So kann man Glühwein aus Tassen trinken, auf denen Kinder Weihnachtslieder singen, Geige oder Trompete spielen, oder verschiedene Süßigkeiten von Tellern probieren, auf denen sich die Menschen kurz vor Beginn des festlichen Adventskonzerts um den reich geschmückten Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz versammeln. 

Ein Vorteil ist, dass der Liebhaber von Weihnachtsporzellan nicht die gesamte Weihnachtskollektion kaufen muss, sondern jedes Jahr auch nur ein Stück hinzukaufen kann. Sie sind immer farblich aufeinander abgestimmt und jedes Stück hat darüber hinaus seine eigene Beschreibung. „Rosenthal hat mich gebeten, die auf dem Porzellan gezeichneten Geschichten aufzuschreiben. Es sind kurze Texte mit Weihnachtsstimmung“, sagt die Künstlerin Renáta Fučíková über ihre poetische Weihnachtskollektion. 

Dieser Artikel erschien in der fünfte Ausgabe des Printmagazins N&N Czech-German Bookmag

Barbora Vojtová

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